Rettungsaktion geglückt Deutscher Wanderer überlebt Klippensturz in Neuseeland

Von Barbara Barkhausen | 29.12.2015, 17:44 Uhr

Ein Ausflug des deutschen Urlaubers Matthias Jerger hätte in Neuseeland beinahe tödlich geendet. Der Mann aus Baden-Württemberg fiel über zwei Klippen in die Tiefe und verbrachte eine Nacht im Freien, bis er gerettet wurde.

Ein deutscher Urlauber in Neuseeland verdankt sein Leben einem aufmerksamen Gastwirt und den einheimischen Rettungsmannschaften, die ihn nicht aufgaben. Am Samstag geht der 29-jährige Matthias Jerger im Fiordland Nationalpark auf der Südinsel Neuseelands wandern. Er ist der größte Nationalpark Neuseelands und über 12.500 Quadratkilometer groß. Hier einen vermissten Wanderer zu finden, ist keine einfache Aufgabe.

Doch Jerger hat seinen Gastgebern in der Jugendherberge „Bob and Maxine’s Backpackers“ in Te Anau Bescheid gegeben, welche Route er nehmen will. Als der Besitzer Bob Anderson am Sonntagmorgen merkt, dass der junge Deutsche nach seiner 20-Kilometer-Wanderung nicht zurück ist und sein Bett die Nacht über leer geblieben ist, alarmiert er am Sonntagmorgen umgehend die neuseeländischen Rettungskräfte.

Über zwei Klippen abgestürzt

Zu diesem Zeitpunkt ist Jerger bereits verletzt im Nationalpark. Noch am Samstag ist er auf dem Rückweg vom sogenannten U-Pass in der Nähe eines Wasserfalls abgestürzt. Bergab rutscht er über Gras auf einem Stein aus, kann sich nicht mehr halten und fällt rund zwei Meter über ein erstes Kliff in die Tiefe. Dort katapultiert ihn die Wucht des ersten Aufpralls jedoch weiter. Er rutscht erneut über ein Kliff und dieses Mal geht es nochmal steiler in die Tiefe. Vier bis sechs Meter stürzt er ab. Sein rechtes Handgelenk ist gebrochen, sein Gesicht aufgeschürft, sein rechter Fuß verletzt.

Trotz seiner Verletzungen ist der Deutsche jedoch noch bei Bewusstsein. „Wäre ich mit dem Kopf zuerst aufgeschlagen, wäre ich vielleicht tot“, sagt er. Es gelingt ihm, sich an einer dritten Klippe festzuklammern, über die er nochmals weiter hätte abstürzen können. Die Nacht verbringt er an einem Flusslauf. Einige seiner Habseligkeiten hat er beim Sturz von den Klippen verloren, eine Jacke und auch ein Schuh sind in der Tiefe verschwunden. „Zwischenzeitlich habe ich schon mal Panik bekommen und es war sehr kalt nachts – so um die sieben Grad“, berichtet er vom Krankenhausbett aus.

Rettungspilot sieht die Taschenlampe

Nach einer eisigen Nacht im Freien versucht sich Jerger am Sonntagmorgen aus eigener Kraft voranzubringen. „Ich wusste, ich muss mich bewegen, um warm zu werden.“ Doch weit schafft er es nicht. Seine Situation erscheint hoffnungslos. Dass seine neuseeländischen Gastgeber bemerkt haben, dass er von der Wanderung nicht zurückgekommen ist, weiß Jerger nicht.

Erst gegen Sonntagmittag sieht er zum ersten Mal einen Helikopter. Hoffnung keimt auf, doch er schafft es nicht, sich bemerkbar zu machen. Erst in der Nacht zum Montag fliegt der Helikopterpilot erneut über den deutschen Urlauber hinweg. Jerger hat eine Taschenlampe dabei und dieses Mal gelingt es ihm, den Piloten auf sich aufmerksam zu machen.

Nicht jeder hat so viel Glück

Nach seinem zweitägigen Martyrium in der neuseeländischen Wildnis wird der 29-Jährige aus der Nähe von Stuttgart im Krankenhaus in Neuseeland behandelt. Auch einige seiner Wirbel sind angebrochen, wie sich im Krankenhaus herausstellt. „Das habe ich währenddessen gar nicht so gemerkt, die Schmerzen habe ich verdrängt, ich wollte einfach nur zurückkommen“, sagt er. Trotz seines Erlebnisses will Jerger, der seit Anfang November mit einem Work and Travel-Visum in Neuseeland reist, noch bis Mitte 2016 dort bleiben.

Nicht immer gehen Bergunglücke und Wanderunfälle jedoch so glücklich aus. Erst im April wurde nach der Schneeschmelze die Leiche einer Frau aus Bayern gefunden, die nach einer Wanderung in Neuseeland vermisst war. Seit Dezember 2014 sind auch zwei deutsche Bergsteiger am höchsten Berg Neuseelands vermisst, dem Mount Cook.