Vermischtes Die Sprache des Erfolgs trainieren

28.03.2010, 20:00 Uhr

„Eigentlich möchte ich mehr Gehalt haben, das ist das Problem.“ Wer mit solchen Worten in die Verhandlung geht, hat schon verloren. Das verdeutlichte in einer Veranstaltung zum „Equal Pay Day“ die Hamburger Managementtrainerin Bernhild Schrand.

Im Sitzungssaal des Osnabrücker Rathauses coachte sie vor den Zuhörerinnen ein improvisiertes Bewerbungsgespräch und zwei Gehaltsverhandlungen. Als einziger Mann im Raum gab Reinhard Gesse von der Theaterpädagogischen Werkstatt den Chef: arrogant, einfallsreich und durchsetzungsfähig. Kollegin Anna Pallas spielte die Bewerberin und Angestellte: eher unterwürfig, unausgewogen, unklar. Viel Stoff für die Kommentare der Trainerin, die von Anfang an das Publikum in das Coaching einbezog.

Eingeladen hatten am Vorabend des bundesweiten „Equal Pay Day“ (Tag der Entgeltgleichheit) die Osnabrücker Sektion des „Business and Professional Women Club“ (BPW) und die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Anna Maria Schmitz-Hülsmann. Der „Equal Pay Day“, eine Initiative des BPW Deutschland, richtet sich gegen die ungleiche Bezahlung von Frauen im Job. Die Aktionen werden unterstützt vom Deutschen Frauenrat, den kommunalen Frauenbüros, der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, dem Verband deutscher Unternehmerinnen sowie vom Bundesministerium für Familie.

„Wir sind noch längst nicht da, wo ein modernes Land sein müsste“, betonte Schmitz-Hülsmann angesichts der großen Entgeltunterschiede in Deutschland, die sogar Frauen in leitenden Positionen gegenüber ihren männlichen Kollegen benachteiligten. „Das ist gesamtwirtschaftlich ein Desaster.“ Hohe Teilzeitquoten, viele Beschäftigungen im Niedriglohnbereich, häufige und längere Unterbrechungen der Berufstätigkeit bremsten den Aufstieg der Frauen. Sie nähmen die Einkommensnachteile in Kauf.

Am Selbstverständnis der Frauen rüttelte immer wieder Trainerin Schrand beim Coaching: Es gebe reihenweise Bücher über Macht- und Durchsetzungsstrategien. Für viele Frauen sei es jedoch schwierig, sich diese anzueignen. Denn es passe nicht zu ihrem Identitätskonzept. „Die inneren Selbstzweifel sitzen verdammt tief. Die Frauen stellen sich unter Wert dar. Sie sprechen nicht die Sprache des Erfolges“, so Schrand.

„Wörter wie „eigentlich“, „aber“, „Problem“, „bemühen“ seien in Verhandlungen zu schwach für ein gravierendes Thema: „Bei solchen ‚Gesprächskillern‘ zieht sich das Gegenüber zurück.“ Besser: sich zuvor über Firma und Gehälter informieren, Ziel und Strategie festlegen, Sätze mit passendem Vokabular formulieren und trainieren. Argumente wie „Alles wird teurer“ oder „Der Kollege verdient mehr“ überzeugten den Arbeitgeber nicht. Stattdessen sollten Frauen ihre Qualifikation, Leistung und Einsatzbereitschaft betonen.