Vermischtes 51-Jähriger würgte seine Lebensgefährtin: Haftstrafe

09.12.2002, 23:00 Uhr

Zwei Jahre und sechs Monate Haft wegen gefährlicher Körperverletzung. So lautete das Urteil für einen 51-jährigen Angeklagten aus dem Emsland, der sich jetzt vor dem Osnabrücker Landgericht verantworten musste. Der ursprüngliche Vorwurf des versuchten Totschlags blieb nicht bestehen, da dem Angeklagten keine Tötungsabsicht nachzuweisen war.

Dem einschlägig vorbestraften Angeklagten wurde vorgeworfen, im August diesen Jahres seine langjährige Lebensgefährtin mit beiden Händen gewürgt zu haben, sodass die 30-Jährige unter anderem ein Hämatom am Kehlkopf, Hautabschürfungen und eine Platzwunde an der Lippe erlitt. Durch das Eingreifen der Tochter des Angeklagten aus einer früheren Beziehung konnte die Frau sich schließlich aus der gefährlichen Lage befreien.

Bei der Hauptverhandlung ergab sich folgendes Bild: Im Jahr 1995 lernten sich der Angeklagte und die Frau kennen, zogen sehr schnell zusammen und bekamen in relativ kurzer Zeit zwei gemeinsame Kinder.

Die Beziehung zwischen dem Angeklagten und dessen Lebensgefährtin litt schon länger unter dem Alkoholkonsum des Mannes, der seine Partnerin dann im angetrunkenen Zustand oft verbal attackierte und beleidigte. Auch die Ex-Ehefrau beschrieb den Mann als sehr aggressiv, wenn er getrunken hatte. Besonders schlimm sei es gewesen, wenn sie mit Trennungsabsichten bekundet hätte.

Die 30-jährige neue Partnerin, die sich zwischenzeitlich ebenfalls mit Trennungsabsichten trug, ist dann schließlich gemeinsam mit dem Angeklagten und den Kindern ins Emsland gezogen, um dem Mann dem Einfluss seiner ,,Saufkumpane" zu entziehen und so der Beziehung noch eine Chance zu geben. Dies schien auch eine Zeit Erfolg zu bringen; etwa acht Wochen vor der Tat trank der 51-Jährige keinen Alkohol.

Die bisherige Hausfrau und Mutter begann dann, einer Arbeit nachzugehen, erst nur ab und zu, später dann mit einer festen Anstellung. Die Kinder waren immer ordnungsgemäß untergebracht und versorgt. Ihrem Lebensgefährten, der beruflich oft in der Woche unterwegs war, gefiel es nicht, dass seine Partnerin durch ihre Arbeit, die ihr viel Freude machte, selbständiger wurde und nicht mehr so sehr unter seinem Einfluss stand.

Im Juni diesen Jahres verschärften sich die Auseinandersetzungen. Der Angeklagte wollte sich eine eigene Wohnung nehmen, wurde jedoch nach eigenen Angeben auf dem Wohnungsmarkt nicht fündig.

Im Sommer diesen Jahres spielte der Angeklagte mit seiner 16-jährigen Tochter aus einer vorangegangenen Ehe, die gerade zu Besuch war, im Esszimmer Karten. Die kleinen Kinder waren schon zu Bett gegangen; seine Lebensgefährtin kam gegen 22.30 Uhr von der Arbeit nach Hause. Der 51-jährige hatte zu dem Zeitpunkt bereits etwa vier Halbliter-Flaschen Bier getrunken.

Seine Partnerin unterhielt sich eine Zeitlang mit der Tochter des Angeklagten im Wohnzimmer. Gegen Mitternacht erhielt die 30-jährige eine SMS auf ihrem Handy und beantwortete diese auch. Kurz darauf erhielt sie eine weitere Kurznachricht. Der Angeklagte wollte wissen, wer sie um diese Zeit noch ,,anfunkte", da er glaubte, seine Partnerin wolle ihn mit diesen Kurznachrichten ärgern bzw. eifersüchtig machen.

Seine Freundin sagte daraufhin, das gehe ihn nichts an. Der Angeklagte ging dann augenscheinlich sehr wütend und aggressiv in die Küche, die junge Frau und seine Tochter hörten ihn im Besteckkasten wühlen. Als er wiederkam, war er auffällig ruhig und wirkte sehr ausgeglichen. Er zog die Jalousien runter. Zu diesem Zeitpunkt hatten sowohl die Lebensgefährtin als auch die Tochter das Gefühl, dass jetzt etwas passiert.

Der Angeklagte wollte seine Tochter ins Bett schicken, diese blieb jedoch entgegen seiner Aufforderung bei seiner Lebensgefährtin. Der Angeklagte setzte sich zu seiner Partnerin und schüttete zunächst ihre Teetasse aus, um diese dann gegen sie zu erheben, allerdings schlug er nicht damit zu. Als die Frau aufstehen wollte, lagen seine Hände um ihren Hals. Seine 16-jährige Tochter versuchte schreiend, ihren Vater von der jungen Frau fortzuziehen, worauf der Angeklagte sagte: ,,Was ich angefangen habe, bringe ich auch zu Ende!"

Das Mädchen drohte dann damit, mit dem umkämpften Handy die Polizei zu rufen. Daraufhin versuchte der 51-jährige, an das Handy zu gelangen. Zu diesem Zweck ließ er mit einer Hand den Hals seiner Freundin los, so dass diese sich aus seinem Zugriff lösen konnte und nach oben lief. Die 30-Jährige hatte große Angst um ihre Kinder und versuchte, mit diesen das Haus zu verlassen. Die Tochter des Angeklagten blieb aus Angst vor weiteren Übergriffen immer zwischen der jungen Frau und ihrem Vater.

Der Angeklagte entschuldigte sich dann aber bei ihr und sagte, er würde das Haus verlassen und in seinem Lkw schlafen. Das Handy nahm er mit. Die gerufene Polizei fand ihn dann auch schlafend im Lkw vor und nahm ihn fest. Eine Blutuntersuchung ergab einen Wert von maximal 1,31 Promille zum Tatzeitpunkt. Nach der Festnahme ordnete ein Richter Untersuchungshaft an.

Der Angeklagte beteuerte, dass er nie die Absicht gehabt habe, seiner Partnerin wehzutun, geschweige denn, sie umzubringen. Es täte ihm sehr leide, dass er seine Lebensgefährtin und seine 16-jährige Tochter in die Situation gebracht habe, vor Gericht aussagen zu müssen.