Vermischtes Aus Gasthof wird Ort des Glaubens

09.05.2008, 22:00 Uhr

Nachmittags und samstags wird seit Wochen an und in der ehemaligen Gaststätte Thomasburg mit Hochdruck gearbeitet. Fast alle arbeitsfähigen Mitglieder der 50-köpfigen Golga tha-Kirchengemeinde Melle helfen in ihrer Freizeit tatkräftig mit, das ramponierte Gebäude zu renovieren und in ein Gemeindehaus der Freikirche zu verwandeln.

„Wir führen annähernd alle Arbeiten in Eigenleistung aus“, zeigte sich Gemeindemitglied Eugen Gamper stolz auf die bisherigen Baufortschritte. Handwerkliche Fähigkeiten, die in der kleinen Meller Gemeinde nicht vorhanden sind, werden von Freunden aus benachbarten Pfingstgemeinden eingebracht, ergänzte Waldemar Rutz. Der Pastor: „Wir sind wie eine große Familie und versuchen, uns gegenseitig zu helfen.“

Der alte Gasthof-Festsaal mit den großen Fenstern zur Nachtigallenstraße wird der Raum für Gottesdienste. Der Küchenbereich wird ebenso komplett renoviert wie die Sanitäranlagen. In einem ehemaligen Kneipenraum entsteht die Sonntagsschule für vier- bis achtjährige Kinder, weitere Zimmer sollen künftig als Lager für humanitäre Hilfsgüter (Kleider für Osteuropa) dienen.

Unter dem neuen Dach auf dem Wohnteil entstehen zwei Wohnungen, davon eine für den künftigen Hausmeister. Im Treppenhaus wurde der gesamte Putz abgeklopft, da es hier längere Zeit durchgeregnet hatte. Eine Besonderheit hat der geräumige Keller zu bieten: Hier befindet sich die arg beschädigte Kegelbahn. „Auf Dauer wollen wir die Bahn reparieren und für unsere Jugendarbeit verwenden“, blickte Diakon Emil Gütt in die nicht ganz so nahe Zukunft.

Vorrangig arbeiten die engagierten Christen derzeit an der Fertigstellung des Kirchsaals und der sanitären Einrichtungen. „Denn Ende Juli wollen wir in unserem neuen Haus den ersten Gottesdienst feiern“, erklärte Pastor Rutz. Der derzeit angemietete Saal neben dem Café Honerkamp sei keine verlässliche Dauerlösung, deshalb habe sich die Gemeinde (Durchschnittsalter: 40 Jahre) zum Kauf eines geeigneten Gebäudes entschlossen – um das Leben ihres Glaubens zu gewährleisten. Die Finanzierung erfolge ausschließlich durch Spenden von Gemeindemitgliedern und deren Arbeitskraft.

Enttäuscht und besorgt äußerte sich Eugen Gamper über eingeworfene Fensterscheiben. Es könne sich um den leider verbreiteten Vandalismus übermütiger Jugendlicher handeln, aber auch um einen Angriff von Menschen mit Vorurteilen. „Wir sind eine kirchliche Gemeinde, gehören zur weltweiten Bewegung der Freikirchen und sind keine Sekte“, betonte er. Ursprünge der Meller Glaubensgemeinschaft liegen unter anderem in den Pfingstgemeinden, die sich in den sechziger Jahren verstärkt in der UdSSR gebildet hatten. Dort wurden sie verfolgt und konnten nur im Untergrund überleben.

In den Pfingstgemeinden spielt das eigene Erleben der Gegenwart des heiligen Geistes eine besondere Rolle. Deshalb feiert die Meller Pfingstgemeinde gerade morgen um 10 Uhr im Saal Honerkamp am Neuen Graben ein hohes Fest. „Gäste, Interessierte und Neugierige sind stets willkommen“, versicherte der von der Gemeinde gewählte Pastor Rutz, der in seinem „zivilen“ Leben als Bäckerei-Fahrer tätig ist. In den lebendigen 90 bis 120-minütigen Gottesdiensten suchten die Besucher Inspiration. Der Ablauf ergebe sich teilweise aus dem Geschehen und „höheren Einflüssen“ (Infos unter www.golgatha-melle.de).

Alkohol und Zigaretten werden in der Gemeinde abgelehnt. „Wir sind nicht perfekt und wollen keine allein seligmachende Kirche sein“, widersprach Pastor Rutz jedem Absolutheitsanspruch. „Für uns beginnt das Christentum mit der Auferstehung auf der Anhöhe Golgatha.“