Vermischtes Aufwind für BI durch Windanlagenbauer Enercon

28.07.2009, 22:00 Uhr

Die Bürgerinitiative (BI) Saubere Energie Dörpen sieht sich bei ihrem Protest gegen das geplante Kohlekraftwerk im Aufwind. Die Ankündigung des Auricher Unternehmers Aloys Wobben (Enercon), eine Investition in Haren zum Bau einer Produktionsstätte für Windrotoren nur zu tätigen, falls kein Kraftwerk gebaut werde (wir berichteten), wird von der BI ausdrücklich begrüßt.

In Haren würden mehr als 1000 zukunftsträchtige Arbeitsplätze geschaffen, in Dörpen dagegen mit veralteter und klimaschädlicher Technik lediglich 80 bis 100. BI-Sprecher Jan Deters-Meissner sagte am Montag auf einer Pressekonferenz in Dörpen, dass alles getan werden müsse, „eine Weichenstellung in die völlig falsche Richtung zu verhindern“. Er kündigte für den heutigen Mittwoch, 20 Uhr, im Saal Witte in Haren eine Informationsveranstaltung der BI an. Die Harener Bürger seien aufgerufen, sich dem Protest gegen das Kraftwerk anzuschließen.

Als Erfolg wertete Inge Stemmer, dass der Rat Dörpen nicht wie geplant am 11. August das Bauleitverfahren abschließen könne und die Sitzung verschoben habe. „Die 8200 Einwendungen müssen sorgfältig geprüft werden. Einige, darunter die von zwei Anwälten, sind so detailliert, dass die Gemeinde nicht einfach darüber hinweggehen kann“, so Stemmer. Sie warf der Verwaltung schwere Versäumnisse und Fehler bei der Planung vor. Es gebe zum Beispiel kein umfassendes Umweltverträglichkeitsgutachten. Dies sei bei der Größe und Tragweite des Projekts aber unbedingt erforderlich.

Deters-Meissner und Stemmer übten erneut scharfe Kritik an Landrat Hermann Bröring und dem Vorsitzenden der CDU-Kreistagsfraktion, Heinrich Hövelmann. Beide müssten sich für ihre verbalen Entgleisungen gegenüber der BI entschuldigen. Bröring forderten sie zum Rücktritt auf.

Zurückgewiesen wurde der Vorwurf von Günter Wigbers (CDU), Samtgemeindebürgermeister von Sögel, Wobben erpresse gewählte Volksvertreter mit seinem Junktim, in Haren nur ohne ein Kraftwerk in Dörpen zu investieren. Frank Klaß: „Wie zu lesen war, macht die Firma Hero-Glas aus Dersum eine Standortentscheidung für solarthermische Anlangen auch von den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen abhängig. Entweder Niedersachsen oder Nordrhein-Westfalen.“ Dies sei völlig legitim und auch der Firma Enercon zuzugestehen. Klaß: „Das ist ökologischer und ökonomischer Wettbewerb.“ Im Übrigen werfe niemand der Meyer Werft vor, die Politik ständig vor Ja-Nein-Entscheidungen zu stellen. „Wir sind froh, dass Meyer da ist. Aber man sollte nicht mit zweierlei Maß messen“, so Klaß.

Den Vorwurf der Erpressung erhob dagegen Reinhard Ahrens, Parteiloser im Gemeinderat Lehe, in Richtung Landrat Bröring und Bürgermeister Johannes Zumsande. Bei der Abstimmung über die Stellungnahme zum Kraftwerk sei ihm klar geworden, dass Zuwendungen des Landkreises nur bei Entscheidungen zu erwarten seien, die dem Landrat genehm seien. Ahrens: „Konkret ging es 2009 um 150000 Euro für den Bau einer Erschließungsstraße in einem Gewerbegebiet. Zum-sande hat im Bauausschuss klargemacht, dass der Landrat sich genau anschaut, was in Lehe passiert.“