Vermischtes Grenzen gesprengt

29.12.2002, 23:00 Uhr

Expeditionen ins Tierreich: Das Geheimnis des Salamanders – ARD, Neujahr 19. 10 Uhr Wie sah eigentlich die Tierwelt unserer Vorfahren im Mittelalter aus? Diese Frage hat den beiden Biologen und Filmautoren Jan Haft und Christian Roth keine Ruhe gelassen. Mit einem überzeugenden, innovativen Konzept machten sie sich monatelang im Westerwald an die Arbeit, einen spannenden Film für den NDR zu drehen, der die Grenzen der üblichen Dokumentation sprengt und zwischen Fiktion und Naturbetrachtung pendelt.

Wir schreiben das Jahr 1307. Burgherr Heinrich, ein alter Wüstling, bricht an der festlichen Tafel tot zusammen. Gemahlin Mechthildis weiß warum, mischte sie ihm doch heimlich Gift in den Wein. Kein seltener Fall in damaliger Zeit, in der Scheidungen unter Adelsleuten praktisch nicht in Frage kamen und noch kein Gerichtsmediziner eine Autopsie vornehmen konnte. Doch welchen tödlichen Extrakt hat die Burgherrin benutzt? Hat es mit dem Geheimnis um den Feuersalamander zu tun?

Ausgehend von dieser Krimi-Vorlage veranschaulicht der Film das Naturverständnis der Menschen damals. Der Zuschauer wird mitgenommen in den deutschen Urwald zu Wildschweinjagden, Falknern und Liebenden, deren Picknick jäh von einem Braunbär gestört wird. Marder, Siebenschläfer und Spitzmaus lassen es sich auf der Burg und in deren Speisekammern gut gehen. Und der Kauz erbeutet am liebsten die heute so seltenen Hirschkäfer, deren Köpfe er regelrecht abrasiert.

Die gepanzerten Häupter wiederum waren begehrt, galten sie doch als Mittel gegen das Bettnässen von Kindern und als Glücksbringer. Natürlich darf die Kräuterhexe in so einem Film nicht fehlen, die nachts auf die Pirsch geht und neben Knollenblätterpilzen auch die sagenumwobene Alraune einsammelt. Der Feuersalamander gehörte ebenfalls zu ihrem Inventar, dessen Hautsekret für so giftig gehalten wurde, dass es ganze Dörfer auslöschen konnte. Ob das stimmt, wird erst am Ende verraten.