Vermischtes Feindselig und rassistisch

09.07.2009, 22:00 Uhr

Der Deutsche Fußball Bund (DFB) engagiert sich in vielfältiger Weise für Integration. Erst kürzlich erhielt die Aktion „Minispielfelder als Plattform für Integration“ viel Anerkennung. Wie wichtig derartige Initiativen sind, belegt ein Vorfall aus dem Jugendfußball.

Mit diskriminierendem Verhalten und rassistischen Äußerungen in einem besonders schweren Fall anlässlich des Spiels der B-Junioren-Niedersachsenliga TuS Lingen gegen HSC Hannover vom 5. April musste sich jetzt das Sportgericht des Niedersächsischen Fußball Verbandes (NFV) unter Vorsitz von Johannes Budde (Barßel) beschäftigen.

Bei diesem Vorfall wurde der Fußballplatz als Plattform für Beleidigungen übelster Art missbraucht – und zwar von einem Vater eines B-Junioren-Fußballers des TuS Lingen. Es sollen an dieser Stelle nicht alle rassistischen und sexistischen Äußerungen wiederholt werden, aber dem Verbandssportgericht liegt dieser diskriminierende Wortschwall im Detail vor. Dafür sorgten die Verantwortlichen des HSC Hannover, die diesen Vorfall dem NFV meldeten.

Die HSC-Vertreter sprachen von extremen Anfeindungen durch einen Zuschauer des TuS Lingen. Die B-Junioren des HSC seien fassungslos gewesen und hätten kaum noch am aktiven Spielgeschehen teilnehmen können. Kurz vor Ende der Partie habe der Zuschauer mehrere Spieler ausländischer Herkunft rassistisch beleidigt. Der Verbandsjugendausschuss sah sich daraufhin veranlasst, ein Verfahren beim Sportgericht einzuleiten.

Aufgrund der Aussage eines der beiden Schiedsrichter-Assistenten konnte der Vater identifiziert werden. Die groben Beleidigungen und menschenverachtenden Äußerungen sind ebenfalls registriert worden. Der TuS Lingen räumte schließlich ein, dass „der eine Zuschauer weit über das Ziel hinausgeschossen ist“. Allerdings sei der Mann von einem Spieler des HSC zuvor massiv verbal angegangen worden.

Der Verein distanziere sich in aller Form vom Inhalt der Aussagen des Vaters, der beim TuS weder Funktionär noch Mitglied sei. Dennoch verhängte das Sportgericht gegen den TuS Lingen eine Geldstrafe in Höhe von 400 Euro. Die Äußerungen des Zuschauers bewerteten die Sportrichter als ehrenverletzend und diskriminierend. Der Mann habe sich extremistisch, obszön, anstößig und provokativ verhalten. Dieser Tatbestand hätte mit einer Geldstrafe bis zu 5000 Euro bestraft werden können. Nach den diskriminierenden Äußerungen sei ein Spieler des HSC Hannover auf dem Platz in Tränen ausgebrochen. Dem TuS Lingen wurde strafmildernd zugutegehalten, dass der Verein bisher nicht negativ aufgefallen ist. Dem Vater des Spielers wurde ein befristetes Stadionverbot erteilt.