Vermischtes Führerschein wird kostspieliger Hürdenlauf

29.07.2009, 22:00 Uhr

Weg vom manchmal negativen Brummifahrerimage: Auch dazu soll die Berufskraftfahrerqualifikation beitragen. Allerdings kommen insbesondere auf Fahranfänger hohe Kosten zu. Dazu müssen Führerscheininhaber mehr denn je darauf achten, dass sie rechtzeitig die Verlängerung ihrer Fahrerlaubnis beantragen. Seit dem vergangenen September gilt das neue Gesetz bereits für Busfahrer, das auf einer europäischen Richtlinie basiert und in Langfassung „Gesetz zur Einführung einer Grundqualifikation und Weiterbildung der Fahrer im Güterkraft- oder Personenverkehr“ heißt. „Alle Kraftfahrer sollen auf einen Ausbildungsstand gebracht und gehalten werden“, sagt Michael Koslowa, Fahrschullehrer des Unternehmens Beckermann aus Bramsche.

Dieser neue rechtliche Rahmen hat insbesondere Auswirkungen auf Fahranfänger. Die sogenannte beschleunigte Grundqualifikation umfasst einen theoretischen Teil von 130 Stunden sowie weitere zehn Stunden mit zusätzlichen Grundfahraufgaben – zusätzlich zum Führerschein Klasse D, bei dem Anfänger, die bislang nur den Pkw-Führerschein besitzen, 58 Fahrstunden absolvieren müssen. Im Zuge der Grundqualifikation legen die Teilnehmer bei der Industrie- und Handelskammer eine 90-minütige theoretische Prüfung ab. Absolventen können zwar versuchen, sich die Stunden zu sparen. Dann müssen sie allerdings eine umfangreichere Prüfung von vier Stunden Theorie und dreieinhalb Stunden Fahrpraxis ablegen. Entsprechend zweifelt Koslowa, ob Fahranfänger diese bestehen können.

Dazu kommt die Weiterbildung für Führerscheininhaber. Innerhalb eines Zeitraums von fünf Jahren müssen sie eine Schulung von 35 Stunden nachweisen, die Bereiche wie Energiesparen, Verkehrsvorschriften, Fahrgastsicherheit oder Sozialvorschriften betreffen. Ob die Fahrer die Stunden im Block absolvieren oder verteilt über die Jahre, ist ihnen überlassen. Auch diese Schulung, die Fahrschulen anbieten, ist mit Kosten verbunden, die je nach Anbieter etwa zwischen 400 und 800 Euro liegen. Kostspieliger ist aber noch die Qualifikation für Führerscheinneulinge, rund 2000 Euro müssen sie berappen.

Fragen, vor denen Teilnehmer und Betriebe stehen: Wer trägt die Kosten? Wann werden die Schulungen durchgeführt? Das Bramscher Unternehmen Beckermann ist in zweierlei Hinsicht betroffen. Auf der einen Seite bietet die Fahrschule Qualifikation und Schulung an. Auf der anderen Seite umfasst das Unternehmen auch einen Busbetrieb, der etwa (Mehr-)Tagesfahrten anbietet. Mit den derzeit 30 Fahrern müssen ebenso Regelungen zu den Schulungen getroffen werden wie mit künftigen Fahranfängern, die als Mitarbeiter in dem Unternehmen arbeiten möchten. Derzeit sei noch nicht absehbar, ob die neuen gesetzlichen Regelungen möglicherweise den Berufsnachwuchs abschrecken könnten, sagt Koslowa.

Das neue Gesetz kann auch problematisch werden für Fahrer, die den Führerschein bereits haben. Dieser ist befristet und muss nach fünf Jahren beim zuständigen Straßenverkehrsamt neu beantragt werden. Verpasst der Inhaber ihn möglicherweise wegen eines Auslandsaufenthalts neu zu beantragen, wird er nach dem letzten Stand der Dinge wie ein Berufsanfänger behandelt und muss die Grundqualifikation ebenfalls durchlaufen. „Der Betrieb muss dafür sorgen, dass so etwas nicht passiert“, sagt Erika Bönisch von der Fahrschule Beckermann. Koslowa geht allerdings davon aus, dass diese Regelung vom Bundesverkehrsministerium noch einmal überprüft wird.

Offene Fragen gibt es aber nicht nur für Busunternehmen, sondern auch für Speditionen. Ab dem 10. September gilt das Gesetz nämlich auch für Lkw-Fahrer.