Vermischtes Deutschland - eine fremde Heimat

28.12.2002, 23:00 Uhr

Dieses Land ist mein Land - WDR 23.30 Uhr Was treibst du hier in Deutschland? Das hören ,,Ausländer“ wie Antonio Cascais häufig. Eigentlich eine ganz normale Frage, die in der Regel gar nicht unfreundlich gemeint ist. Schließlich sieht Cascais nicht aus wie ein Meier, Müller oder Schulze.

Eine Frage, bei der die indirekte Ausgrenzung zunächst gar nicht auffällt. Was treibt er - ,,der Fremde“ - hier? Dabei ist Cascais wie Hunderttausende andere ,,Ausländer“ längst Inländer - also ein ,,richtiger“ Deutscher - eine Tatsache, an die sich das junge Einwanderungsland allerdings nur langsam gewöhnt. Dies zeigt die WDR-Reportage ,,Dieses Land ist mein Land“ auf eindrucksvolle Weise. Es ist eine ebenso persönliche wie kritische Entdeckungsreise, die der Journalist und gebürtige Portugiese Antonio Cascais durch das Land unternimmt, in das seine Eltern vor 30 Jahren ausgewandert waren.

Damals war Antonio sieben Jahre alt, sprach kein Wort Deutsch und war einer von vier Ausländern in der Klasse einer Dortmunder Grundschule. Heute sind dort die Kinder deutscher Herkunft in der Minderheit, wie der Journalist bei seinem Be-such seiner früheren Lehrerin erfährt.

Wie in einem Roadmovie fährt Cascais quer durch die Republik zu Menschen, die von ihrer Einstellung, Herkunft und Lebensweise unterschiedlicher nicht sein kön-nen - und die alle zusammen für ihn seine Heimat darstellen. Da ist Daniel aus Brandenburg, den der 37-Jährige vor zwei Jahren bei einer Reportage über Neo-nazi-Musik kennen gelernt hatte und den Cascais in der JVA Schwarze Pumpe wiederfindet - Haftstrafe wegen Volksverhetzung. Oder Rosanna, deren Eltern aus Südeuropa stammen. Mit extravaganten Haarmoden hat sie sich in der Berliner Szene einen Namen gemacht und ist nun Arbeitgeberin junger ,,Deutscher“. Sie ist begeistert von der Wärme der Menschen, die sie an den Heimatort ihrer Eltern erinnert.

Aus der Vielzahl von Meinungen, Biographien und Erfahrungen entsteht ein Bild von einer Republik, die sich im Wandel befindet - mit allen Chancen, Risiken und Widersprüchen. Aber es ist vor allem ein Film, der verständlich macht, warum ,,Ausländer“ wie Cascais das Recht haben, ihr Land zu lieben.