Vermischtes Beet-Paten gestalten öffentliches Grün

07.07.2009, 22:00 Uhr

„Nicht nur meckern und warten, sondern handeln“ – nach diesem Motto hat Gisela Knopff-Fäustlin die ehrenamtliche gärtnerische Betreuung von zwei kleinen, aber markanten Grünflächen in ihrem Stadtteil Buer übernommen.

In mehreren Stadtteilen sind Beet-Paten in ähnlicher Weise aktiv. Nach Auskunft von Frank Tubbesing vom Tiefbauamt wurde in Gesmold sogar ein Vertrag mit ehrenamtlichen Hobby-Gärtnern geschlossen. Einige Blickfänge in Buer sind nach vielen Diskussionen jetzt in der Obhut von Beet-Paten.

Rote Begonien und rote Rosen verschönern derzeit das Bueraner Ortszentrum nahe dem Einkaufsmarkt. „Diese Überquerungshilfe wird von Werner Weßler und Kurt Kallert gestaltet“, informierte Elisabeth Pottebaum vom Bürgerbüro. Die lange Zeit ungepflegte Überquerungshilfe in Markendorf betreuen Karin Restemeyer und Gisela Knopff-Fäustlin, die außerdem den blühenden Außenring des Kreisels „Im Knühl“ (auch „Burton-Kreisel“ genannt) angelegt hat. Die Beet-Patinnen verstehen ihre Arbeit auch als Umsetzung der Agenda 2000 der ev.-luth. Martini-Gemeinde: „Mehr Natur ins Dorf – lokal handeln“.

„Wir haben hier Stauden und Blumen aus unseren Gärten gepflanzt“, zeigte Karin Restemeyer die üppige Pflanzenfamilie mit Malven, Frauenmantel, Mauerpfeffer, Karpatenglocken, echtem Dost und fetter Henne, die inzwischen mitten auf der Landesstraße 92 in Markendorf eine grüne Insel bildet. „Das Gießwasser stellen uns Nachbarn zur Verfügung“, freuten sich Restemeyer und Knopff-Fäustlin über die Unterstützung von Anwohnern. Für die Düngung der Blumen nehmen sie eigenen Kompost. Öffentliche Gelder für Pflanzen, Samen oder Dünger stehen nicht zur Verfügung, sämtliche Sachkosten werden neben der ehrenamtlichen Arbeit von den Beet-Patinnen gespendet.

Das gilt auch für den Außenring des Kreisel „Im Knühl“. Hier hat Gisela Knopff-Fäustlin in einer eigenwilligen Auswahl Luzernen, Malven, Topinambur und Ringelblumen gesät und gepflanzt. „Die Sonnenblumen sollen gemäß einem alten Werbespruch vor der Einfahrt ins Dorf daran erinnern, dass in Buer die Sonne aufgeht“. Wenn sie die Gestaltung eines Kreisels übernimmt, will die Künstlerin sich selbst und ihre Vorstellungen von Naturgarten entfalten. Für die Qi-Gong-Lehrerin, BUND-Mitgründerin und Grünen-Politikerin kann sogar ein von Lkw umkreistes Beet zum „Sekundär-Biotop“ und Lebensraum für allerlei seltene Kleintiere werden.

Dabei ist ihr bewusst, dass so manche Zeitgenossen wertvolle Naturblumen kaum von lästigem Unkraut unterscheiden. Sie rechnet mit entsprechender Kritik, lässt sich davon jedoch nicht beeindrucken. Sie will den Kreisel, für dessen Betreuung kein benachbartes Unternehmen gewonnen werden konnte, als „Nische zur Bereicherung der natürlichen Vielfalt“ nutzen. Da sie die Kosten für eine eigentlich notwendige Bodenerneuerung nicht aus eigener Tasche aufbringen konnte und wollte, setzt sie Pionierpflanzen zur Bodenlockerung ein. Dafür ließ sie vorläufig auch Disteln stehen, die sie immer vor der Samenbildung abschneidet.

Der innere Kreis wird von Gemeindearbeitern von Zeit zu Zeit gemäht. Die groben Konzeptionen für die Pflege der öffentlichen Flächen wurden im Ortsrats-Arbeitskreis Dorferneuerung erarbeitet. Es müsse aber genügend Spielraum für die Selbstverwirklichung der ehrenamtlichen Gestalter bleiben.

Gisela Knopff-Fäustlin: „Die Bueraner Beispiele zeigen, dass Einzelne und Gruppen an der Gestaltung ihres Umfeldes teilnehmen können – trotz begrenzter öffentlicher Finanzmittel.“