„Lumpi“ ist der Glücksbringer Bundesliga vor dem Start (1): Düsseldorf gilt als Abstiegskandidat Nr. 1 – Torjäger verloren, 17 Neue geholt

30.07.2012, 19:04 Uhr

„Fortunieren“ könnte der neue Begriff für die Runderneuerung eines Kaders im Profifußball nennen: 17 neue Spieler hat Aufsteiger Fortuna Düsseldorf bislang verpflichtet, doch noch gilt die Fortuna als Abstiegskandidat Nr. 1.

An welchen Moment denken alle gern zurück? 66 Minuten war die vergangene Spielzeit alt, als Sascha Rösler per Fallrückzieher das 1:0 beim 2:0-Auftaktsieg gegen den VfL Bochum und das Tor des Monats August erzielte. Es war die Initialzündung der Aufstiegssaison.

Was tat sich an der Wechselbörse? Schwer wiegt der Verlust der Angriffsreihe. Rösler (13 Tore) spielt nun gleich zwei Klassen tiefer in Aachen, Maximilian Beister (11) war ausgeliehen und trotz größten Bemühens nicht zu halten; er ging zurück zum HSV. Und auch Thomas Bröker (8), der in der Relegation in Berlin für den Ausgleich gesorgt hatte, blieb lieber zweitklassig und wechselte nach Köln. Joker Ranisav Jovanovic (4) spielt künftig in Duisburg. Zudem war Abwehr-Ass Assani Lukimya (zu Werder Bremen) nicht zu halten. Am Montag verpflichtete Fortuna den griechischen Nationalspieler Stelios Malezas, laut Meier der lange gesuchte gestandene Innenverteidigung. Für Torwart Michael Ratajczak holte man in Fabian Giefer (22) einen jungen Torhüter mit Bundesliga-Erfahrung. Er ist einer von bislang 16 neuen Spielern, wovon Nando Rafael, Stephan Reisinger und Du-Ri Cha zu den bekanntesten zählen, während man den anderen Neuen – darunter der aus der Grafschaft Bentheim stammende Ex-Osnabrück Gerrit Wegkamp – bisher nur entwicklungsfähiges Talent nachsagen kann. Vielleicht folgt noch ein Knüller: Dynamo Moskau meldete am Montagabend, dass Stürmer Andrej Woronin nach Düsseldorf ausgeliehen wird.

Auf welchen Spieler sollte man achten? Neben den Hoffnungsträgern Ronny Garbuschewski (Chemnitz) und Wegkamp, die in die Beister-Rolle schlüpfen könnten, gilt die Aufmerksamkeit einem späten Bundesliga-Debütanten. Andreas Lambertz, der seinen Vornamen längst vergessen hat, weil er nur als „Lumpi“ bekannt ist, ist in Düsseldorf Legende. Er stieg mit der Fortuna als einziger Spieler in Deutschland mit einer Mannschaft von der Vierten in die Erste Liga auf. Sein ehemaliger Kumpel und Rückkehrer Axel Bellinghausen (Augsburg) wird ihm die Rolle als Publikumsliebling nicht streitig machen. Aber das Spiel des Ur-Fortunen ist, was die Fans sehen wollen. Kampf bis zur letzten Minute.

Wie tickt das Team? Was Norbert Meier bei Fortuna sagt, ist Gesetz. Der Trainer sorgt dafür, dass es in der Mannschaft keine Ausreißer mit großer Klappe gibt, stellt den Teamgeist an erste Stelle und überrascht auch oft mit trockenem Humor. Der Zusammenhalt des Vereins ist der große Trumpf des Aufsteigers. Die alte Mannschaft hatte das verinnerlicht, das muss auch Ziel der neuen Formation sein.

…und wo landet der Club?

Fortuna ist der große Außenseiter im Kampf um den Ligaerhalt, falls Manager Wolf Werner nicht noch zwei oder drei Stars aus dem Hut zaubert. Aus der Rolle des Underdogs kann man auch die Großen überraschen. Fortuna wird dem Abstiegsgespenst am letzten Spieltag gerade noch so entkommen.