Vermischtes Ganz im Geiste Woodstocks

22.07.2009, 22:00 Uhr

Carlos Santana entlockt seiner Gitarre einen für ihn so typischen Dauerton und schaut auf seinen Arm, als wolle er beobachten, wie langsam, aber sicher eine Gänsehaut entsteht.

Sicherlich ist er nicht der Einzige, der im Rund des Gerry-Weber-Stadions an diesem Abend vor Begeisterung eine Gänsehaut bekommt, denn das Gastspiel der amerikanischen Rocklegende mit seiner Liveband in Halle (Westfalen) wartet mit verschiedenen Höhepunkten auf.

Die Show startet mit einer Einspielung von Original-Woodstock-Filmaufnahmen auf der Videoleinwand über der Bühne – ein dramaturgisch gelungener Einfall, um die Zeitspanne zu visualisieren, in der Carlos Santana schon die Geschichte des Rock beeinflusst.

Dann beginnt die Band nahtlos, den Titel „Soul Sacrifice“ zu spielen, mit dem der Siegeszug des Latin-Rock nach Santana-Art 1969 begann. Schnell stellt sich heraus, dass der gebürtige Mexikaner auf der Bühne kein Interesse an gelackter Unterhaltung amerikanischer Machart hat.

Stattdessen bekommt der Zuschauer an dem Abend eine unprätentiöse, stattdessen umso lebendigere Show voller Spiellaune und musikalischer Leckerbissen geboten. Zehn Musiker hat der 62-jährige Frontmann um sich geschart. Da ist die Rhythmusgruppe, die allein aus vier Personen besteht: Ob Latinrock, Salsa, Soul oder Boogie, Timbales-Spieler Karl Perazzo, Congaist Raul Rekow, Drummer Dennis Chambers und Bassist Benny Rietveld sorgen für ein explosives Fundament, auf dem zwei Bläser, ein Keyboarder, ein zweiter Gitarrist sowie zwei Sänger die Songs unterschiedlichster Couleur entfalten können.

Und der Hauptakteur: Der steht zwar im Mittelpunkt des Geschehens, doch tritt er auch mal bescheiden hinter ein Schlagzeugpodest, um seinen zweiten Gitarristen ein Solo spielen zu lassen. Doch dafür ist natürlich kein Fan ins Stadion gekommen, denn alle wollen diesen charakteristischen Gitarrensound hören, den Carlos Santana auf seinen speziell angefertigten Paul-Reed-Smith-Gitarren erzeugt. Sie wollen diese singenden Töne hören, die man schon nach drei Tönen erkennt und die kaum jemand zu imitieren in der Lage ist.

Sie wollen Santanas Finger über die Perlmuttvögel auf dem Griffbrett seines Instruments huschen sehen, wenn er „Black Magic Woman“ oder „Oye Como Va“ spielt. Genau das, aber ebenfalls diverse neuere Songs wie das bejubelte „Maria Maria“ vom 1999er Album „Supernatural“ und unbekanntere Lieder bekommen die Zuschauer geboten.

Die applaudieren auch begeistert, wenn Carlos Santana zwischendurch Appelle an sie richtet, in denen er gegen Gewalt und Angst, aber für Frieden und Liebe plädiert. Ganz im Geiste Woodstocks. Dazu passt es, dass er später ein T-Shirt des Hippie-Festivals trägt, um als Zugabe einen alten Superhit zu intonieren: Bei „Jingo“ zieht die Band noch einmal alle Register – bis zur Gänsehaut.

Dass Carlos Santana ohne schlechte Gefühle an den Auftritt in Halle seine Tour fortsetzen kann, verdankt er einer aufmerksamen Security, die beim Abbau auf der Bühne einen 44-jährigen Fan aus Gütersloh beobachtete, der gerade eine seiner Paul-Reed-Smith-Gitarren stehlen wollte. Das Instrument wurde von der Firma als Einzelanfertigung extra für Carlos Santana hergestellt ist mehrere Tausend Euro wert. Der Dieb wurde ergriffen und der Polizei übergeben.