Sechster zum Einstand Olympia-Schwimmer Maro di Carli im Interview: „Ich bin so ein Bekloppter“

Von Sandra Freudenstein | 30.07.2012, 16:08 Uhr

Rund läuft es für die deutschen Schwimmer bei den Olympischen Spielen in London bislang nicht. Für einen Lichtblick sorgte der Sögeler Marco di Carli mit der 4x-100-Meter-Freistilstaffel. Das DSV-Quartett stellte einen neuen Deutschen Rekord auf und wurde Sechste. Nach dem gelungenen Einstand konzentriert sich di Carli nun auf seinen Einzelauftritt über 100 Meter Freistil und einen möglichen Staffelstart über die 4x100-Meter-Lagen.

Herr di Carli, Platz sechs mit der Staffel, wie zufrieden sind Sie?

Ziel war es, das Finale zu erreichen. Das haben wir geschafft. Wir wussten, dass es da schwer wird, weil einige Staffeln im Finale noch einmal was draufpacken werden. Natürlich ist es ärgerlich, dass wir eine Hundertstel an unserem Deutschen Rekord aus dem Vorlauf vorbeigeschwommen sind, aber an sich können wir zufrieden sein. Wenn uns vor ein paar Monaten jemand gesagt hätte, wir schaffen es ins Finale, hätten wir das nicht gedacht.

Sie sind als Letzter ins Wasser gesprungen.

Ja, ich bin so ein Bekloppter. Ich will das immer unbedingt, obwohl es die schwerste Position ist, weil dann meistens viele schon weg sind. Da muss man schauen, dass man noch eine Welle abkriegt. Diesmal bin ich reingesprungen und habe nach links geschaut. Da war mein alter Kumpel Roland Schoeman – wir hatten viel Spaß im Wasser. Beinahe wäre ich ja noch auf Platz fünf geschwommen. Aber es hat nicht mehr ganz gereicht.

Die Staffel war die positive Überraschung. Ansonsten erlebte das deutsche Schwimm-Team am Wochenende eher ein Debakel. Wie ist die Stimmung in der Mannschaft.

Bei uns in der Staffel ist sie gut. Mehr kann ich dazu gar nicht sagen. Für mich zählt nur, was ich steuern kann – und das ist nun einmal nur Marco di Carli. Den Rest versuche ich auszublenden. Ich habe da den absoluten Tunnelblick.

Die Franzosen haben am Schluss die USA abgefangen und Gold geholt. Hat Sie das überrascht?

Ehrlich gesagt, habe ich das gar nicht gesehen. Ich schaue nicht, wo die anderen sind, sondern versuche mich ganz auf mich zu konzentrieren. Aber prinzipiell muss man die Franzosen immer auf der Rechnung haben.

Was ist für Sie noch drin bei den Spielen?

Hundert Meter sind noch drin.

Logisch. Ihre Schwester, die hier in London wohnt, hat angeblich Finalkarten für das 100-Meter-Freistil-Finale.

Habe ich auch gehört. Sie hatte sich bei einer Kauf-Lotterie angemeldet und wohl ausgerechnet Karten für das 100-Meter-Freistil-Finale bekommen.

Und, kann sie dort ihren Bruder anfeuern?

Mal sehen. Wichtig ist für mich, dass ich meine persönliche Bestzeit verbessere. Aber, wie heißt es so schön? Vom Feeling her habe ich da ein gutes Gefühl. Es macht richtig Spaß, hier zu schwimmen.

Auch für die 100 Meter Lagen? Da könnten Sie ja mit Ihrem alten Kumpel und Zimmergenossen Helge Meeuw eine Medaille holen.

Helge ist auf jeden Fall qualifiziert. Das freut mich total. Ich muss das erst noch schaffen. Wenn es klappt, dann wird das alte Ehepaar noch einmal angreifen.