Vermischtes Die Geburtshilfe unbedingt erhalten

17.07.2009, 22:00 Uhr

Die geplante Schließung d er Abteilung Geburtshilfe im Krankenhaus Ostercappeln zum 1. Oktober beschäftigt nach wie vor viele Bürger im Altkreis Wittlage – und darüber hinaus. Unverständnis, Enttäuschung und Betroffenheit sind die Reaktionen.

„Diese speziell aus Sicht der Frauen und Familien unpopuläre und nicht nachvollziehbare Entscheidung kann nur als überstürzte Beschlussfassung der Krankenhausleitung gewertet werden und wirft zahlreiche Fragen auf“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung Wittlager Frauen.

Das sind die Gleichstellungsbeauftragten Ann Bruns und Karin Helm, die ehemalige Gleichstellungsbeauftragte Ursula Loheide, Angelika Westermeyer (Vorsitzende Wittlager Landfrauen), Agnes Meyer, Regionalvorsitzende der kfd, Pastorin Monika Stallmann, Margarethe Langanke, Vorsitzende des Hausfrauenbundes, sowie die Ortsbürgermeisterinnen Maria Höckmann, Christa Warning und Anette Gottlieb.

Welche Fragen werden aus Sicht der Frauen aufgeworfen? „Sind wirklich alle Denkmodelle eines möglichen Erhalts der Geburtshilfe ausgelotet und geprüft worden? Wurde tatsächlich nachhaltig und dauerhaft nach unterstützenden Belegärzten für Dr. Trieß gesucht? Wo ist die regionale Verantwortung, die medizinische Erstversorgung der Bevölkerung im Altkreis Wittlage sicherzustellen? Warum werden die betroffenen Mitarbeiterinnen und Hebammen durch die Presse über diesen Entschluss informiert?“

In einer Zeit, in der sich alles um Profit und Wirtschaftlichkeit drehe, schließe ein Krankenhaus lieber seine Geburtsabteilung mangels Nachfolgern, da dies eine kostengünstigere Lösung darstelle als die Umwandlung in eine Hauptabteilung mit Fach- und Assistenzärzten, so die Kritik.

„Bedauerlicherweise, und das scheint den Entscheidungsträgern in diesem Falle nicht bewusst zu sein, stirbt hier eine erfolgreiche Beleg-abteilung, die als überregional bekanntes Aushängeschild und optimaler Werbeträger für den Krankenhausstandort Ostercappeln fungiert“, so die die Gruppe.

Die Niels-Stensen-Kliniken setzen auf eine Spezialisierung. So wurde die Thoraxchirurgie aufgebaut. Das Hospizmodell Spes Viva hat bundesweiten Vorbildcharakter. Diese Spezialisierung habe aber auch Nachteile. „Pech für den, der im ländlichen Raum wohnt und zufälligerweise eine andere Leistung als die angebotene benötigt. Da nimmt man mal eben 50 oder 70 Kilometer Anfahrtsweg in Kauf, um versorgt zu werden. Ein Schicksal, dem unsere Schwangeren und zukünftigen Mütter der umliegenden Regionen in naher Zukunft ausgesetzt sein werden.“

„Zur Entbindung gelangt man über die Autobahn recht zügig zum Harderberg“, hatte Michael Kamp, Geschäftsführer der Häuser St. Raphael und Franziskus-Hospital, erklärt. Das sei kein Trost für Entbindende aus dem Wittlager Raum, denn die Autobahn habe nicht jeder direkt vor der eigenen Haustür. „Lange Anfahrtszeiten sind aus unserer Sicht nicht tragbar. Nicht auszudenken, was passiert, wenn auch im nächstgelegenen, weiter entfernt liegenden Krankenhaus der Fachärztemangel zum Tragen kommt“, erklärt die Gruppe.

Professor Dr. Winfried Hardinghaus, ärztlicher Direktor, hatte – wie berichtet – erklärt, das die psychologische Bedeutung einer Säuglingsstation wegfalle, wenn der demografische Wandel spürbar werde. „Erstaunlich, dass in Kenntnis der demografischen Entwicklung vor wenigen Jahren erhebliche Investitionen zur Modernisierung der genannten St ation getätigt wurden, um diese modern und familienfreundlich einzurichten“, merken die Frauen hierzu an.

Die geplante Schließung sei kontraproduktiv und wirtschaftlich unsinnig. Die Abteilung arbeite bei rund 400 Geburten jährlich rentabel. „Und wo bleibt eigentlich der christliche und menschliche Gedanke?“, fragt die Gruppe. Kinder seien doch unsere Zukunft. „Die Geburtshilfe ist und bleibt ein unverzichtbarer Bestandteil der medizinischen Versorgung vor Ort“, wird betont.