Vermischtes "Die Saison lief schon mal besser"

03.12.2002, 23:00 Uhr

"Ich hab etwas zugelegt und muss mir kein Kissen unter den Pullover schieben, um etwas fülliger zu wirken" – zehn Jahre ist Student Stephan inzwischen auf Vermittlung des Arbeitsamtes GMHütte während der Adventszeit im roten Nikolausmantel unterwegs. Die Buchungen für ihn und seine vier Kollegen sind in den letzten Jahren leicht rückläufig. Grund aus Sicht des Routiniers: "Es gibt zu viele, die mit dem Job nur eine schnelle Mark machen wollen."

Sechs Termine stehen für den morgigen Nikolaustag auf seinem Kalender. Kollege Kai hat die gleiche Anzahl von Einsätzen bei Familien, Kindergärten oder Sportvereinen vor sich, und vielleicht kommt für beide kurzfristig noch der eine oder andere hinzu. Arbeitsamts-Vermittlerin Anita Treichel, die unter der Rufnummer 05401/ 855120 erreichbar ist die Verbindung zu den himmlischen Weißer-Bart-und-roter-Mantel-Männern hält: "In den letzten Tagen vor dem 6. Dezember häufen sich jedes Jahr die Anfragen."

Aber auch, wenn die Saison "schon mal besser" lief: Der Vermittlungs-"Dauerbrenner" ist Nikolaus mit Leib und Seele. "Ich bin kein Paketdienst, der nur die Geschenke vorbei bringt, sondern der Auftritt soll für die Kleinen eine besondere Erinnerung bleiben", beschreibt Stephan sein Selbstverständnis.

Wichtigste Outfit-Regel für den Traditions-"Niko": "Keine Jeans und keine Armbanduhr." In Sachen Arbeitskleidung wird auf Perfektion wert gelegt – der Mantel glänzt, die schwarzen Stiefel sind blitzeblank, der Haaransatz weiß gefärbt und das goldene Buch voller Notizen zu den Beschenkten.

Nur der Bart ist in jüngster Zeit etwas grauer geworden. Einfache Erklärung: Auch der Nikolaus muss den Gürtel enger schnallen. Früher gab es alle zwei Jahre kostenlosen Anklebeersatz vom Arbeitsamt, doch die Mittel fielen dem Rotstift zum Opfer.

Hauptklientel der himmlischen Geschenkbringer: Die Drei- bis Sechsjährigen. "Die Glauben noch an den Nikolaus, und dann macht die Sache richtig Spaß", so Routinier Stephan, der sich deshalb vor dem Auftritt telefonisch genauestens über die kleinen Gaben-Empfänger informiert und auch immer im Vorfeld die Parkplatzfrage klärt: "Der Nikolaus kommt bekanntlich mit dem Schlitten, und da kann man nicht mit dem Auto vorfahren."

Kein Verständnis hat er für "Kollegen", die den Kleinen die Illusion kaputt machen. Deshalb gibt es auch Schelte für Branchen-Vertreter, die zum Beispiel während der Pause beim Langzeiteinsatz vor einem Supermarkt ganz unsensibel in aller Öffentlichkeit den Bart runterziehen, um eine zu rauchen: "So was macht man einfach nicht!"Nach dem morgigen Stresstag geht das Geschäft ("Einsätze bei Weihnachtsfeiern sind eher die Ausnahme") noch bis zum Weihnachtsmann-Finale am Heiligabend weiter. 25 Euro werden als Grundgebühr pro Auftritt in Rechnung gestellt, die Restsumme ist von der Zahl der Teilnehmer abhängig.

"Reich werden kann man dabei nicht, zumal die Saison sehr kurz ist", ist Stephans Erfahrung nach zehn Jahren im Rote-Mantel-Kostüm. Der schönste Moment ist für ihn genauso wie für "Niko"-Kumpel Kai deshalb auch, wenn der im Schnitt 30-minütige Auftritt gut ankam und die Frage folgt: "Kommen Sie im nächsten Jahr wieder zu uns?"