„Kastration verhindert Populationsanstieg“ Zu viel Nachwuchs: Tierheime befürchten Katzenschwemme

Von Constantin Binder | 13.05.2014, 15:39 Uhr

Die mehr als 500 Tierheime des Deutschen Tierschutzbundes rechnen aktuell vermehrt mit Katzenbabys, den sogenannten Maikätzchen. Weil die Vermittlung der zahlreichen Katzen schwieriger wird, befürchten die Tierschützer eine Katzenschwemme. Schon jetzt werden Jahr für Jahr mehr als 130000 Katzen in den Tierheimen aufgenommen.

Zusätzlich zu den Katzen in den Heimen versorgen die Tierschützer frei lebende Tiere und ihren Nachwuchs an Futterstellen. Diese Tiere stammen nach Angaben des Tierschutzbundes ursprünglich von in Haushalten lebenden Freigängerkatzen ab, deren Fortpflanzung nicht kontrolliert wurde. Deshalb appellieren die Tierschützer an alle Katzenbesitzer, ihre Tiere kastrieren zu lassen. „Nur eine bundesweite Kastrationspflicht kann das Katzenelend verhindern“, heißt es in einer Mitteilung des Deutschen Tierschutzbundes vom Dienstag. Die Kastration frei lebender Tiere müsse durch Bund, Länder und Kommunen finanziell unterstützt werden.

„Schicksal vieler Katzenkinder ungewiss“

„Häufig ist das Schicksal vieler Katzenkinder ungewiss. Wir brauchen eine Verpflichtung für alle Katzenhalter, deren Tiere Freigang haben, diese kastrieren zu lassen“, fordert Tierschutzbund-Präsident Thomas Schröder laut Mitteilung. Solange keine bundesweite Regelung in Sicht sei, sollten die Kommunen ihre Möglichkeiten nutzen und selbst aktiv werden, rät er. Bundesweite Vorbilder seien die Städte und Gemeinden in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, die bereits eine Kastrations- und Kennzeichnungspflicht in den Kommunalverordnungen verankert hätten.

Viel Nachwuchs, wenig Nahrung

Eine Kastrationspflicht verhindert nach Angaben des Tierschutzbundes, dass sich Freigängerkatzen fortpflanzen und ihren Nachwuchs sich selbst überlassen. Katzen können im Jahr zwei- bis dreimal jeweils vier bis sechs Junge bekommen; oft drohe den Tieren dann ein „langer Leidensweg bis hin zum qualvollen Tod“, so der Verein. Wegen des dramatischen Populationsanstiegs entstehe zudem häufig eine Nahrungsknappheit, die zu Hunger und Mangelerscheinungen führen könne, viele Tiere litten überdies unter Infektionskrankheiten und Parasitenbefall. „Die meisten Kommunen lassen die Tierheime bei der Bewältigung dieser Herausforderung alleine. In der akuten Notlage brauchen aber auch vor allem die uns angeschlossenen Tierheime mehr Unterstützung“, fordert Schröder. Die wirtschaftliche Lage der Tierheime werde immer bedrohlicher.

Ferner rät der Deutsche Tierschutzbund, jedes Haustier eindeutig mit einem Mikrochip zu kennzeichnen und beim Deutschen Haustierregister kostenfrei einzutragen. Nur so könne das Tier bei Verlust eindeutig identifiziert und dem Besitzer zurückgeführt werden.