Malaysian Airlines MH17 Vier Deutsche unter Opfern - USA: Flugzeug wurde abgeschossen

17.07.2014, 19:43 Uhr

rtr/dpa Malaysia. Ein malaysisches Passagierflugzeug ist am Donnerstag offenbar über der Ostukraine abgeschossen worden. Unter den fast 300 Todesopfern sind vier Deutsche und 154 Niederländer. Die Maschine war auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur.

Von den Opfern kamen nach bisherigen Angaben 154 aus den Niederlanden. An Bord waren außerdem 27 Australier, 23 Malaysier, elf Indonesier, sechs Briten, vier Belgier, drei Philippiner und ein Kanadier. Von den anderen Passagieren steht die Nationalität noch nicht fest. An Bord des Flugzeuges waren 283 Passagiere und 15 Besatzungsmitglieder. Das teilte der Vizepräsident der Fluggesellschaft Malaysia Airlines Europe, Huib Gorter, am Donnerstagabend am Amsterdamer Flughafen Schiphol mit.

Absturz über der Ukraine: Was wir wissen - und was nicht  

Viele Niederländer unter den Opfern

Erste Reporter vor Ort bestätigen, sie hätten mindestens 100 Leichen in einem Umkreis von 15 Kilometern gesehen. Die Maschine sei offenbar schon in großer Höhe auseinander gebrochen. US-Vizepräsident Joe Biden sprach von einem Abschuss der Maschine. Der Absturz sei sei „kein Unfall“, die Maschine sei „vom Himmel geholt worden“, sagte Biden nach Angaben des TV-Senders MSNBC in Detroit. Wer verantwortlich ist - prorussische Kämpfer oder Truppen der Ukraine - bleibt offen. Jeder beschuldigt jeden.

Kanzlerin Angela Merkel sprach am Abend von einer tragischen Eskalation der Situation in der Ukraine. „Schockierend sind für die Bundeskanzlerin auch die mutmaßlichen Umstände, wonach das Flugzeug aus großer Höhe abgeschossen worden sein soll“, teilte Regierungssprecher Steffen Seibert mit. „Sollte sich diese Nachricht bestätigen, so stelle sie eine weitere, tragische Eskalation des Konfliktes im Osten der Ukraine dar.“

 Absturzstelle ist das von ukrainischen Regierungstruppen und prorussischen Separatisten umkämpfte Konfliktgebiet Donezk. Die prorussischen Kräfte behaupteten, sie hätten keine Technik, um Maschinen in dieser Höhe abzuschießen. In der Ostukraine hatten prorussische Kräfte zuletzt wiederholt Militärflugzeuge abgeschossen , die deutlich niedriger fliegen als Passagiermaschinen. Die abgestürzte Boeing sei in einer Höhe von 10 000 Metern geflogen, hieß es.

Ukrainischer Präsident spricht von Terrorakt

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko bezeichnete den möglichen Abschuss als „terroristischen Akt“. Poroschenko halte die Tragödie „weder für einen Zwischenfall, noch für eine Katastrophe“, sagte Präsidentensprecher Swjatoslaw Zegolko. Poroschenko wirft den prorussischen Separatisten vor, die Maschine MH 017 der Malaysia Airlines abgeschossen zu haben.

Für die These des Ukrainer spricht der Facebookeintrag des prorussischen Separatistenführers Igor Strelkow von Donnerstagnachmittag. „Wir haben soeben eine AN-26 abgeschossen“, schrieb er am Nachmittag. Die angebliche AN-26 könnte das Passagierflugzeug gewesen sein.

Die Boeing 777 hatte Amsterdam um 12.15 Uhr Ortszeit verlassen und sollte am Freitagmorgen um 6.10 Uhr malaysischer Ortszeit in Kuala Lumpur ankommen. „Malaysia Airlines bestätigt, dass sie von der ukrainischen Luftraumüberwachung informiert wurde, dass der Kontakt mit Flug MH17 um 1415 (GMT) etwa 30 Kilometer vom Tamak-Wegpunkt verloren ging, etwa 50 Kilometer vor der russisch-ukrainischen Grenze“, teilte die Fluggesellschaft über Facebook mit.

Hilfskräfte erreichen Maschine

Ukrainische Rettungskräfte haben das Wrack des Flugzeugs in der Nähe der Ortschaft Grabowo erreicht. „Die Arbeiten werden davon erschwert, dass die Trümmer in großem Umkreis verstreut sind“, sagte der Sprecher des Notfalldienstes, Sergej Botschkowski. Zudem würden sich zahlreiche bewaffnete Separatisten an der Absturzstelle aufhalten.

Nach Geraschtschenkos Angaben wurde die Maschine von einer Rakete aus einem Buk-Flugabwehrsystem getroffen. Das in den 80er-Jahren von sowjetischen Militärs entwickelte Lenkwaffen-System kann Ziele in Höhen bis zu 25 000 Metern treffen. Die prorussischen Kräfte gaben sofort an, sie besäßen keine Waffensysteme, um Maschinen in dieser Höhe abzuschießen.

Putin gibt der Ukraine die Schuld

Russlands Präsident Wladimir Putin drückte Malaysia sein Beileid aus. Zugleich machte er die Ukraine für den Absturz verantwortlich. Die schreckliche Tragödie wäre nicht passiert, wenn es in der Ostukraine keinen Krieg gebe, sagte Putin am späten Donnerstagabend bei Moskau.

Lufthansa fliegt nicht mehr über die Ukraine

Die Lufthansa meldete derweil, dass sie ihre Flugrouten ändern. „Die Lufthansa hat sich entschieden, von sofort an den ostukrainischen Luftraum weiträumig zu umfliegen“, sagte eine Sprecherin der Fluglinie am Donnerstag. Die Lufthansa-Ziele Kiew und Odessa seien derzeit weiterhin erreichbar. Eine Sperrung des Luftraums der Ukraine habe es nicht gegeben und gebe es auch derzeit nicht. Von der Entscheidung, die Flugrouten zu ändern, seien im Laufe des Donnerstags noch vier Flüge betroffen.

Malaysia Airlines trifft es jetzt erneut: Zu der Flugzeuggesellschaft gehörte auch schon das weiterhin spurlos verschwundene Flugzeug MH370. 

Bislang werden drei schwere Abstürze für die Fluggesellschaft gelistet.