Neue Durchsuchung auf Campingplatz Missbrauchsfall von Lügde: Spürhund findet USB-Stick in Sesselritze

Von dpa | 27.02.2019, 18:10 Uhr

Nach dem jahrelangen Kindesmissbrauch auf einem Campingplatz hatte die Polizei jede Menge Beweismittel sichergestellt – dann verschwand einiges spurlos. Jetzt soll bei einer erneuten Durchsuchung neues Material gefunden worden sein.

Fahnder haben auf einem Campingplatz bei Lügde in Nordrhein-Westfalen erneut nach Hinweisen auf einen massenhaften sexuellen Missbrauch gesucht. Ein Spürhund aus Sachsen habe dabei in einer Sesselritze einen USB-Stick gefunden, sagte eine Sprecherin der Polizei Bielefeld. Bei der erneuten Durchsuchung wurden noch weitere Datenträger gefunden. Der Datenträger aus der Behausung des Hauptbeschuldigten wurde laut Mitteilung der Polizei vom Nachmittag noch nicht auf Inhalte geprüft. Spezialisten hatten am Mittwoch erneut den mutmaßlichen Tatort durchkämmt und Spuren gesichert.

Mindestens 31 Kinder wurden missbraucht

Seit 2008 waren den bisherigen Erkenntnissen zufolge auf einem Campingplatz im lippischen Lügde an der Landesgrenze zu Niedersachsen mindestens 31 Kinder im Alter von 4 bis 13 Jahren in mehr als 1000 Fällen Opfer sexuellen Missbrauchs geworden. Ob es auch Fälle vor 2008 gab, wird derzeit geprüft. Zuerst hatte die Polizei des Kreises Lippe die Ermittlungen geführt und viele Datenträger mit Beweismaterial sichergestellt. Nach mehreren Pannen bei der Kreispolizei hatte der NRW-Innenminister die Ermittlungen an die Polizei in Bielefeld übertragen.

Mehrere Versetzungen

Am Dienstagabend war eine weitere einschneidende Konsequenz für die zuständige Kreispolizei bekanntgeworden: Auf Anweisung des NRW-Innenministeriums wird der Polizeidirektor an das Landesamt für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten versetzt. Das teilte Landrat Axel Lehmann (SPD) mit. Den Posten übernimmt kommissarisch bis Mai 2019 eine Beamtin aus dem Landeskriminalamt. Der Landrat hatte vorige Woche schon einen anderen Beamten, den Leiter der Direktion Kriminalität, von seinen Aufgaben entbunden.

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Zuvor hatte NRW-Innenminister Herbert Reul im Landtag über neue Verdachtsfälle und neue Ermittlungen berichtet. "Es sieht aus, dass es noch schlimmer ist, als ich befürchtet habe", sagte Reul. Eine der schockierendsten Erkenntnisse sei, dass der heute 56-jährige arbeitslose Hauptverdächtige schon vor 17 Jahren verdächtigt worden sei, eine Achtjährige missbraucht zu haben, berichtete der Minister.