Vermischtes «Echte Promis sind easy»: Eine Protokollerin erzählt

12.09.2011, 07:17 Uhr

Hilke Hartmann weiß, was sich gehört und wie man zum Beispiel einen Botschafter korrekt anspricht. Als Protokollerin ist sie für die Etikette zuständig - bei Veranstaltungen mit hochrangigen Gästen aus aller Welt.

Im grauen Kostüm und flachen Schuhen, den Knopf des Funkgeräts im Ohr und eine schwarze Aktenmappe in der Hand, steht Hilke Hartmann unauffällig neben der Bühne. Ihre wachen Augen sind ständig in Bewegung, und auf den ersten Blick könnte man die groß gewachsene 44-Jährige für eine Leibwächterin halten. Doch Hilke Hartmann ist Protokollerin - das sind jene Etikette-Experten im Hintergrund, die von der korrekten Anrede der Gäste über die Sitzordnung bis hin zum zeitlichen Ablauf einer Veranstaltung mit hochrangigen Gästen alles im Griff haben.

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«Mit den echten Promis ist es total easy», plaudert Hartmann aus dem Nähkästchen. Die wüssten die Arbeit der Protokoller zu schätzen und seien dankbar, wenn ihre persönlichen Vorlieben - etwa die stündlich servierte Tasse grüner Tee - berücksichtigt würden. Mit Meckern und Motzen fielen hingegen eher Gäste aus der zweiten Reihe auf, die sich wichtig zu machen versuchten.

Allerdings sind nicht alle Promis pflegeleicht: Der französische Schauspieler Gérard Depardieu etwa hat Hartmann einmal fast in den Wahnsinn getrieben. Zwei Stunden lang ließ der Stargast einer Eröffnungsveranstaltung den eigens angemieteten Privatjet warten. «Er kam gnadenlos zu spät. Es war absolut furchtbar», berichtet Hartmann.

Später beim Messerundgang schnappte sich Depardieu dann unvermittelt einen Stuhl und rauchte erstmal eine. «Dem ist es egal, ob da fünf Minister und ein Oberbürgermeister auf ihn warten», stöhnt Hartmann noch Jahre später. In solchen Momenten hilft nur eines: Lächeln - und flexibel reagieren. Denn die Kunden und Gäste dürfen von solchen Pannen nichts mitbekommen.

Die wichtigste Eigenschaft eines Protokollers ist deshalb die Fähigkeit, mehrere Dinge auf einmal tun zu können und dennoch den Überblick zu bewahren. Stillschweigend vorausgesetzt wird eine gute Kinderstube: «Man sollte keine Probleme haben, in einem Drei-Sterne-Restaurant zurechtzukommen.» Doch auch ein offenes und freundliches Wesen sei , «weil es ganz wichtig ist, dass man auf Menschen zugehen kann und sich nicht schüchtern zurückzieht».

Hartmann holt sich ihren Ausgleich beim Chorgesang - und bei ihrer Familie, in der die sechsjährige Tochter für Wirbel sorgt. Die studierte Japanologin und Anglistin rutschte eher zufällig ins Protokoll-Fach. Im Generalkonsulat in Osaka war sie eigentlich für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, betreute nebenher aber noch diplomatische Empfänge. Als sie sich später in Deutschland bei der Presseabteilung der Expo 2000 bewarb, wurde sie prompt für ein Vorstellungsgespräch eingeladen - als Protokollerin.

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