Netz-Spott wird zum Bumerang #LastNightInSweden: Unruhen im Stockholmer Migrantenviertel

Von Louisa Riepe | 22.02.2017, 12:49 Uhr

Diplomaten und Internetnutzer waren gleichermaßen irritiert, als US-Präsident Donald Trump kürzlich darüber sprach, „was gestern Abend in Schweden passiert ist.“ Jetzt gab es tatsächlich Unruhen unter jugendlichen Migranten: Im Stockholmer Stadtteil Rikeby brannten in der Nacht zum Dienstag Autos, Geschäfte wurden geplündert und Polizisten mit Steinen beworfen.

Noch am letzten Wochenende hat sich Onlinenutzer unter dem Hashtag #LastNightinSweden über Äußerungen von Donald Trump lustig gemacht. Der US-Präsident hatte in einer Rede über Sicherheits-Probleme durch Migration gesprochen. In dem Zusammenhang sagte Trump: „Schaut Euch an, was in Deutschland passiert, schaut Euch an, was gestern Abend in Schweden passiert ist! Sie haben eine große Anzahl aufgenommen, und nun haben sie Probleme, die sie nicht für möglich hielten.“

Trump bleibt vage

Unklar blieb, was genau er damit meinte. Denn am fraglichen Abend hatte es in Schweden keine Anschläge oder Zwischenfälle mit Migranten gegeben. Entsprechend irritiert lud zum Beispiel der schwedische Botschafter in den USA die Trump-Regierung zu einem Informationsgespräch über die Einwanderungs- und Integrationspolitik ein. Im Netz posteten viele Nutzer, was am Freitag in Schweden wirklich los war:

 

#lastnightinsweden Verdächtige Person, mit Suppenschüssel-Burka, in Småland gesichtet! Ab in den Tischlerschuppen. pic.twitter.com/1DehgNJL88- Daniel Montua (@montikoeln) 19. Februar 2017

 

After the terrible events #lastnightinSweden , IKEA have sold out of this: pic.twitter.com/Bs1XI7ffKG- Jeanna Skinner (@JeannaLStars) 19. Februar 2017

In der Nacht von Montag auf Dienstag passierte dann allerdings tatsächlich etwas: Im Stadtteil Rinkeby im Norden Stockholms kam es zu schweren Ausschreitungen. Mehrere Jugendliche gingen auf Polizisten los und bewarfen sie mit Steinen. Autos wurden angezündet und Geschäfte geplündert. Auslöser für die Gewalt war wohl eine Festnahme in einer U-Bahn-Station.

Warum die Gewalt nach dem Zugriff so eskalierte, ist nicht bekannt. Allerdings wurde die Polizei Rinkeby schon in der Vergangenheit für ihren Umgang mit Migranten kritisiert. Einwanderer machen in dem Stadtteil mehr als 80 Prozent der Einwohner aus. Die Polizei konnte die Situation erst nach Mitternacht wieder beruhigen. Insgesamt gab es drei Verletzte, teilten die Behörden mit.

Trump erklärt Äußerungen per Twitter

Donald Trump hatte seine Äußerungen vom Wochenende per Twitter erklärt. Er habe sich in seiner Rede auf eine Sendung von Fox-News bezogen, in der es um Migranten und Schweden gegangen sei.

 

My statement as to what's happening in Sweden was in reference to a story that was broadcast on @FoxNews concerning immigrants & Sweden.- Donald J. Trump (@realDonaldTrump) 19. Februar 2017

Im fraglichen Interview äußerte sich der Dokumentarfilmer Ami Horowitz zu Problemen mit Einwanderung in Schweden. Horowitz berichtet, Schweden erlebe seit seiner Aufnahme von Hunderttausenden Einwanderern in den vergangenen Jahren eine Welle von Gewaltverbrechen. Experten in Schweden bewerten diese These allerdings als haltlos.