Tennessee Mountain treibt aus Die Südstaaten fangen gleich hinter Steinfurt an

Von Thomas Niemeyer | 16.08.2012, 08:21 Uhr

In Norddeutschlands amerikanisch angehauchter Steakszene ist es längst kein Geheimtipp mehr: das „Tennessee Mountain“ in Wersen. Aus dem ländlichen Idyll der Düteaue hat das „American Restaurant“ nun aber einen Ableger mitten in Münster in einer imposanten Stadtvilla ausgetrieben.

Als Inhaber Michael Kreienbrink 1997 in seinem alten Fachwerkhaus mitten im grünen Grenzgebiet zu Niedersachsen loslegte, wollte er wahrlich keine Restaurantkette gründen. Die soll es auch weiterhin nicht werden, aber neben dem Lotter Original und einer abgespeckten Variante in Ibbenbüren ist die Steinfurter Straße 104 in Münster nun schon der dritte Tennessee-Adresse.

Speisekarte und Grundthema in dem früheren Offizierskasino des 15. Preußischen Reiterregiments sind aus Wersen vertraut. Doch das Ambiente könnte kaum unterschiedlicher sein: Das von rustikalem Holz geprägte Wersener Lokal pflegt eher den gemütlichen Countrystyle des amerikanischen Mittelwestens. Wer in Münster schlemmt, fühlt sich zu Scarlett O’Hara und Rhett Butler „vom Winde verweht“.

So kann sich, wer den Roman von Margaret Mitchell liest, das Herrenhaus mitten in einer Baumwollplantage von Atlanta kurz vor dem Bürgerkrieg vorstellen: roter Teppich auf den breiten Stufen, die in die großzügig geschnittenen Räume mit ihren hohen, teils gewölbten und liebevoll verzierten Decken führen. Die weißen Wände strahlen die Eleganz von selbst erarbeitetem Wohlstand aus. Von den Negersklaven darf man an dieser Stelle schweigen, da es sie hier nicht gibt – obwohl einen Gospelchöre und das Auftauchen des Hausmädchens Prissy nicht einmal besonders wundern würden.

So sah es in der Villa, die in Münster als „ABC Schützenhof“ des Allgemeinen Bürgerschützen-Corps der Stadt bekannt ist, aber nicht schon immer aus. Da legte MichaelKreienbrink mit seinem aus Wersen bekannten Hang zur Detailverliebtheit selber üppig Hand an. Zusammen mit seiner neuen Geschäftspartnerin Janin Bohne holte er sich die Inspirationen dazu direkt von der Quelle: auf dem Antebellum-Trail in Georgia, wo der bauliche Charme des tiefen Südens am besten erhalten geblieben ist.

Hier eine alte Südstaatenflagge, dort ein Sternenbanner aus der Zeit, als sie nur 48 Staaten auf sich vereinigte, da das Konterfei von George Washington, dort eine Büste von Abraham Lincoln – auch wenn der nicht gerade als glühendster Anhänger der Südstaaten gilt. Und dann diese alten Bilderrahmen… Es gibt viel zu entdecken.

Dabei haben die beiden Geschäftsführer, die derzeit ständig zwischen Wersen und Münster pendeln, bisher nur einen Teil des riesigen Gebäudes mit zwei Außenterrassen, weitläufigem Keller, in dem die Küche gar nicht leicht zu finden ist, und üppigem Parkplatz erschlossen. Ein Saal, der locker 150 Leute fasst und heftig nachgefragt wird, sowie eine Art Konferenzraum liegen noch brach. „Wir sind noch in der Anlaufphase und müssen auch personell noch kräftig aufstocken, bevor wir hier richtig Gas geben können“, plant Kreienbrink ganz gelassen Schritt für Schritt.

Ein Steckenpferd des Tennesseefans aber hat bereits seinen festen Platz gefunden. Gleich rechts hinter dem Eingang wird ein Raum von Holzfässern mit der Aufschrift Jack Daniel‘s beherrscht. Sitzgruppen und Aschenbecher signalisieren: Hier wird nicht gespeist. Als offizielle „Pilgerstätte“ des – neben dem fast unbekannten George Dickel – einzigen echten „Tennessee Whiskey“ ist man sich das schuldig.

Und wann und wo kommt die vierte Niederlassung? Michael Kreienbrink schüttelt lachend den Kopf: „Also Gäste aus Essen und Dortmund haben gesagt, Münster sei schon nicht schlecht; aber ich sollte doch noch dichter an sie ran. Aber aktuell habe ich da gar nichts in Planung.“