Vermischtes Dr. Wolf Weber zum neuen SPD-Bezirksvorsitzenden in Weser-Ems gewählt

11.08.2001, 22:00 Uhr

"Bei diesem Ergebnis kannst Du wirklich strahlen", mit diesem Satz umarmte Inge Lemmermann ihren Nachfolger, den 54-jährigen Dr. Wolf Weber, nach der Wahl zum neuen SPD-Bezirksvorsitzenden in Weser-Ems. Von den 136 Delegierten in der Weser-Ems-Halle in Oldenburg stimmten am Wochenende 126 für Weber.

Nach dem Wahlerfolg des neuen Vorsitzenden verpassten die Delegierten hingegen dem ostfriesischen SPD-Bundestagsabgeordneten Reinhold Robbe, einen Denkzettel. Mit nur 94-Ja-Stimmen bei 34 Gegenstimmen erhielt er das eindeutig schlechteste Ergebnis der drei stellvertretenden Vorsitzenden. Dabei hatte der 46-jährige den Delegierten vorab erklärt: ,,Ich war von anderen für das Amt des Vorsitzenden vorgeschlagen worden. Ich hatte mich nicht aufgedrängt." Er habe dann jedoch die Entscheidung des Bezirksvorstandes für Wolf Weber ohne Wenn und Aber akzeptiert und auf den speziellen Wunsch von Weber als stellvertretender Vorsitzender kandidiert. Gegenüber unserer Zeitung ergänzte Robbe, dass einige Sozialdemokraten ihn trotzdem noch unmittelbar vor dem Parteitag zu einer Kampfabstimmung gegen Weber bewegen wollten.

Das beste Ergebnis bei den Vorstandswahlen erzielte mit 127 Ja-Stimmen bei nur fünf Gegenstimmen Doris Fritz aus Belm (Landkreis Osnabrück). Die stellvertretende Bürgermeisterin lässt sich nach eigenen Angaben in keine ,,politische Schublade pressen". ,,Ich will dem Bezirksvorstand klar machen, dass es außer Weser-Tunnel und Emssperrwerk auch noch andere wichtige Zukunftsprojekte im südlichen Weser-Ems-Gebiet gibt", so Fritz auf Anfrage unserer Zeitung. So brenne ihr der ,,überfällige" Ausbau der A 1 auf den Nägeln. Einen ersten Erfolg konnte sie bereits verbuchen. Einstimmig votierte der Parteitag für den Antrag, die A 1 insbesondere für das Teilstück zwischen Ahlhorner Heide und Lotter Kreuz sechsspurig auszubauen.

Die dritte stellvertretende Vorsitzende Swantje Hartmann (Delmenhorst) und Schatzmeister Hans-Dieter Haase komplettieren den fünfköpfigen Parteivorstand.

Eigentlicher Verlierer der Vorstandwahl ist jedoch das Emsland. Die Region mit über 300.000 Einwohnern ist nach dem Ausscheiden von Inge Lemmermann nicht mehr im Bezirksvorstand vertreten. Der emsländische SPD-Landratskandidat Heinz Dirksen musste als Beisitzerbewerber gegen die ,,Platzhirsche" eine Abfuhr bei den Vorstandswahlen hinnehmen. Kaum ein Redner, angefangen von Ministerpräsident Sigmar Gabriel bis Wolf Weber, vermochte die Delegierten bei diesem Bezirksparteitag wirklich zu begeistern. Nur ganz selten brandete Beifall auf. Lediglich der Abschied von Inge Lemmermann und der Wahlerfolg von Dr. Wolf Weber lösten ,,Standing Ovations" aus.

Für viele Kommunalpolitiker war es wohl nur ein ,,lästiger Pflichttermin in den Tagen des heißen Wahlkampfes". ,,Vier Wochen vor der Wahl ist es wirklich etwas unglücklich", räumten Doris Fritz und Heinz Dirksen auf Anfrage unisono ein. MdL Anton Lücht aus Moormerland stieß ins selbe Horn: ,,Die ganz große Euphorie will einfach nicht aufkommen, weil wir alle im Wahlkampfstress sind."

Dies bekam auch die scheidende SPD-Vorsitzende Inge Lemmermann mehrfach zu spüren. So musste Präsidiumsmitglied Wolfgang Wulf die Delegierten sogar auffordern: ,,Bitte konzertiert Euch auch auf die Abschiedsrede unserer Vorsitzenden." Die Sögelerin warnte vor Tendenzen der Landes SPD, die Parteibezirke aufzulösen. In der sehr sachlichen Abschiedsrede stand die Bildungspolitik im Mittelpunkt. So soll es auch in Zukunft eine ,,gemeinsame Schule für alle Kinder bis einschließlich Klasse sechs geben". Ein Bezirkssonderparteitag Anfang kommenden Jahres werde diese Position genauer definieren. Sorgen bereite weiterhin die Entwicklung der Hochschule Vechta. Lemmermann forderte Minister Thomas Oppermann auf, die zugesagten Hilfen möglichst schnell zu gewähren. Nach ihrer Einschätzung fehlten in Weser-Ems zudem wichtige zukunftsträchtige Studiengänge besonders im Ingenieurwesen. So hätten die Fachhochschulen in Lingen und Osnabrück vielen Bewerbern eine Absage erteilen müssen.

Bei ihrer selbstkritischen Rede musste sie einräumen, dass sie einige ihrer gesteckten Ziele während der siebenjährigen Amtszeit nicht umsetzen konnte. So verzeichnete die SPD Weser-Ems seit 1998 einen Mitgliederrückgang von 1380 Genossen. ,,Leider sind zu wenige junge Leute bereit, in die SPD einzutreten", monierte sie. Nachholbedarf gebe es weiterhin bei der Gleichstellung von Mann und Frau.

Der neue SPD-Bezirkschef Wolf Weber teilte bei seiner Antrittsrede kräftig aus: ,,Sigmar Gabriel ist unserer Ministerpräsident und nicht wir seine Partei." Der Bezirksvorstand werde für ,,unser Weser Ems kämpfen, damit die in Hannover hören und merken, dass wir da sind."

Der Ministerpräsident warnte hingegen vor einer ,,Spaltung zwischen der Fläche und den größeren Städten." Der Landesvater wörtlich: ,,Niedersachsen ist ohne Weser-Ems nicht vernünftig zu regieren." Er erinnerte an die Erfolge im Automobilbau in Osnabrück, im Schiffbau in Papenburg und beim Tiefwasserhafen in Wilhelmshaven.