Vermischtes Bad Iburger Lederexperte reist rund um den Erdball

14.12.2002, 23:00 Uhr

Das derzeit kalte Wetter schreckt Reinhold Adams wenig. Schließlich hat er in diesem Jahr schon einen richtigen sibirischen Winter erlebt. Doch seine Tätigkeit als Senior-Experte führt den gelernten Gerber aus Bad Iburg nicht nur in den Ural, sondern auch nach Namibia, Kolumbien, China und in die Mongolei.

"Die Alten sind ganz gut gefragt im Ausland", berichtet der 67-Jährige schmunzelnd, der für den Senior-Experten- Service (SES) mittelständischen Lederbetrieben in der ganzen Welt mit Rat und Tat zur Seite steht. "In den vergangenen fünf Jahren war ich allein dreieinhalb Jahre im Ausland", so Adams, der fast immer von seiner Frau Ursula begleitet wird: "Nur nach Kolumbien durfte sie nicht mit." Bei seinen zahlreichen Einsätzen hat der Bad Iburger die verschiedensten Länder und ihre Sitten kennen gelernt. "Ich hätte nicht geglaubt, die Welt im Alter noch einmal so kennen zu lernen", sagt der Rentner. "Wie lange ich das noch mache, das bestimme ich nicht." Allein in diesem Jahr hat Adams wohl mehrmals den gesamten Globus umrundet. Den ersten Einsatz des Jahres hatte er im Januar in Tschelabinsk in Russland, einer Stadt 120 Kilometer hinter dem Ural.

In der ehemaligen "Panzerschmiede" der Sowjetunion half Adams drei Wochen lang mit, die Mitarbeiter einer Lederfabrik mit den aktuellen ISO-Herstellungsnorm vertraut zu machen. Neben der Arbeit blieb aber auch genügend Zeit, den herrlichen sibirischen Winter und die beeindruckenden Schneelandschaften zu genießen. Aus tiefstem Winter ging es für den gefragten Lederfachmann nach nur zweiwöchigem Zwischenstopp in die Gluthitze des schwarzen Kontinents: Nach Namibia. "Der Einsatz ist eigentlich negativ verlaufen", berichtet Adams. Da die Gewerkschaften Lohnerhöhungen von 17 Prozent forderten und die Mitarbeiter gestreikt haben, stellte der Betrieb die Produktion vorübergehend ein. Zahlreiche Menschen verloren ihre Arbeit. Da half es auch nichts, dass Adams eifrig bemüht war, zu vermitteln. Die Produktion wurde inzwischen wieder aufgenommen und Adams will im kommenden März "wieder rüber."Die Wochen von Mai bis September verbrachte das Iburger Ehepaar in Asien. Zunächst ging es in die Mongolei, wo Sohn Jörg vor Jahren eine neue Heimat gefunden hat. Dann wurde Adams zum nächsten Einsatz nach China in die Stadt Zibo gerufen. "Ich habe mich dort nicht eine Minute gefühlt wie im Sozialismus", sagt Adams, der die Chinesen für die sehr gute Oberflächenbearbeitung der Leder lobt. "Arbeiten heißt in China, Geld haben", hat Adams festgestellt: "Die Leute identifizieren sich mehr mit der Firma als hier zu Lande."

Nachdem Reinhold Adams eine 14-tägige Stippvisite in seiner Bad Iburger Heimat gemacht hatte, reiste er nach Kolumbien. In dem Andenstaat habe er sich ebenfalls herzlich willkommen gefühlt. Auch in der Hauptstadt des Drogenkartells, Kali, habe er sich nicht bedroht gefühlt: "Man muss sich an die Spielregeln halten", erklärt Adams. Stattdessen sind dem Senior-Experten die fleißigen und freundlichen Arbeiter sowie die Schönheit der Anden in Erinnerung geblieben.