Studie mit 28.000 Teilnehmern Frauen erhalten weniger Stipendien trotz besserer Noten

Von Daniel Gonzalez-Tepper | 13.10.2016, 17:00 Uhr

Trotz besserer Noten erhalten Frauen weniger Stipendien als Männer. Das geht aus der Stipendienstudie 2016 hervor, die jetzt in Berlin vorgestellt worden ist.

Die Stipendiatenquote bei weiblichen Studenten beträgt 21,4 Prozent und liegt damit sieben Prozent niedriger als die Quote bei männlichen Studenten, stellen die Initiatoren der Studie, Mira Maier von der Initiative für transparente Studienförderung von Felix Streiter von der Stiftung Mercator, fest.

Allerdings bewerben sich Frauen weniger häufig um eine (finanzielle) Förderung ihres Studiums als Männer. Während die Bewerberquote bei weiblichen Studenten bei 63,5 Prozent liegt, beträgt sie bei männlichen 65,0 Prozent. Zudem sind Studentinnen weniger erfolgreich mit ihrer Bewerbung. Von den männlichen Studenten erhalten 36,4 Prozent derjenigen, die sich um ein Stipendium bewerben, letztendlich auch eine Förderung. Bei den weiblichen Bewerbern sind es hingegen nur 35,2 Prozent. Die Unterschiede in beiden Fällen sind demnach also nicht hoch, dennoch gibt es sie.

Dieser Umstand ist nach Ansicht der Herausgeber der Studie deshalb überraschend, weil weibliche Teilnehmer der Umfrage mit 1,91 einen deutlich besseren Notenschnitt als ihre männlichen Pendants mit 2,05 vorweisen konnten.

Dabei seien derartige Förderungen sehr attraktiv. „Stipendien stellen eine besonders attraktive Form der Bildungsfinanzierung dar, weil sie nicht zurückgezahlt werden müssen und häufig mit einer ideellen Förderung verbunden sind“, heißt es. Für die Studie wurden 2.463 Abiturienten sowie 25.121 Studenten online befragt.

Nicht-Akademiker- und Einwandererkinder unterrepräsentiert

Heraus kam dabei auch, dass Nicht-Akademikerkinder und Studenten mit Migrationshintergrund weniger Chancen auf ein Stipendium haben. „Akademikerkinder versenden mehr Bewerbungen, aber vor allem haben sie mit ihren Bewerbungen auch viel mehr Erfolg“, heißt es in der Studie. Bei Kindern aus Akademikerfamilien erhalten von 100 Bewerbern 41 ein Stipendium. Bei Nicht-Akademikerkindern sind es nur 34. Erklären lässt sich dies laut Studie teilweise damit, dass Studenten mit Nichtakademikereltern von ihrem Umfeld seltener zu einer Stipendienbewerbung geraten wird.

Deutliche regionale Unterschiede

Auch Einwandererkinder bewerben sich weniger häufig auf ein Stipendium. Das gilt vor allem bei den 13 Begabtenförderungswerken, deren Zahlen für die Studie ebenfalls ausgewertet wurden. Zudem seien Studenten mit Migrationshintergrund im Vergleich zu Studenten ohne Migrationshintergrund schlechter über Stipendien informiert.

Zudem gebe es regional deutliche Unterschiede, heißt es. Im Ruhrgebiet habe sich gezeigt, dass Studenten bei der Vergabe von Stipendien deutlich schlechter abschneiden. „Sie verschicken zwar genauso viele Bewerbungen wie Studenten in Restdeutschland, haben mit ihrer Bewerbung aber deutlich weniger Erfolg“, heißt es. Auch die Kluft zwischen weiblichen und männlichen Studenten sei hier größer. „Unter Studentinnen finden sich fast ein Viertel weniger Stipendiatinnen als unter Studenten. Der Unterschied zwischen den Geschlechtern ist damit dreimal höher als im Bundesschnitt“, haben die Initiatoren festgestellt.

Chancengleichheit eingeschränkt

Abschließend heißt es: „Das deutsche Stipendienwesen ist sozial nach wie vor sehr selektiv,“ sagt Mira Maier, die das Portal myStipendium.de betreibt. Arbeiterkinder, Frauen und Studenten mit Migrationshintergrund würden bei den Stipendien eine Seltenheit bleiben. „Die Stipendienchancen werden maßgeblich durch das Geschlecht und das Elternhaus bestimmt. Chancengleichheit besteht hierzulande kaum“, stellt Felix Streiter fest. Er ist bei der Stiftung Mercator Bereichsleiter für das Gebiet Wissenschaft. Die Stiftung setzt sich seit vielen Jahren für mehr Bildungsgerechtigkeit ein.