Vermischtes ,,Ein supergutes Gefühl...´´

02.05.2000, 22:00 Uhr

Osnabrück (hp) Samstag, 29. April, 16.15 Uhr. Es ist hektisch auf der Bank des VfL Osnabrück, 4:3 führt der Spitzenreiter beim BV Cloppenburg, die 90. Minute läuft. ,,Is´ längst Schluss!´´, brüllt einer der Reservisten nervös aufs Feld, ein anderer assistiert: ,,Mensch, pfeif´ endlich ab!´´ Ein baumlanger Spieler im weißen VfL-Dress tänzelt auf den Fußspitzen, wartet ungeduldig auf die Einwechselung und ruft: ,,Noch nicht abpfeifen, bloß nicht!´´ Sekunden später ist Günter Baerhausen im Spiel; erstmals seit dem 13. April 1998 betritt er wieder die Regionalliga-Bühne.

Knapp zwei Minuten dauerte sein Einsatz am vergangenen Samstag - zwei Minuten Glück nach 757 Tagen Warten auf das Comeback. "Ich habe mich wahnsinnig gefreut, es war einfach nur ein supergutes Gefühl", sagt Baerhausen, den viele schon abgeschrieben hatten: "Ich habe immer an mich geglaubt, ich wusste, dass ich es noch mal packe. Aber es war natürlich eine verdammt schwierige Zeit..."

Die schwierige Zeit begann am 13. April 1998 mit einem alltäglichen Zweikampf im Heimspiel gegen die Amateure des Hamburger SV. Eine Grätsche, ein Sturz, ein Schlag - "ich wusste sofort, dass da was kaputt war", erinnert sich Baerhausen. Es war ein Abriss des Sitzbeins, eine seltene und komplizierte Verletzung, die der Fußballer schon einmal erlitten hatte; mit 15 Jahren im Talentschupppen des 1. FC Köln.

Den quälend langen Weg der zwei Jahre danach kann Baerhausen schildern wie für eine Fernseh-Dokumentation: Ärztenamen, Therapieansätze, Behandlungspläne - und natürlich die Daten der fehlgeschlagenen Comebacks im Training und in Freundschaftsspielen. "Arbeitsversuche" heissen diese vergeblichen Anläufe im Fachjargon der Krankenkassen, und auch der Einsatz in Cloppenburg war ein Arbeitsversuch. Erst seit gestern ist Günter Baerhausen offiziell gesund geschrieben.

Zuletzt hatten immer wieder Wadenprobleme das Comeback verhindert; selbst die Physiotherapeuten des 1. FC Köln kapitulierten vor den Folgen der Fehl- und Überbelastung. Ein privater Tipp bei der Silvesterfeier wurde für Baerhausen zum Glücksfall: Die Akupunktur-Behandlung von Dr. Kusrin Timbul schlug so gut an, dass der Fußballer schwärmt: "Der Mann ist für mich Gold wert." Beim Countdown zum Comeback half ein ehemaliger VfL-Profi: Uwe Jursch, Publikumsliebling der späten achtziger Jahre, arbeitet als Physiotherapeut in der Praxis von Norbert Giesen und verpasste Baerhausen Fitness und Spritzigkeit auf dem Trainingsplatz.

"Meine Frau Dagmar hat mir großartig geholfen", sagt der 30 Jahre Familienvater, der zeitweise seine Teamkollegen nur bei Heimspielen auf der Tribüne sah, um Abstand zu gewinnen, "und einer, der mich immer aufgebaut und motiviert hat, war der Jacek Janiak. Und die Leute vom Verein haben mich immer unterstützt und zu mir gehalten".

Der Vertrag des torgefährlichen Manndeckers läuft am Saisonende aus, Trainermanager Lothar Gans hat schon vor drei Wochen ein Verhandlungsgespräch angekündigt. Doch da hat Sportsmann Baerhausen abgewunken: "Ich will erst mal allen zeigen, dass ich gesund bin und es noch kann."