Strand bei Sydney weggespült Stürme in Australien fordern mehrere Tote

Von Barbara Barkhausen, Barbara Barkhausen | 06.06.2016, 14:07 Uhr

Die Unwetter in Sydney haben am Sonntag einen neuen Höhepunkt erreicht: Ein Strand wurde weggespült, luxuriöse Villen unterspült, mehrere Menschen starben. Dann löste eine informativ gemeinte Tsunamikarte auch noch unabsichtlich Panik aus.

Der schlimmste Sturm in 40 Jahren hat Sydneys Küstenregion schwer mitgenommen. Im Norden der Stadt wurde ein gesamter Strand weggespült. Die Menschen, die am Wasser wohnten, mussten evakuiert werden und kehrten am Montagmorgen zurück, um festzustellen, dass zehn bis 15 Meter ihrer Grundstücke von der Gewalt des Wassers weggerissen worden waren.

Wie ein „Erdbeben“

Ein Haus im Stadtteil Collaroy verlor gar den gesamten Swimmingpool, der mit dem Rest des Gartens wegbrach. Die völlig am Boden zerstörte Besitzerin sagte im Interview mit lokalen Medien, der Sturm habe sich wie ein „Erdbeben“ angefühlt. Etliche andere Häuser, darunter der beliebte Strandklub, wurden ebenfalls unterspült und hängen nun prekär am Ufer.

Rettungsmannschaften arbeiteten durch die Nacht. Und obwohl 280 Menschen in Not gerettet werden konnten, gab es drei Tote, die mit ihren Autos in den Fluten weggespült wurden. Weitere Menschen werden noch vermisst.

Angeln vom Balkon aus

Andere nahmen den Megasturm, den soziale Medien schnell zum „Stormageddon“ ernannten, dagegen mit Humor. So schrieb der Australier Matthew Snelson auf Twitter: „Der Norden von New South Wales sieht aus wie Hawaii.“ New South Wales ist der australische Bundesstaat, in dem auch Sydney liegt.

Und ein Bewohner eines der Wohnhäuser im Norden von Sydney, das inmitten des Hochwassers stand, nutzte die Nähe des Wassers, um sich von seinem Balkon aus ein leckeres Abendessen zu angeln. Clare Smith, die ihn dabei filmte, wie er vom zweiten Stock des Gebäudes aus einen Fisch dem Wasser zog, rief nur noch begeistert: „Das ist einfach genial.“

Tsunamikarte löst Panik aus

Während Rettungsmannschaften die allgemeine Situation und die fast 10.000 Notrufe gut unter Kontrolle zu haben schienen, löste ein Kommunikationsfehler jedoch beinahe eine Massenpanik aus. Denn gleichzeitig mit den Warnungen vor dem Sturmwochenende veröffentlichten die Behörden eine Evakuierungskarte im Falle eines Tsunamis.

Obwohl die Behörden im Text dazu schrieben „Das ist keine Tsunamiwarnung“ reagierten die Menschen mit tausenden Kommentaren und Fragen, die zeigten, dass viele die Karte als Warnung missverstanden und im Kontext des andauernden Starkregens und Sturms sahen. „Oh, mein Gott“, schrieben die einen, während andere Freunden Nachrichten schickten und sie baten, auf sich aufzupassen. Eine Frau fragte gar, ob Regen einen Tsunami auslösen könne. Dass dies nicht der Fall ist, wussten viele zwar. Doch etliche kommentierten, dass die zeitliche Abstimmung der Veröffentlichung einfach unglücklich gewesen sei.

Vorsorge für den unwahrscheinlichen Ernstfall

Auf der neuen Karte sind die Küstenregionen rot markiert, die im Falle eines Tsunamis evakuiert werden müssten. Darunter sind die Uferregionen wie auch die Bereiche von Flussmündungen. Bewohner müssten im Ernstfall zehn Meter höheres Land aufsuchen. Die Karte zeigt den höchst unwahrscheinlichen Extremfall – ein Jahrtausendereignis.

Bisher ist die Ostküste Australiens nur von weniger intensiven Tsunamis getroffen worden. Die meisten Ereignisse, die im Durchschnitt alle sechs Jahre vorkommen, verzeichneten einen Tidenhub von weniger als einem Meter. Seit 2007 haben nur vier Tsunamis, die durch Erdbeben auf den Salomonen, in Neuseeland, Chile und Japan ausgelöst wurden, leichte Auswirkungen auf Sydney gehabt. Wirklichen Schaden an der Küste und an Booten richtete bisher nur ein 1960 in Chile ausgelöster Tsunami an der Küste von New South Wales an.