Vermischtes Geschichtsträchtiges Haus wird erhalten

08.07.2009, 22:00 Uhr

„Dieses Haus soll wirklich unter Denkmalschutz stehen?“ Diese Frage – vorgetragen mit zumindest leicht ungläubigem Staunen – war häufig in Venne zu hören, wenn die Rede auf das alte Gebäude an der Hunteburger Straße kam, das zum Verkauf stand. Ein „Ruine“, die auf der Fläche eines kleinen Wohnbaugebietes steht, die aber nicht abgerissen werden darf. Jetzt gibt es eine Perspektive für die sogenannte Vogtei.

Bei dem Gebäude handelt es sich allerdings nicht um die Vogtei selbst – einst Sitz von Verwaltern – sondern um ein Heuerhaus, das zur Vogtei Venne gehörte.

Die neue Perspektive gründet sich auf einen Bundestagsbeschluss. Im Nachtragshaushalt 2007 enthalten ist ein Posten im Höhe von 400 Millionen Euro mit der Zweckbestimmung „Zuschüsse für national bedeutsame Kulturinvestitionen“. 40 Millionen Euro aus diesem Topf sind vorgesehen für Einzelobjekte im Denkmalschutz. Einen Teil der Gelder hatte der Haushaltsausschuss des Bundestags im vergangenen Jahr bereits freigegeben für verschiedene Projekte.

Jetzt kann auch die letzte Tranche ausgegeben werden – und davon profitiert die Vogtei mit einem Betrag von 50000 Euro. Das teilte der Bundestagsabgeordnete Georg Schirmbeck der Gemeinde Ostercappeln mit. „Externe Sachverständige hatten zuvor die Förderlisten mit den Projekten geprüft“, so Bürgermeister Rainer Ellermann.

„Für die Gemeinde Ostercappeln und die Ortschaft Venne ist der Erhalt des geschichtsträchtigen Hauses von großer Bedeutung“, betonen Ellermann und Vennes Ortsbürgermeister Jürgen Gahbler. Über viele Jahre hinweg sei gemeinsam mit der Denkmalpflegebehörde des Landkreises Osnabrück und des Landes Niedersachsen nach Möglichkeiten gesucht worden, das Haus zu erhalten. „Dank der Förderung aus dem Bundesetat sind Erhalt, Renovierung und Restaurierung des Hauses einen wichtigen Schritt nach vorne gekommen“. Die Bundesbeteiligung beträgt pro Maßnahme maximal 50 Prozent der Kosten. In begründeten Fällen können Ausnahmen zugelassen werden, so ist es im Sonderprogramm für den Denkmalschutz formuliert.

Die Kommune selbst übernimmt die Vogtei allerdings nicht. Ein privater Investor hat sich gefunden, der das Haus übernimmt und instand setzen will. Die Gemeinde will aber bei der Umsetzung der umfangreichen Sanierungsarbeiten unterstützend zur Seite stehen.

Warum hat das Haus überhaupt eine so große Bedeutung, dass eine Renovierung finanziell bezuschusst wird? Zu den landschaftsprägenden, sozialgeschichtlich interessanten Objekten zählen Heuerhäuser. Nordöstlich des Dorfes Venne liegt ein ehemaliges Heuerhaus, das ursprünglich wohl zur Vogtei Venne gehörte.

Berichte aus dem Jahr 1716 belegen den Kauf des Gebäudes im Jahr 1664. Damit könnte es sich um das älteste erhaltene Fachwerkgebäude in der Ortschaft Venne handeln. Das Innengerüst des Zweiständerfachwerkbaus mit Flettdielengrundriss ohne Scherwand weist konstruktive Details wie gabelförmig verdickte Ständer und geringe Balkenüberstände auf, die ebenfalls auf ein hohes Alter deuten, so die Denkmalschutzexperten. Das Außenfachwerk des Gebäudes stammt vermutlich aus dem 18. beziehungsweise 19. Jahrhundert. Der fehlende Kamin weist auf ein ursprüngliches Rauchhaus hin.