Vermischtes „Deutscher Brad Pitt? Schwachsinn!“

24.07.2009, 22:00 Uhr

Für die Boulevardpresse ist er „die deutsche Antwort auf Brad Pitt“, er selbst hält solche Schlagzeilen für „Schwachsinn“. Auf jeden Fall lebt der Mann ein schnelles Leben: Ken Duken ist gerade mal 30, hat schon über 50 Filme gedreht, läuft den Marathon in weniger als dreieinhalb Stunden und ist seit neun Jahren verheiratet. Am Mittwoch sehen wir ihn im starken ARD-Drama „Flug in die Nacht“. Übers Laufen, Kochen und Perfektionismus spricht Ken Duken im Interview:

Herr Duken, haben Sie am 20. September was vor?

Was gibt’s da?

Den Berlin-Marathon.

Ach ja. Ich bin in diesem Jahr schon zum dritten Mal angemeldet, bislang ist mir immer die Arbeit dazwischengekommen, und dieses Mal wird es auch nicht funktionieren. Aber ich werde nächstes Jahr wieder in Hamburg laufen und dann endgültig auch Berlin angreifen.

In Hamburg sind Sie eine richtig gute Zeit gelaufen.

Ich bin schon zweimal in Hamburg gestartet, beim ersten Mal in 3:24 Stunden. Das ist für einen Debüt-Marathon ganz okay. Beim zweiten Mal hatte ich nur fünf Wochen für die Vorbereitung, da bin ich nur den Halbmarathon gelaufen und war mit 1:37 auch nicht so schnell, das habe ich schon in 1:32 geschafft. Irgendwann würde ich den Marathon gern mal unter drei Stunden laufen. Ich glaube, das Potenzial dazu habe ich, aber dafür müsste ich mir ziemlich den Arsch aufreißen.

Wie bereiten Sie sich überhaupt vor, wenn Sie ständig drehen?

Ich laufe auch nach einem 16-Stunden-Drehtag noch zwei oder drei Stunden. Da komme ich dann runter, das ist für mich der beste Ausgleich, da kann ich alles verarbeiten. Ich gehe laufen und habe entweder vorher gekocht oder koche danach, das hat auch was Meditatives, da bin ich bei mir.

Seit wann machen Sie das so?

Knapp drei Jahre. Bis dahin war ich leidenschaftlicher Raucher, also nicht einer, der nur mal so eine pafft. Aber dann gab es Tage, an denen ich gedacht habe: Mensch, Alter, du hast dich ganz schön gehen lassen. Ich lag im Bett, habe beim Atmen aus der Lunge gepfiffen und gedacht: So kann das nicht weitergehen. Außerdem hatte ich das negative Vorbild von vielen tollen Kollegen vor Augen, die nach und nach an diesem Scheißberuf zerbrechen, weil sie emotional damit nicht klarkommen und sich immer wieder in die Selbstzerstörung flüchten.

Wer zum Beispiel?

Das berühmteste Beispiel ist Mickey Rourke. Wenn man seinen inneren Wert und seine persönliche Definition nicht außerhalb des Berufs findet, geht man daran kaputt. Viele Kollegen kommen nicht damit klar, dass sie anders gesehen werden, als sie eigentlich sind – die kernigen, harten Jungs, die einmal so etwas gespielt haben und dann in dieser Rolle stecken bleiben. Oder diejenigen, denen alles nachgetragen wird – die kommen dann nach Hause, und da ist niemand mehr. Diese Einsamkeit, das ständige Feiern, Saufen, sich in den Mittelpunkt stellen und immer cool sein – damit kommen viele Kollegen nicht klar.

Einsam sind Sie ja nicht, sondern seit neun Jahren verheiratet. Haben Sie auch Kinder?

Es ist eins unterwegs. Ich werde im Herbst zum ersten Mal Vater, aber mehr möchte ich noch nicht verraten.

Mit gerade mal 21 Jahren zu heiraten...

...war das Beste, was mir passieren konnte. Ich hatte nicht gesucht, aber gefunden. Für mich ist es seitdem immer ein Antrieb. Alles, was ich versucht habe zu leisten und zu erreichen, hat mir einen Grund gegeben, anschließend wieder nach Hause zu gehen. Das ist ganz wichtig, wenn man in einer so schnelllebigen und vergesslichen Branche arbeitet.

Kochen Sie eigentlich mit der gleichen Leidenschaft, mit der Sie laufen?

Sie können ruhig „fanatisch“ sagen, das ist nicht fehl am Platze. Ich bin da sehr perfektionistisch. Wenn alle schon sagen „Ist doch super“, denke ich immer noch „Da fehlt noch was, das hätte ich noch anders machen können“.

Wie haben Sie das Kochen gelernt?

Aus Büchern. Ich habe mir da unheimlich viel Basiswissen angeeignet, um erst einmal zu begreifen, wie das alles funktioniert und was beim Kochen mit den Sachen passiert. Man muss bei einer Mayonnaise eben wissen, dass sich Moleküle an Fette und an Wasser binden und man das mit einer Emulsion erreicht. Man muss wissen, warum für eine Sauce hollandaise geklärte Butter genommen wird. Dann fängt man an zu verstehen, was man da überhaupt macht. Da gibt es fantastische Bücher zum Beispiel von Eckart Witzigmann, der für mich ein Jahrhundertkoch ist.

Millionen Menschen kochen ohne großes Wissen darüber.

Aber es ist doch toll, auch zu begreifen, was man da tut. Natürlich kann ich auch so ein Steak anbraten. Aber wenn ich weiß, das dabei die Proteine gerinnen und karamellisieren und dadurch diese Kruste entsteht, ist es doch was anderes. Ich bin da etwas italienisch veranlagt, ich könnte mich jetzt fünf Stunden lang mit Ihnen über Tomatensoßen unterhalten.

Könnte sein, dass ich dann etwas einsilbig werde.

Es gibt zig verschiedene Tomatensoßen, und die sind alle lecker.

Vielleicht sollten Sie mal ein Kochbuch schreiben.

Das wäre doof, denn die meisten Sachen habe ich ja aus anderen Büchern gelernt. Aber ich könnte ja einen Führer über die besten Kochbücher machen.

Ist Ihr Name eigentlich ein Künstlername?

Ich heiße tatsächlich so. Mein Vater war so lustig und hat sich dieses Wortspiel ausgedacht: Du-ken, daraus machen wir Ken Du-ken. Die ersten 20 Jahre meines Lebens habe ich darunter gelitten, bis ich gecheckt habe, dass es ein cooler Künstlername ist.

Warum haben Sie gelitten?

Aus dem Namen kann man doch alles machen: Ducken, Dunken, Kennst du Ken? – Nee, den kenn ich nicht. Dann war ich der Barbie-Man. Es gab unzählige Varianten, mich hochzunehmen.

Am nächsten Mittwoch läuft „Flug in die Nacht“ über die Flugzeugkatastrophe vom Bodensee. In den letzten Monaten gab es mehrere Abstürze mit Hunderten Toten – haben Sie eigentlich Angst vorm Fliegen?

Nach dem Dreh hatte ich tatsächlich einige komische mulmige Momente beim Fliegen, weil in mir immer wieder die Bilder hochgekommen sind. Ich habe dann an meine Oma gedacht, die immer sagte: „Mach dir keine Sorgen auf Vorrat.“

Also ist Flugangst kein Thema mehr?

Doch schon, auf eine bestimmte Art. Diese klaustrophobische Enge in Flugzeugen macht mir zu schaffen, ich komme mit so vielen Menschen auf engem Raum nicht klar. Das mag ich nicht, das stresst mich. Ansonsten halte ich es mit meinem Schwiegervater, der mal gesagt hat: „Der Held ist derjenige, der seine Angst besiegt, der Dumme hat keine Angst.“

Angst ist für Sie also nicht negativ besetzt?

Im Gegenteil. Wenn man solche Gefühle nicht negativ bewertet, kann man daraus Kraft ziehen. Wenn ich als Kind Angst hatte, sagte meine Mutter immer zu mir: „Ist doch super, dann bist du nicht allein.“ Deshalb habe ich meine Ängste nie als negativ empfunden.

Wovor hatten Sie Angst?

Vor allem Möglichen – Schule, Prüfungen, Schlägereien. In viele Dinge bin ich einfach so reingelaufen, weil ich ein Mensch bin, der erst handelt und dann denkt. Dadurch falle ich ab und zu mal aufs Maul, aber dafür muss ich mir nicht vorwerfen, irgendetwas nicht probiert zu haben.

Im Film werden Sie als Fluglotse Johann Lenders vom Vater beziehungsweise Ehemann dreier Absturzopfer erstochen. Die Szene ist ziemlich grausam, er stößt immer wieder das Messer in Ihren Bauch...

In Wirklichkeit war es noch viel grausamer, da hat er ihm auch das Gesicht aufgeschnitten. Er wollte den Fluglotsen wohl genau so zurichten, wie seine Frau und seine Kinder nach dem Absturz ausgesehen haben. Deshalb habe ich sehr darum gekämpft, dass diese Szene so archaisch und brutal ist, sonst wäre der Film nicht dem gerecht geworden, was wirklich passiert ist.

Wie lernt man eigentlich, vor der Kamera zu sterben? Anschauungsunterricht geht ja schlecht.

Das lernt man nicht, das macht man instinktiv.

Für die „Bunte“ sind Sie längst der „deutsche Brad Pitt“...

Vor zehn Jahren hat schon mal die „Bild“-Zeitung zwei große Fotos von ihm und mir gedruckt und dazu geschrieben „Die deutsche Antwort auf Brad Pitt“. Seitdem hält sich das, aber es ist einfach Schwachsinn, und jeder weiß es. Ich habe jetzt in „Inglourious Bestards“ eine kleine Rolle gehabt – da sieht man den Unterschied: Ich liege tot am Boden, und er kommt rein und hat die Szene. Überhaupt ist meine Rolle winzig, aber ich hätte auch die Kanonenkugel gespielt, die vorbeifliegt, um in einem Film von Tarantino dabei zu sein.

Macht es einen Unterschied, ob man mit Quentin Tarantino oder einem deutschen Regisseur dreht?

Die Möglichkeiten machen den Unterschied. Es ist eben was anderes, ob ich eine oder 80 Millionen Dollar für einen Film habe. Vor allem hat man mit mehr Geld auch mehr Zeit, das ist unglaublich viel wert. Allein für diese eine Szene, von der ich gerade sprach, hatten wir 15 Drehtage.

Haben Sie Ambitionen nach Hollywood?

Ich entscheide mich immer nach den Büchern. Wenn man mir ein gutes Buch oder ein interessantes Projekt gibt, bin ich für alles offen. Ich bin aber nicht so blöd, alles was ich mir in Europa in zwölf Jahren aufgebaut habe, aufzugeben und drüben wieder komplett von vorn anzufangen. Zurzeit drehe ich viel im europäischen Ausland, außerdem haben wir deutschen Schauspieler ja auch immer häufiger die Möglichkeit, in einem Hollywood-Film dabei zu sein.

Welche Sprachen haben Sie drauf?

Gedreht habe ich mittlerweile in sechs verschiedenen Sprachen. In einigen Ländern werde ich trotzdem synchronisiert, in anderen habe ich einen leichten Akzent, und mein Englisch ist fast akzentfrei.