Mildes Wetter Wespen, Zecken, Pollen: Diese Folgen hat der warme Winter

Von Franziska Kückmann | 28.12.2015, 09:41 Uhr

Das warme Wetter bringt nicht nur die Menschen ins Schwitzen. Die Natur schlägt Kapriolen wegen der milden Temperaturen – mit weitreichenden Folgen.

„Weihnachten im Klee, Ostern im Schnee“ lautet eine alte Bauernregel. Weihnachten war in diesem Jahr tatsächlich ungewöhnlich warm und grün – dem Volksmund zufolge müssen wir nun also mit weißen Ostern und Eiersuche im Schnee rechnen. Noch kann aber kein Meteorologe voraussagen, ob es dazu wirklich kommen wird.

Bereits jetzt ist aber klar, dass der bisher viel zu warme Winter die Natur ziemlich durcheinanderbringt:

 Was blüht denn da? Mancherorts zeigen sich jetzt schon die gelben Osterglocken in voller Pracht; normalerweise blühen sie erst im März. Für bereits knospende Bäume bedeuten die warmen Temperaturen viel Stress, weil sie nicht zur Ruhe kommen. Eigentlich bräuchten sie eine winterliche Erholungspause, bevor sie im Frühjahr wieder loslegen. Die Wärme bringt diesen Rhythmus durcheinander. Zu früh sprießendes Getreide ist den Gefahren des möglichen Spätfrostes im Frühjahr ausgesetzt.

 Was fliegt denn da? Und damit sind erst einmal nicht die Vögel gemeint, sondern die Pollen. Allergiker schnieften bereits zu Weihnachten, weil Hasel- und Erlenpollen in manchen Teilen Deutschlands schon unterwegs sind. Da geht die Heuschnupfen-Saison sehr früh los.

 Was singt denn da? Das warme Wetter bringt manche Vogelarten bereits in Frühlingsstimmung. Meisen oder Amseln etwa zwitschern bereits in den Gärten und Parks und suchen nach Nistplätzen. Experten warnen aber davor, dass später Frost viel zu früh geschlüpften Jungtieren schaden könnte. Einen Vorteil bringen die milden Temperaturen mit sich: Futter gibt es in Hülle und Fülle für die heimischen Vögel.

 Wespen, Zecken, Mücken: Milde Winter begünstigen die Vermehrung von Zecken. Ab sieben Grad Bodentemperatur werden die ungeliebten Plagegeister aktiv und begeben sich auf die Suche nach einem Wirt. Für die Hundebesitzer und Waldläufer dieser Tage heißt das: aufpassen und genau hinschauen! Ob es nach einem milden Winter tatsächlich zu einer Wespen- und Mückenplage im folgenden Sommer kommt, ist umstritten. Experten zufolge kommt es eher darauf an, ob die Eier der Insekten bzw. die Tiere selbst in den Wintermonaten und vor allem im Frühjahr von Pilzen und Bakterien befallen werden und sterben oder nicht – und diese gedeihen bei mildem und feuchtem Wetter am besten. Ohne Pilz- oder Bakterienbefall könnten die Tiere auch Frost gut überstehen. (Weiterlesen: Das hilft bei einem Wespenstich )

 Und was ist mit Grünkohl? Das beliebte Wintergemüse sollte nicht vor dem ersten Frost geerntet werden, heißt es im Volksmund: Er schmecke dann besser. Doch bei modernen Sorten spielt diese Bauernweisheit keine Rolle mehr. Dem Landvolk Niedersachsen zufolge wird der Kohl auf niedersächsischen Feldern bereits seit Mitte September geerntet. Auf rund 400 Hektar werde das gesunde Gemüse hierzulande angebaut. Schwerpunkt sei das Oldenburger Münsterland.

 Geht es so warm weiter? Die Meteorologen haben für das neue Jahr sinkende Temperaturen und im Osten Deutschlands Frost angekündigt. Bis es im Nordwesten frostig werde, dauere es noch etwas. Aber es sieht danach aus, als hielte der Winter doch noch Einzug – nur mit reichlich Verspätung.