Vermischtes Begeistert von der Fliegerei

26.07.2009, 22:00 Uhr

Das Cockpit wirkt einschüchternd. Unzählige Instrumente mit so kryptischen Beschriftungen wie SP, TRX, COM1, COM2 und GPS. Sie gehören zur Antonov AN 2, dem größten einmotorigen Doppeldecker der Welt. Das historische Flugzeug ist eine der Attraktionen der Großflugtage, die der Osnabrücker Verein für Luftfahrt am Wochenende anlässlich seines 100. Geburtstags am Flugplatz Achmer veranstaltet hat.

„Seit Anfang der Woche“ – so beantwortet Reinhard Voss die Frage, wie lange er bereits fliegt. Das ist natürlich nicht ernst gemeint. Seit 20 Jahren ist er Pilot, angefangen hat er mit dem Segelflug. „Das war mein Ding“, stellte er schnell fest. Voss verkörpert die Begeisterung für die Fliegerei, die mittlerweile auch sein Beruf ist. Dazu kommt das Hobby – historische Flugzeuge, die bei Flugschauen zum Einsatz kommen, wie eben die AN2.

Sechs Fallschirmspringer beteiligen sich am Flug. Die AN2 verlangt „handwerkliches Fliegen“, hier ist noch alles mechanisch, erläutert der Pilot. Voss bringt das Flugzeug schnell auf Höhe. Den Vorgang vergleicht er mit einem Auto, das man bergauf beschleunigen will und daher einen Gang runterschaltet. In rund 1200 Meter Höhe verlassen die sechs Springer das Flugzeug, und etwas später bringt der Pilot die AN2 sicher auf den Boden zurück.

Beim Tag der offenen Tür betätigt sich Voss auch als Kunstflieger mit einer YAK 52 TD, ein weiterer Publikumsmagnet im vielfältigen Programm rund um die Fliegerei. Mehr Kunstflug bietet eine Staffel von sechs Doppeldeckern, die unter der Bezeichnung „Stampe“ bekannt sind. Die Zuschauer honorieren die Flugeinlagen der historischen Maschinen mit Sonderapplaus.

Alle zwei Jahre öffnet der Verein seine Türen, in diesem Jahr durch das Jubiläum in noch größerem Rahmen, berichtet der Vorsitzende Horst Ufer. Dazu gehört natürlich alles rund um die Segelfliegerei, den Schwerpunkt des Vereins. Die Osnabrücker bieten Ausbildung, Streckensegelflug, Oldtimerrestauration und Oldtimernachbau. Das jüngste Baby: eine Reiher, die ein Team um Initiator Stefan Krahn in achtjähriger Bauzeit rekonstruierte. Ende der Dreißigerjahre war dieses Segelflugzeug das fortschrittlichste und wohl auch schönste seiner Zeit.

Für den Tag der offenen Tür hatten die Veranstalter auch verschiedene Partner gewinnen können, darunter den Aero-Club Osnabrück, der Rundflüge mit Cessna anbietet. Die Zusammenarbeit ist nicht verwunderlich, denn die Motorflieger waren ursprünglich auch im Osnabrücker Verein für Luftfahrt zu Hause und hatten sich dann im Aero-Club selbstständig gemacht.

Ein besonderes Angebot sind die Rundflüge mit der JU52, einem Passierflugzeug, das in den Dreißigerjahren des vergangenen Jahrhunderts entwickelt wurde. JU Air aus dem schweizerischen Dübendorf betreibt vier Maschinen, eine davon war am Wochenende in Achmer im Einsatz. Diese Attraktion lässt auch einen langjährigen Piloten wie Horst Ufer nicht kalt. Der Vereinsvorsitzende nutzte ein besonderes Angebot: Mit dem Zug fuhr er in die Schweiz, um dann an dem gut dreistündigen Flug nach Achmer teilzunehmen.