Vermischtes Die Gesichter der Protestbewegung

22.07.2009, 22:00 Uhr

Der Protest gegen das Kohlekraftwerk in Dörpen und die Forderung nach einer Bürgerbefragung haben seit gestern ein Gesicht – oder besser 21 Gesichter. Einwohner Dörpens haben sich für die Plakat-Aktion „Fragt uns“ ablichten lassen, die von der Bürgerinitiative (BI) Saubere Energie, dem BUND, der Klima-Allianz und der Gruppe „Mehr Demokratie“ initiiert wurde. Die Planung und Durchführung der Aktion liegt in den Händen des Kampagnen-Netzwerkes Campact aus Verden.

Laut Campact-Mitarbeiter Ferdinand Dürr werden in den nächsten Tagen auf zehn großen Stellwänden rund 600 Plakate im A-2-Format angebracht. Es gibt fünf verschiedene Motive: Ein Gruppenfoto mit allen 21 Aktivisten, von denen übrigens nicht alle der BI angehören, und eines von fünf jungen Leuten (Thomas Poll, Günther Dirksen, Christiane Poll, Mathias Dirksen und Michael Poll). Außerdem zwei Plakate mit jeweils zwei Befürwortern einer Bürgerbefragung (Jan Held und Hubert Bröring sowie Werner Traeger und Johannes Geiger) und ein Poster mit dem Papenburger Pastor Gerrit Weusthof. Zusätzlich zu den Plakaten auf den Stellwänden sollen auch kleinere Exemplare, Wimpel und T-Shirts an die Haushalte verteilt werden.

Die Kosten der Aktion bezifferte Dürr auf mehrere 1000 Euro. Die Finanzierung übernehme der vor sechs Jahren gegründete Verein Campact. „Wir haben 2000 unterstützende Mitglieder. 80 Prozent des Etats kommt aus Kleinspenden, der Rest wird über Anträge bei verschiedenen Stiftungen aufgebracht“, so Dürr.

Der Politologe und Physiker kündigte zudem an, dass in wenigen Tagen ein von Campact in Auftrag gegebenes Gutachten vorliegen werde, in dem die rechtliche Zulässigkeit von Bürgerbefragungen bewertet wird. Laut Dürr lässt Paragraf 22d der Niedersächsischen Gemeindeordnung dieses ausdrücklich zu. Gemeindedirektor Hans Hansen streite dies allerdings nach wie vor ab.

Pastor Weusthof begründet sein Engagement für die Befragung mit dem Hinweis auf die Schäden, die durch Anspruchshaltungen im Westen entstünden. „Wir leben auf Kosten der einen Welt“, so Weusthof. Die Beteiligung der Bürger an der Kraftwerksentscheidung werde „das Leben schöner machen, weil sich die Menschen beim Einsatz für eine gemeinsame Sache näherkommen.“ Jeder sei in der Pflicht, seinen Umgang mit den endlichen Ressourcen zu überdenken.

Auf ein „Einlenken der CDU-Fraktion vor Ort“ hofft BI-Sprecher Bernd Lorenz. Es gehe nicht an, dass der Wunsch von mehr als 2000 Bürgern Dörpens nach einer Befragung zum Kraftwerk einfach ignoriert werde. Es gebe „keine vernünftigen Gründe, die Bürger zu übergehen und ausschließlich die Interessen zweier Energiekonzerne zu bedienen“.

Maria Feige-Osmers vom BUND bezeichnete Kohle-kraftwerke als „Dinosaurier-Technologie“, die angesichts der drohenden Klimakatastrophe völlig inakzeptabel sei. Stromerzeugung aus Kohle sei sowohl ökologisch als auch ökonomisch falsch. „Wir machen uns von ausländischen Rohstofflieferungen abhängig und werden erpressbar“, so Feige-Osmers.

Um die bundesweiten Aspekte der Proteste im Emsland zu unterstreichen, hat Campact die Aktion „Deutschland schreibt Dörpen“ gestartet, bei der über das Internet Grußbotschaften und Solidaritätsbekundungen an die Bevölkerung geschickt werden können.