Vermischtes Bürgerbus-Premiere bei Glatteis und mit einem Fahrgast

15.12.2002, 23:00 Uhr

Als Ullrich Hockenbrink gestern Morgen um 5.40 Uhr wach wurde, war sein erster Gedanke: Wie sieht es auf den Straßen aus? Auf den Bürgermeister von Westerkappeln wartete eine besondere Aufgabe: Er war der erste Fahrer des Bürgerbusses. Der Linienverkehr begann bei Glatteis – und mit nur einem Fahrgast.

Der Bürgermeister machte sich mit Ewald Westermann, dem Vorsitzenden des Bürgerbusvereins, und Wartungschef Rainer Grafe auf den Weg zum Bauhof. Als Ullrich Hockenbrink den Schlüssel ins Zündschloss steckte, war es 7.20 Uhr. An der Haltestelle Friedhof warteten zwar noch keine Fahrgäste, aber Mitstreiter für das ehrenamtliche Projekt. Melanie Illmann, die Geschäftsführerin des Bürgerbusses, und Burkhard Kötter, Betriebsleiter des Regionalverkehrs Münster, stiegen ein. Und der Bürgermeister strahlte.

Die gute Laune ließ auch nach mehreren verwaisten Haltestellen nicht nach. "Die Vorstellung, dass jetzt die Massen heranströmen, wäre ja auch falsch", meinte er später. Und Melanie Illmann meinte: "Die Glätte hat einige davon abgehalten, ihr Haus zu verlassen." Als Erfolg werten die Bürgerbusinitiatoren, dass sie die Linie ein Jahr, nachdem die Idee dazu aufgekommen war, jetzt existiert.

Als Hockenbrink den kleinen Bus über schmale Straßen des Umlandes lenkte, blinkte immer wieder die Antischlupf-Kontrollleuchte auf: Glatteis. Die Hälfte der Westerkappelner lebt verstreut auf weiten Flächen. Manche sind auf Mitfahrgelegenheiten angewiesen, um einen Arzt oder Geschäfte im Zentrum der Gemeinde besuchen können. Der Bürgerbus bietet ihnen jetzt außerdem Anschlussverbindungen zum Schnellbus nach Osnabrück oder zum Regiobus nach Mettingen. Vor allem Ältere gehören zur Zielgruppe der Initiative. Hockenbrink rechnet aber auch mit Jugendlichen und Familien ohne Auto: "Es geht darum, die Leute unabhängiger zu machen." Er erinnerte sich an ein Gespräch mit Pastor Olaf Maeder im vergangenen Jahr. Dabei war das Stichwort Bürgerbus gefallen. Der evangelische Geistliche – er war noch nicht lange in Westerkappeln – berichtete von Erfahrungen mit einer solchen Initiative aus Bausenhagen bei Unna. Und schon nahm die Idee Fahrt auf. Im April gründete sich der Verein, im Sommer kam das Fahrzeug, 23 Ehrenamtliche machten einen Führerschein für Personenbeförderung, und jetzt nahm der Regionalverkehr die zwei Bürgerbus-Linien in den regulären Fahrplan auf, der im Rathaus kostenlos erhältlich ist.

Die Südschleife über Hambüren und Hollenbergs Hügel beginnt montags bis freitags um 7.39 Uhr an der Haltestelle Friedhof um 9.39 Uhr, dienstags und donnerstags zusätzlich um14.39 Uhr und 16.39 Uhr. Die Fahrten enden jeweils etwa 42 Minuten später an der Haltestelle Friedhof. Dort beginnen die Touren der Nordschleife über Seeste und Westerbeck um 8.39 Uhr und um 10.39 Uhr, dienstags und donnerstags zusätzlich um 15.39 Uhr sowie um 17.39 Uhr. Jeweils 41 Minuten später ist der Bus wieder an der Haltestelle Friedhof. In der ersten Woche sind die Fahrten kostenlos, ab kommenden Montag müssen erwachsene Fahrgäste einen Euro zahlen und Kinder 50 Cent.

An der Haltestelle Hollenbergs Hügel wartete gestern um 10.06 Uhr der erste und bisher einzige Fahrgast. Es war Luise Westermann, die Mutter des Bürgerbus-Vorsitzenden. Sie stieg wie selbstverständlich ein – als hätte es diese Linie schon länger gegeben. "Das Wichtigste ist Kontinuität", meinte Hockenbrink dazu. Knapp 120 Kilometer hat er in dem Neunsitzer zurückgelegt. Geschäftsführerin Melanie Illmann lobte den Bürgermeister. "Er war ein wirklich guter Busfahrer." Sie wird ihn ab jetzt ein Mal im Monat zur Arbeit einteilen.