Jährlich sterben 1,5 Millionen Kinder daran Tod durch verdrecktes Wasser

Von Marcus Tackenberg | 21.03.2015, 08:18 Uhr

Zum Weltwassertag am Sonntag rufen Hilfsorganisationen zu einer besseren Wasserversorgung auf.

Jedem dritten Kind unter fünf Jahren, das an den Folgen von Durchfall und Mangelernährung stirbt, hätte mit sauberem Trinkwasser und Sanitärversorgung geholfen werden können, teilte das evangelische Hilfswerk Brot für die Welt mit.

„Noch immer sterben jährlich etwa 1,5 Millionen Kinder an den Folgen verschmutzten Wassers“, sagte Jonas Schubert, Fachreferent für Ökologische Kinderrechte des Kinderhilfswerks terre des hommes (tdh), unserer Redaktion. „Um das zu verhindern, muss die internationale Politik künftig viel stärker auf angepasste und nachhaltige Technologien statt auf Großprojekte setzen.“

Am Mekong-Fluss in Südostasien etwa schränken nach Angaben der terre des hommes-Partnerorganisation KESAN die zahlreichen Staudämme den Fischbestand und die Artenvielfalt so bedrohlich ein, dass die Existenz der thailändischen Fischerfamilien gefährdet ist. „Auch dies gehört zu den Menschenrechtsverletzungen, die sogar Weltbankpräsident Jim Yong Kim im Rahmen von Staudammprojekten einräumt, die von der Weltbank finanziert wurden“, Terre des hommes fordert dem gegenüber, viel stärker in lokal angepasste Technologien zu investieren.

So konnte beispielsweise in Peru dank internationaler Unterstützung aus einer traditionellen Technik ein Modell entwickelt werden, das inzwischen regionale Wirkung in den Hochländern der Anden entfalte. In der Gemeinde Ayacucho hat die terre des hommes-Partnerorganisation ABA gemeinsam mit Bauernfamilien unter geringem Maschineneinsatz in Hochtälern der Anden mittels kleiner Stein- und Erddämme Teiche angelegt, die Regenwasser speichern. So werden die Weiden und Äcker der Bauern in den tiefer gelegenen Regionen bewässert.

Selbst die durch den Klimawandel und das Abschmelzen der Anden-Gletscher gefährdete Trinkwasserversorgung der Stadt Huamanga könne auf diese Weise gesichert werden, so Schubert. „Dieses gemeinsam mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung geförderte Programm hat der peruanische Umweltminister auf der Weltklimakonferenz in Lima im Dezember 2014 als bestes Beispiel erfolgreicher Anpassung an den Klimawandel ausgezeichnet“, sagte Jonas Schubert.

sagte Schubert.

Die Vereinten Nationen befürchten eine verheerende Trinkwasserknappheit. Bis 2050 werde der Wasser-Bedarf voraussichtlich um 55 Prozent steigen, heißt es in einem UN-Bericht. Schon jetzt gelte: „Der Planet war noch nie so durstig.“ Der Ausbau der Bewässerung in der Landwirtschaft, die zunehmende Industrialisierung sowie der Bau neuer thermischer Kraftwerke ließen die Nachfrage weiter ansteigen.

Die Menschheit müsse lernen, weniger Wasser zu verschwenden, heißt es in dem Bericht weiter. Viele Bauern etwa benutzten ineffiziente Bewässerungsmethoden - da könne die Politik mit den richtigen Subventionen nachhelfen. Die UN-Autoren empfehlen auch, weniger Kohle-, Atom- und Gaskraftwerke zu bauen, da diese sehr viel Wasser zum Kühlen brauchten. Die Unterstützung für erneuerbare Energien etwa aus Sonne und Wind müsse „dramatisch ansteigen“, um den Wasserverbrauch zu reduzieren.

Ein weiterer Appell der Vereinten Nationen direkt vor dem Weltwassertag lautet: Wasser darf nicht verschmutzt werden. Heute hätten 748 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Schuld seien etwa Pestizide und Chemikalien, die ins Grundwasser gelangen, aber auch fehlende Kläranlagen. Mehr als 80 Prozent des Abwassers auf der Welt werde nicht aufgefangen oder gesäubert.