Sommerlicher Klagechor Ob Sonne, ob Regen - gejammert wird immer

Von dpa | 19.07.2014, 16:09 Uhr

Mal brennt die Sonne wie in diesen Tagen erbarmungslos vom Himmel, mal drücken Regentiefs Temperatur und Stimmung. Es ist ungewiss, wie das Wetter in den kommenden Tagen wird. Fest steht aber, dass jemand einen Grund zum Klagen findet, denn gejammert wird immer.

Der bunte Chor der Hitze-Geplagten:

Bauern befürchten trotz teurer Beregnung der Äcker Ernteeinbußen, besonders bei Getreide.

Arbeitgeber haben Mehrkosten: Experten schätzen, dass eine Firma mit 1000 Quadratmetern Fläche und 100 Mitarbeitern bei Hitze 250 000 Euro pro Jahr verliert, weil Angestellte weniger leisten können.

Bauarbeiter sind besonders stark belastet. Ohne ausreichenden Schutz droht ein Hitzeschlag. Auch Hautkrebs und chronische Augenschäden durch die UV-Strahlung sind mögliche Folgen.

Müllmänner: Je länger Abfalltonnen - besonders für Biomüll - in der prallen Sonne stehen, umso heftiger plagt Gestank ihre Geruchsnerven.

Waldbesitzer: Bei langer Trockenheit steigt die Waldbrandgefahr. Auch auf Feldern wird es brenzlig: Feldwege sollten nicht von Privatautos befahren werden. Heiße Auspuffteile haben bei Hitze und Trockenheit schon Ackerbrände ausgelöst.

Binnenschiffer beklagen Einbußen, weil sie wegen Niedrigwasser in einigen Flüssen gar nicht mehr fahren können oder zumindest einen Teil ihrer Ladung zurücklassen müssen.

Bahnfahrgäste: Böschungsbrände verursachen Streckensperrungen und Verspätungen. Hinzu kommen Probleme mit den Klimaanlagen der Züge.

Polizisten haben bei Hitze viel zu tun: mehr Anzeigen wegen Ruhestörung bei Partys mit offenem Fenster oder im Garten, mehr Streitfälle wegen erhitzter Gemüter.

Senioren, die zu wenig trinken, klagen über Erschöpfung, Übelkeit und Schwindel - bei körperlicher Belastung droht ein Kreislaufkollaps. Experten empfehlen, bei Hitze mindestens zwei Liter am Tag - vor allem Wasser oder Fruchtschorle.

Das vielfältige Regen-Gejammer:

Hoteliers: Urlauber und Wochenendausflügler entscheiden zunehmend spontan - bei Regen reisen deutlich weniger Gäste an als bei Sonne.

Freibadbetreiber: An kühlen Tagen herrscht gähnende Leere am Becken, die Besucherzahlen gehen in einer verregneten Saison etwa um die Hälfte zurück.

Schüler beklagen die „Höchststrafe“: endlich Sommerferien, und dann wetterbedingter Dauerhausarrest.

Rudi Carrell (1934-2006) fragte 1975 in der Cover-Version des Songs „City of New Orleans“ von Steve Goodman: „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?“. Der Showmaster wünschte sich „Sonnenschein von Juni bis September, und nicht so nass und so sibirisch wie im letzten Jahr“.