Vermischtes Auszeichnung für einen Querdenker

12.04.2007, 22:00 Uhr

Auch wenn manche das nicht so gerne hören: Unangepasstes Querdenken, gepaart mit Visionen und bäuerlicher Beharrlichkeit, sind sehr im Sinne unserer Demokratie. Das hat Bundespräsident Horst Köhler mit der Verleihung des Verdienstkreuzes am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik an Dr. Johannes Hartkemeyer bewiesen.

Gestern Nachmittag durfte der Erste Kreisrat Dr. Reinhold Kassing in der voll besetzten Kornmühle des Tuchmachermuseums die Auszeichnung übereichen. Er schilderte den Lebenslauf des 57-Jährigen, der 1950 als viertes Kind einer Bauernfamilie geboren wurde und für den Weiterbildung in der Kindheit als '"'unerreichbarer Traum'"' erschienen sei.

Dass die Auszeichnung aber nicht nur für seine spätere Tätigkeit in der Erwachsenenbildung, aktuell als Leiter der Volkshochschule Osnabrück, sondern für sein vielschichtiges Wirken auf zahlreichen Gebieten verliehen wurde, belegte Kassings eindrucksvolle Aufzählung ohne Anspruch auf Vollzähligkeit: Agrarpolitischer Sprecher der Landjugend, schon seit 1989 Verfechter des ökologischen Landbaus und Vorreiter der Windenergie, aber auch energischer Kämpfer gegen Neonazis oder Landesvorsitzender des Bundesverbandes Legasthenie.

'"'Wegschauen gilt nicht'"' sei dabei stets Hartkemeyers Motto gewesen. Bürgermeisterin Liesel Höltermann verwies auf das Buch '"'Die Hölle von Bramsche'"' über das Schicksal von Zwangsarbeiter in Bramsche, das Hartkemeyer herausgegeben hat. '"'Dieses Buch hilft, einen Teil unserer Stadtgeschichte zu verarbeiten'"', meinte Höltermann.

In den zahlreichen Grußworten entstand das Bild eines Mannes, der die gemeinsam mit seiner Frau Martina in einem Buch beschriebene '"'Kunst des Dialogs'"', des vorurteilsfreien Zuhörens, zum Lebensprinzip erhoben hat. Dies sei die '"'wesentliche Haltung, die den Menschen Johannes Hartkemeyer auszeichnet'"', betonte die Osnabrücker Bürgermeisterin Karin Jabs-Kiesler. Dank der Hartkemeyers sei Osnabrück '"'ein Zentrum der dialogischen Arbeit'"', meinte der aus den USA angereiste Mitautor Prof. Freeman Dhority.

'"'Ich freue mich, dass es noch nicht meine Beerdigung ist'"', entgegnete Hartkemeyer, der allerdings mit einem russischen Sprichwort warnte: '"'Zu viel Weihrauch verdunkelt den Heiligen.'"'

Ernsthaft wies der neue Verdienstkreuzträger dann darauf hin, dass ihn sein konsequentes Eintreten für Überzeugungen im Laufe der Jahre '"'mehrfach fast den Job gekostet'"' hätte: beim Bemühen um die Aufklärung der Geschichte der Emslandlager in der Nazizeit etwa oder beim Widerstand gegen die Atomkraft in den 70er Jahren. Mit der Auszeichnung, so betonte Hartkemeyer, wolle er weniger die '"'stromlinienförmigen Aspekte'"' seines Lebenslaufes als vielmehr das '"'Durchhaltevermögen, wenn man auf der anderen Seite steht'"', gewürdigt wissen. Daran habe jeder der zahlreichen Gäste der gestrigen Feierstunde seinen eigenen Anteil.