Vermischtes Der Guru im Gefängnis

02.12.2002, 23:00 Uhr

Ich werde reich und glücklich – ARD 23.00 Uhr ,,Ich bin der Beste, ich bin der Beste, ich bin der Beste", hämmert die Stimme von einer CD. Die Stimme gehört Jürgen Höller, Motivator und Leiter der Inline AG, die er zum ,,McDonald's der Weiterbildung" machen wollte. Prominente wie Christoph Daum oder Lothar Späth gehörten zu seinen Anhängern. Seine Bücher ,,Alles ist möglich" oder ,,Sag ja zum Erfolg" verkauften sich prächtig. Seit dem 2. November sagt Jürgen Höller ,,Ja zum Gefängnis", wo er wegen des Verdachts der Veruntreuung von rund 900000 Euro sitzt.

Geld, Gold, ein sorgenfreies Leben – materielle Ziele standen im Mittelpunkt von Höllers Motivationsseminaren. Nach porentiefreiner Gehirnwäsche beteten seine Jünger die Sprüche ihres Meisters nach: ,,Erfolgreiche Menschen sind Menschen, die handeln. Erfolglose Menschen reden nur davon" oder ,,Armut kommt von arm an Mut" lauten die Bekenntnisse des Hochstaplers Jürgen Höller. Noch absurder sind seine Theorien über Physiognomie: ,,Am Hinterkopf erkennt man, wie viel Energie ein Mensch hat."

So etwas glaubt doch keiner, sagt da der gesunde Menschverstand. Doch Höllers Seminare waren voll. Eines hatte er übrigens im Frauengefängnis in Vechta abgehalten. Sie erinnerten an die Massenpsychose von Rock-Konzerten. Einer der Jünger Höllers, ein evangelischer Pfarrer aus Frankfurt, versucht den Erfolg seines Gurus zu erklären: ,,Jürgen Höller fällt in ein Vakuum, dass wir als Kirche hinterlassen haben."

Der Tanz um das goldene Kalb hat zumindest bei den Gläubigern Höllers einen heftigen Muskelkater verursacht. Ende Oktober 2001 drohte er ihnen, sofort Insolvenz anzumelden, falls sie ihre Investitionen zurückziehen sollten. Dass Höller seine Anhänger zu Egomanen erzogen hatte, rächte sich, als es mit seinem Unternehmen bergab ging. Zweifel am großen Meister kamen auf und die Gläubigen verließen das sinkende Schiff.

Die Filmemacherin Doris Metz ruft in ihrem Dokumentarfilm über Jürgen Höller einige Male ungläubiges Staunen hervor. Acht Monate lang hat sie Anhänger Höllers auf ihrer Suche nach dem Erfolg begleitet. Das, was sie mit ihrer Kamera eingefangen hat, ist so haarsträubend, dass sich der Zuschauer bisweilen fragen muss, ob er im richtigen Film ist.