Vermischtes Brücke zwischen Mensch und Tier

21.07.2009, 22:00 Uhr

Seine Klienten liegen nicht auf der Couch. Sie rennen lieber auf vier behaarten Beinen durch die Welt, knurren, beißen oder trauen sich nicht in geschlossene Räume. Der Hagener Mario Grüter kommt Hundebesitzern zur Hilfe, deren Lieblinge sich nicht normal verhalten. Seit 16 Jahren arbeitet er als Hundepsychologe.

Da ist zum Beispiel Emma, eine rundliche Berner Sennenhündin. Sie ist sehr lebhaft und springt gerne Menschen an. „Sie ist eine kleine Königin“, sagt Grüter. Ihr Verhalten zeige die Respektlosigkeit gegenüber dem Hundeführer. Der Besitzer muss lernen, Emma und ihr Gehabe zu ignorieren. „Zu 80 Prozent bin ich auch immer für den Menschen da“, erklärt der 51-Jährige. Als Hundepsychologe sei es seine Aufgabe, eine Brücke zwischen Mensch und Tier zu schlagen. „Oft sind es nur Missverständnisse zwischen Hundeführer und Hund, die zu Problemen führen“, so der Hundeprofi, der sein Diplom in Hundepsychologie in der Schweiz gemacht hat.

Wann schalten Besitzer einen Hundepsychologen ein? „Die Klassiker sind: mein Hund zieht an der Leine, mein Hund bellt dauernd oder mein Hund macht alles kaputt“, schildert der Familienvater die alltäglichen Probleme zwischen Bello und Herrchen. Abhilfe schaffen Trainings in Einzelgesprächen oder in der Gruppe. So bietet der Ansprechpartner des Vereins „Hagener Hundefreunde“ Welpenstunden oder Junghundestunden an.

Sonntags geht es dann in einer gemischten Gruppe in den Wald. Bis zu zwölf Hunde der unterschiedlichsten Rassen gehen mit ihren Frauchen und Herrchen ungezwungen spazieren. „Auch wenn das locker aussieht, das ist auch immer eine Übung“, so Grüter, der in seinem eigentlichen Beruf als Maurer tätig ist. Zeit seines Lebens hat er sich mit Hunden beschäftigt und ehrenamtlich in Tierheimen gearbeitet. Er plädiert für eine unsichtbare Leine zwischen Tier und Hundeführer.

Mit seiner Feela, einer Holländischen Schäferhündin, versteht er sich fast blind. Da er sie nicht ruft, muss sich das Tier ständig über Augenkontakt versichern, wo es lang geht. „Das ‚Wir‘ wird großgeschrieben. Wir sind ein Team, wir gehören zusammen“, das ist die Philosophie, auf der Grüter sein Training aufbaut. Der Begriff Hundepsychologe ist nicht geschützt, weiß Grüter. Auch wenn die wirtschaftliche Situation insgesamt schlechter wird, so boomt die Tierheilbranche. „Ich wollte mich beim WDR für eine Sendung ‚Mit dem Hundepsychologen unterwegs‘ bewerben. Aber da haben sich so viele angemeldet, das wird wohl nichts“, berichtet Grüter.

So hat er mehr Zeit, sich um seine Klienten zu kümmern. Leila, eine bildhübsche Schweizer Sennenhündin, ist gerade in Therapie beim Hundepsychologen. Was sich albern anhört, hat einen ernsten Hintergrund: Leila stammt aus einem Massenzuchtbetrieb. Sie blieb aber unfruchtbar und wurde von dem Verein Retriever in Not gerettet. So kam sie zu Reinhilde Gottwald-Kron nach Holzhausen. „Ihr Problem ist, dass sie viel Gewalt erlebt hat. Sie hat Angst vor Halsbändern, Leinen und geschlossenen Räumen, also vor allem, was irgendwie einengt“, berichtet die Besitzerin. Alleine wurde sie mit der ängstlichen Hündin nicht mehr fertig. Mit Übungen gelingt es, das Vertrauen zwischen Mensch und Tier wiederherzustellen: Grüter lässt die Tiere über von ihm entworfene Hindernisse laufen. „Das eignet sich auch für den größten Kracher. Er wird dabei ruhig, weil er unsicher ist. Dadurch wird eine Situation geschaffen, in der sich der Hund am Menschen orientieren muss“, beschreibt Grüter.

Sehr erleichtert ist er, dass die Hagener Hundefreunde endlich ein großes Gelände an der Gellenbecker Straße/ Natruper Straße pachten konnten: „Hier können wir in Ruhe trainieren.“