Lautsprecher mit leisen Tönen London 2012: Schwimmer Marco di Carli zwischen Anspannung und Vorfreude

Von Klaus Hüsing | 26.07.2012, 20:39 Uhr

„Ich fühle mich hier sehr wohl und bin gut drauf“, fiebert Marco di Carli nach der Ankunft im olympischen Dorf im Nordosten Londons seinen zweiten Olympischen Spielen entgegen. Am Sonntag beginnen für den Weltklasse-Schwimmer aus Sögel die Wettkämpfe.

„Eine schmuckes Zimmer mit starkem Panoramablick auf den Olympiapark“, zeigt sich di Carli nach dem Einschweben der Lufthansamaschine über der unvergleichlichen Skyline von London, mit seiner Bude im olympischen Dorf zufrieden.

Auch wenn der Sögeler das Leben in seinem neuen Heim in Stratford genießt, steigt die natürliche Anspannung des 27-Jährigen wenige Stunden vor seinem ersten Einsatz am Sonntag in der Freistilstaffel. „Für mich ist die Staffel ein Riesending. Ich werde mir wie immer für das Quartett den Arsch aufreißen. Der Einzelstart aber, der gibt mir den absoluten Kick. Als ich den vor zehn Tagen zugesprochen bekam, ging danach schon im Training die Post ab“, fühlt sich der hoch aufgeschossene und athletische Rotschopf optimal in Form.

Der Sportbotschafter des Emslandes, der bei Michael Ulmer trainiert und für die SG Frankfurt startet, muss im „Olympic Aquatic Centre“ auf seinen Heimcoach verzichten. Der Essener Stützpunkttrainer Henning Lambertz wird di Carli in London betreuen. Schon bei der unmittelbaren Wettkampfvorbereitung in Hamburg arbeiten beide gemeinsam am Feinschliff für Olympia. „Dass Henning mein Coaching hier vor Ort übernommen hat, ist einfach optimal“, freute sich der Kommissar in Diensten der Hessischen Polizei, „ich verstehe mich total gut mit ihm. Ich war ja auch mit ihm in Mallorca im ersten Vorbereitungstrainingslager.“

Die Vorzeichen stehen gut für den schlagfertigen Ausnahmesportler, auf den sich die Medienvertreter neben den üblichen Vorzeigestars wie das Schwimm-Glamourpaar Paul Biedermann und Britta Steffen sowie Fernsehexpertin und Schwimm-Diva Franziska van Almsick bei der Pressekonferenz im Olympiastützpunkt Hamburg stürzten. Die Frage der Chancen blieb natürlich nicht aus. Doch der Lautsprecher vergangener Tage ist vorsichtiger geworden. Wagemutige Ankündigungen blieben aus. „Wenn alles gut läuft, ist das Finale drin. Drei Hundertstelsekunden fehlten bei der WM in Schanghai zum Weiterkommen. Es wird sehr, sehr eng. Glück beim Anschlag und auch sonst gehören dazu. Wunschziel ist, Rekord im Finale zu schwimmen. Wenn es nur Rekord ohne Finale wird, bin ich auch noch zufrieden“, sieht di Carli die größten Medaillenchancen allerdings immer noch mit der Lagenstaffel.