Vermischtes "Bei mir fallen heute fünf Stunden aus, einfach super"

15.12.2002, 23:00 Uhr

"Des einen Freud, des anderen Leid." Während sich gestern morgen die Autofahrer im gesamten Emsland nur im Schneckentempo fortbewegen konnten, wenn überhaupt, freuten sich die Kinder über ihren ersten und hoffentlich nicht letzten ,,eisfreien Tag" in diesem Jahr. Nix mit Schule, sondern sich noch einmal im warmen Bett drehen dürfen, war für die meisten wahrscheinlich das reinste Vergnügen. Für Marius, Lennart und Larissa aus dem Lingener Ortsteil Baccum auf jeden Fall.

"Mama ist heute morgen zu mir ins Zimmer gekommen und hat gesagt, dass wir noch liegen bleiben dürfen, weil die Schule wegen Glatteis geschlossen bleibt", freut sich der 13-jährige Marius noch immer über diesen unerwartet freien Tag. Geplant ist, mit den Freunden über das Eis zu schliddern und ein wenig am Computer zu spielen. Bei seinem zehnjährigen Bruder ist das Glücksgefühl auch sehr hoch. ,,Bei mir fallen heute fünf Stunden aus - einfach super", lacht Lennart. ,,Ich hab` mich auch riesig gefreut", strahlt Larissa mit ihren Brüdern um die Wette. ,,Der Sachkundeunterricht fällt aus und deshalb kann ich schon heute morgen mit meiner Freundin Lara spielen, die außerdem heute Geburtstag hat", juchzt die Achtjährige mit ihren Brüdern um die Wette.

Erheblich weniger Spaß mit den spiegelglatten Straßen und Wegen hatten all diejenigen, die am gestrigen Montagmorgen an ihrem Arbeitsplatz erwartet wurden. Nur schleichend kamen die Autofahrer voran und auch die Fußgänger und Radfahrer hatten große Mühen, sich auf den Beinen oder Reifen zu halten. ,,Mann, ist das sauglatt heut morgen", war wohl der am meisten ausgestoßene Fluch am Montagmorgen.

Dabei hatten die Räum- und Streudienste bereits alles getan, um die Straßen, Brücken und Wege sicher zu machen. ,,Wir sind seit Sonntagnachmittag im Non-Stop-Einsatz", berichtet Hans Müller, Leiter des städtischen Bauhofs in Lingen, auf Anfrage unserer Zeitung. Rund 50 Mann und 17 Fahrzeuge hätten alles getan, um den Frühaufstehern den Weg zur Arbeit oder zum Brötchenbäcker zu erleichtern. ,,War schon ne` Menge los", resümiert Hans Müller lobend die Arbeit seiner Leute.

Seit 3 Uhr Montagmorgens waren auch die Mitarbeiter der Straßenmeisterei Nordhorn unterwegs, um die Landes- und Bundesstraßen abzustreuen. Nach Angaben von Reinhard Gebbeken, technischer Mitarbeiter der Straßenmeisterei, waren neun Fahrzeuge unterwegs, um mit dem gestreuten Salz die Fahrwege im Altkreis Lingen und der Grafschaft Bentheim vom Eis zu befreien. ,,Jedes unserer Fahrzeuge war bis zu fünf Stunden im Einsatz, weil wir ein riesiges Gebiet betreuen müssen", sagt Gebbeken.

Nach Angaben des Sprechers des Landkreis Emsland, Dieter Sturm, wurden die ersten Glatteisunfälle aus Papenburg gemeldet. Gegen 4.25 Uhr sei dann Landrat Hermann Bröring telefonisch von der Rettungsleitstelle informiert worden, dass der Streudienst keine Verkehrssicherheit für die Schüler gewährleisten könne. Bröring habe daraufhin einen Schulausfall an allen allgemein- und den berufsbildenden Schulen angeordnet, der zu den 6 Uhr Nachrichten bereits in den Verkehrsmeldungen verlesen worden sei. Schulfrei gab es auch in der Grafschaft Bentheim.

Wie Sturm weiter mitteilte, wurden bis Montagmittag der Rettungsleitstelle keine schweren Verkehrsunfälle mit Verletzten gemeldet. Von 0 Uhr bis 11 Uhr hätten 25 gestürzte Personen die Hilfe eines Rettungswagens in Anspruch nehmen müssen. Der Sprecher: ,,Die Autofahrer haben alle sehr besonnen auf die Wetterlage reagiert." Allerdings müsse auch weiterhin vor Eisregen, überfrierender Nässe und Schneefall gewarnt werden.

Zu Verspätungen kam es leider bei der Zeitungszustellung. Wie Werner Wehlage, Geschäftsführer des Medien-Vertriebs Emsland (MVE) berichtete, gab es bereits bei der Anlieferung zu den Verteilstellen Probleme, weil LKW nicht voran kamen. Daher wurde in einigen Fällen die Ladung jeweils auf mehrere kleinere Fahrzeuge verteilt. Viele Zusteller mussten auf ihre Fahrzeuge verzichten. Zu Fuß, unterstützt von Angehörigen und unter Zuhilfenahme von Spikes, die an die Schuhe geschnallt wurden, ging es langsam voran. Wehlage sprach seinen Mitarbeitern ein großes Lob aus, da sie mit Improvisation und Einsatzwillen die Zustellung, wenn auch mit Verspätung, sicherstellten.