Tragödie in Brandenburg Mutmaßlicher Impfgegner tötet seine Familie – Womit wurde geschossen?

Von mbus, dpa, afp | 10.12.2021, 21:09 Uhr

Königs Wusterhausen unter Schock: Ein Familienvater soll dort zunächst seine drei Kinder, seine Frau und dann sich selbst getötet haben. Die Ermittler müssen noch Fragen zur Tatwaffe klären.

Im Fall der getöteten Familie im brandenburgischen Königs Wusterhausen sind noch langwierige Ermittlungen notwendig. So müsse noch geklärt werden, ob eine im Haus der Familie gefundene Kurzwaffe auch die Tatwaffe sei, sagte Oberstaatsanwalt Gernot Bantleon am Freitag. "Da muss überprüft werden, ob die Projektile, die wir am Tatort gefunden haben, aus dieser Waffe abgefeuert wurden", erläuterte Bantleon. "Diese Überprüfung braucht etwas Zeit."

Die Kurzwaffe wurde nach Angaben der Ermittler an einer Stelle gefunden, die zum wahrscheinlichen Ablauf des Geschehens passt. Über einen Waffenschein verfügten nach den Erkenntnissen weder der Mann noch seine Ehefrau.

Gedenken an die getötete Familie

Am Donnerstagabend hatten Kirche, Vertreter der Stadt und Anwohner in der Kirche von Senzig der Toten gedacht. "Nach einer Tat, die uns fassungslos zurücklässt, bot die Andacht im Kirchgemeindehaus Senzig den Raum, zusammenzukommen und gemeinsam das Erlebte zu verarbeiten", sagte Bürgermeisterin Michaela Wiezorek (parteilos) dazu am Freitag. Sie rief Bürger und die gesamte Öffentlichkeit auf, die Tat nicht zu instrumentalisieren: "Es ist jetzt wichtig, aufeinander zuzugehen, zuzuhören und uns gemeinsam gegen jede Form von Gewalt zu stellen."

Im Umfeld der Familie sind Psychologen und Notfall-Therapeuten im Einsatz. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Hort und Kita, die die Kinder der Familie besucht hätten, sowie die Eltern der dort betreuten Kinder würden begleitet: Im Mittelpunkt stehe dabei "der geschulte Umgang mit traumatischen Erfahrungen und Trauer" sowie eine Stabilisierung der Menschen, die den Kindern Ansprechpartner sein wollten, teilte die Stadt am Donnerstag mit.

Sorge wegen eines gefälschten Impfzertifikats

Polizisten fanden die fünfköpfige Familie am Samstag tot in ihrem Wohnhaus im Königs Wusterhausener Ortsteil Senzig - darunter drei tote Kinder im Alter von vier, acht und zehn Jahren. Königs Wusterhausen ist eine Stadt mit rund 30.000 Einwohnern südöstlich von Berlin.

Nach den derzeitigen Ermittlungen soll der Familienvater erst die drei Kinder und seine Frau und anschließend sich selbst mit einer Schusswaffe getötet haben. Die Fahnder hatten einen Abschiedsbrief des 40-Jährigen im Haus gefunden. Darin hatte er seine Sorge vor einer Verhaftung mitgeteilt, weil er das Impfzertifikat seiner Frau habe fälschen lassen. Auch habe er befürchtet, man werde ihm die Kinder wegnehmen.

Fünf Tote in Brandenburg - Abschiedsbrief: Vater hatte Angst:

Der Arbeitgeber der getöteten Frau, die Technische Hochschule Wildau, hatte ihr nach dpa-Informationen eine Frist für eine Stellungnahme zu ihrem Impfnachweis gesetzt, nachdem Unstimmigkeiten aufgefallen waren. Diese Frist war noch nicht abgelaufen. Die Frau arbeitete in der Verwaltung der Technischen Hochschule. Der Mann war Berufsschullehrer. Dies hatte zunächst die "B.Z." berichtet.

Die Fahnder ermitteln weiter zu den Hintergründen der Tat. Die schriftlichen Ergebnisse der Obduktion stünden noch aus - sie lägen erst in einigen Wochen vor, sagte Oberstaatsanwalt Gernot Bantleon. Auch sei noch nicht sicher, dass die gefundene Waffe auch die Tatwaffe gewesen sei: "Die Ermittlungen gehen weiter."

Ruhige Gemeinde südlich von Berlin

Königs Wusterhausen liegt südöstlich von Berlin im brandenburgischen Landkreis Dahme-Spreewald und hat knapp 40.000 Einwohner. Senzig ist ein Ortsteil von Königs Wusterhausen und war bis zu einer Gemeindegebietsreform Anfang der 2000er-Jahre eine eigenständige Gemeinde. Es liegt zwischen Feldern und Seen – eine ruhige Idylle mit vielen Einfamilienhäusern.