Vermischtes Europa setzt «96» Grenzen - Pinto: Kleines Tief

16.09.2011, 08:56 Uhr

Der erste Auftritt in der Europa League hat Hannover 96 die internationalen Grenzen aufgezeigt. Die Mannschaft ist nicht in der Lage, Glanzleistungen wie in den Playoffs gegen den FC Sevilla permanent abzurufen.

«Wir haben keinen guten Tag erwischt. Man muss uns auch mal ein kleines Tief gönnen», sagte Sergio Pinto nach dem dürftigen 0:0 gegen Standard Lüttich. Der Kräfteverschleiß durch Bundesliga, Europacup und DFB-Pokal scheint sich früh abzuzeichnen. «Man merkt schon die Belastung. Morgens steht man mit ein paar Wehwehchen mehr auf», gab der Mittelfeldspieler zu.

Die sportliche Leitung bemühte sich vor der Partie gegen den deutschen Meister Borussia Dortmund, den Fußball-Profis den Rücken zu stärken. «Wir haben ein Stück Reife gezeigt, dass wir uns kein Gegentor gefangen haben», lobte 96-Sportdirektor Jörg Schmadtke die Abwehrleistung. «Die Mannschaft hat eine gute Reaktion auf das 0:3 in Stuttgart gezeigt. Man muss auch mal mit einem Punkt zufrieden sein. Das 0:0 lässt uns alle Chancen», bewertete Trainer Mirko Slomka das Remis gegen solide spielende Belgier, die bis auf einen Heber von Jan Schlaudraff (40.) an die Latte kaum Chancen der Gastgeber zuließen.

«Früher standen wir tief und haben gekontert. Jetzt spielen wir selbst gegen Gegner, die tief stehen», erläuterte Schlaudraff das Dilemma, das der Erfolg mit sich bringt. Ins offene Messer will den Niedersachsen keiner mehr rennen. Deshalb freuen sich die Spieler auf die schwere Aufgabe gegen den BVB. «Die Dortmunder werden selbst das Spiel machen. Da können wir unsere Stärken ausspielen», meinte Pinto.

Bis vorigen Samstag waren er und seine Kollegen das einzige Bundesliga-Team ohne Niederlage, nun stehen für Hannover 96 fünf sieglose Pflichtspiele in Serie zu Buche. «Das müssen wir schnell ändern», forderte der defensive Mittelfeldmann. «Fünf Spiele ohne Sieg, das spielt keine Rolle», machte Schlaudraff einer Mannschaft Mut, die derzeit bei allem Einsatz ihre gefürchtete Effektivität verloren hat. Deshalb steht Hannover 96 in der Gruppe B schon im nächsten Spiel bei Worskla Poltawa in der Ukraine unter Druck.

Der Funke der Begeisterung von 42 450 Zuschauern sprang diesmal nicht auf die Mannschaft über. Auch auf den Rängen war es stiller als gegen Sevilla. José Riga war das nur recht. Der redselige Trainer des belgischen Pokalsiegers lobte die gute Organisation seiner im Angriff harmlosen Mannschaft. Einer seiner vielen Sätze fasste die 90 Minuten am Donnerstagabend für beide Teams prima zusammen. «Wir müssen jetzt keine Freudensprünge machen», sagte der Standard-Coach.