Vermischtes Blumenmädchen Eliza singend auf Hochtouren

14.07.2009, 22:00 Uhr

„Wart’s nur ab, Henry Higgins, wart’s nur ab . . .“ Das Blumenmädchen Eliza Doolittle kommt auf Hochtouren und mordlustige Gedanken, das Publikum auf der Waldbühne auf seine Kosten. Die Premiere von „My Fair Lady“ erwärmte am Samstagabend die Zuschauer, die mit „Standing Ovations“ beim Schlussapplaus Ensembleleistung, aber vor allem auch die Darstellerin und Sängerin Sarah Welpinghaus feierten, die aus ihrer Hauptrolle eine Glanzrolle machte.

Das weltbekannte Musical mit seinen berühmten Melodien von Frederick Loewe wie „Ich hätt getanzt heut Nacht“ oder „Wäre das nicht wunderscheen...“ versetzt in das London zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Die Geschichte des Blumenmädchens Eliza Doolittle, die dem Phonetik-Wissenschaftler Professor Higgins in die Hände fällt, der aus ihr – sprachlich zumindest – eine Lady der feinen Gesellschaft machen will, hat viele komödiantische Elemente, die das Zuschauen bei dieser beschwingten Inszenierung von Andreas Pöhler-Regenbrecht zum Vergnügen macht. „Die Sprache macht den Menschen – die Herkunft macht es nicht“ ist das Credo von Professor Higgins, der der wie „einem gallenleidenden Frosch quakenden“ Eliza als „kaltblütiger Muttersprachenmörderin“ zu Beginn gar das Recht zu leben abspricht.

Mario Buletta verkörpert passgenau in der männlichen Hauptrolle den eingefleischten Junggesellen, der nach nur ein paar Worten die Herkunft jedes Menschen fast auf die Straße genau heraushört, sonst aber nicht gerade eine menschliche Leuchte ist, wie auch seine Mutter Mrs. Higgins (Elke Mechau) genau weiß.

Für Higgins ist Eliza nur ein willkommenes Studienobjekt, an dem er sich beweisen kann. Mit Drohungen und Tricks – wer kann schon leckeren Torten und Pralinés wiederstehen? – schafft er es schließlich, dass Eliza „Es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blühen“ perfekt über die Lippen bekommt.

Beim Pferderennen in Ascot in der Loge seiner Mutter lässt Miss Dolittle noch die Umstehenden vor Schreck in Ohnmacht fallen, wenn sie sprachlich aus der Rolle fällt – beim Diplomatenball allerdings täuscht sie alle, und Higgins hat die Wette mit Oberst Pickering (Herbert Michels) gewonnen. Allerdings hat er gleichzeitig Eliza verloren, die den herzlosen Junggesellen verlässt. Der in Eliza verliebte Freddy Eynford-Hill (Felix Michels) hat auch singend („In der Straße wohnst du“) am Ende jedoch keine Chance: Eliza kehrt zu ihrem Peiniger zurück, der sein Herz für sie spät, aber nicht zu spät entdeckt hat.

Als schlitzohriger Vater mit sehr eigener Moral muss sich Jürgen Severin als Alfred P. Doolittle singend unter Beweis stellen („Mit ’nem kleinen Stückchen Glück“ und „Aber bringt mich pünktlich zum Altar“), wobei das Publikum aufmunternd mitklatschte.

Ein Kompliment gilt dem Ensemble, das unter anderem als Zuschauerchor beim Pferderennen eine reife Leistung bietet, und auch bei den Walzerschritten beim Diplomatenball zeigt sich der Lohn intensiver Probenarbeit. Inmitten des wieder atmosphärisch gelungenen Bühnenbildes von Stephan Leiwe hat „My Fair Lady“ gute Aussichten, zum Sommerhit der Waldbühne zu werden – wenn das Wetter mitspielt, was zum Glück bei der Premiere der Fall war.