Im Interview 50 Fälle und kein Ende: Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär feiern „Tatort“-Jubiläum

Von Joachim Schmitz | 03.09.2011, 06:09 Uhr

Wenn man die Kölner „Tatort“-Kommissare treffen will, fährt man am besten nach Berlin – dort wohnen Dietmar Bär und Klaus J. Behrendt schon seit etlichen Jahren im selben Bezirk. An diesem Sonntag strahlt die ARD ihren 50. Fall aus – Grund genug, den beiden in einem Restaurant am Savignyplatz lauter Stichworte rund um diese stattliche Zahl zu geben:

50 Jahre „Tatort“.

Klaus J. Behrendt: Bis dahin sind es ja noch neun Jahre, da weiß ich nicht, ob wir das noch erleben. Andererseits sind wir beiden schon im 14. Jahr, und die Zeit ist erstaunlich schnell umgegangen. Letztlich liegt es am Publikum – wenn es uns dann noch sehen kann und will, warum sollten wir dann nicht noch dabei sein?

Dietmar Bär: Das Format besteht ja schon 40 Jahre, wir sind alle damit aufgewachsen, es spricht auch die junge Generation an, und es gibt einen Qualitätslevel, den die ARD sorgfältig hütet. Es gibt ja Kollegen, die schon über 20 Jahre dabei sind, also... aber das ist ja Spekulatius.

50 Liter Kölsch.

Behrendt: Das sind zehn Pittermännchen.

Bär: Kleine Pittermännchen. Sie können mal davon ausgehen, dass wir die seit März 1997 bestimmt schon getrunken haben. Es gibt ja viele verschiedene Kölsche, und sie waren alle immer ein gutes Feierabend-Bier.

50 Quadratmeter.

Behrendt: 50 Quadratmeter hatte meine erste Wohnung unterm Dach in Hamburg-Altona, als ich auf der Schauspielschule war, die habe ich mir mit einem Kumpel geteilt.

Bär: 50 Quadratmeter könnte auch die Wohnung von Kommissar Ballauf im Kölner „Tatort“ haben. Er ist jetzt endlich mal zur Ruhe gekommen, das haben wir ja schon oft genug versucht in diesen 14 Jahren.

Behrendt: Die Wohnung hat natürlich Domblick, damit man ja nicht vergisst, wo man ist (lacht).

50 gute Freunde.

Behrendt: Ich hab wohl 50 gute Bekannte, aber 50 so richtig enge dicke Freunde habe ich nicht, das sind deutlich weniger.

Bär: Da müsste man wohl die Null wegstreichen, dann bliebe die berühmte Handvoll. Es gibt wohl die berüchtigten 50 guten Freunde, die man in guten Zeiten um sich hat und die auf einmal alle verschwunden sind, wenn das Leben mal von vorne bläst. Fragen Sie doch mal nach „Ali Baba und die 50 Räuber“, das habe ich früher gerne gelesen (lacht).

Das waren aber ein paar Räuber weniger. Nehmen wir lieber den 50. Geburtstag.

Behrendt: Der war wunderschön bei mir, und beim Dietmar auch. Wir haben beide eine herrliche Lokalität hier in Berlin gefunden, und da waren dann auch jeweils mehr als 50 gute Freunde da. Ich habe übrigens genau ein Jahr und zwei Tage Vorsprung vor Dietmar.

50 Tage Urlaub.

Bär: So wie wir arbeiten, sind 50 Tage Urlaub im Jahr schon nötig, um die Akkus immer wieder aufzuladen. Ich würde die 50 Tage gut verteilen. In diesem Jahr konnte ich zum ersten Mal in meinem Leben drei Wochen Urlaub mit meiner Frau machen, früher waren zwei Wochen immer das Maximum. In unserem Hardcore-Beruf sind 14 Tage Urlaub schon heftig.

Behrendt: Ich fahre gar nicht so gern in den Urlaub, auch wenn sich das vielleicht komisch anhört. Das liegt daran, dass ich arbeitsmäßig eh immer auf Achse bin, in irgendwelchen Hotels oder Pensionen übernachte und aus dem Koffer lebe. Deshalb liebe ich es, auch mal daheim zu sein, ich genieße regelrecht unser Zuhause, die Stadt Berlin und unsere Freunde hier. Kein Fliegen, kein Zugfahren, kein Autofahren.

50 Euro.

Behrendt: Bei der Einführung des Euro hat man gesagt: 50 Euro sind 100 Mark – heute habe ich das Gefühl, 50 Euro seien nur 50 Mark. Wenn man sieht, wie schnell einem heute 50 Euro durch die Finger rinnen, ist das schon erschreckend.

Bär: 50 Euro ist trotzdem noch immer ein Haufen Geld, mit dem viele Menschen ziemlich lange auskommen müssen. Ich erinnere mich noch, wie ich als Schauspielschüler mit 50 Mark in den Supermarkt gegangen bin und mir sagte: Du machst dir jetzt eine Tüte mit Lebensmitteln klar, und die müssen dann auch für eine Woche reichen.

50 Cent.

Behrendt: Meine Kinder kennen die ganzen Lieder von dem, der hat doch so dicke Goldketten und Fingerringe.

Bär: Es gibt so viele Menschen, die jeden Tag mit 50-Cent- oder Euro-Stücken ihren Lebensunterhalt zusammensammeln müssen. Früher hieß es: Ey, Alter, haste mal ’ne Mark? Heute wollen Sie meist einen Euro. Trotzdem gebe ich eigentlich immer etwas – ob es jetzt auf der Toilette in einer Raststätte oder Gaststätte ist, oder einem Straßenmusikanten. Gestern erst habe ich jemanden erlebt, der hat unglaublich virtuos in der U-Bahn Blockflöte gespielt.

Behrendt: Ich habe letztens im Aldi gesehen, dass eine Packung Backmehl 25 Cent kostet. Da frage ich: Was verdient eigentlich der Bauer noch daran?

Bär: Ich kann dir sagen: Für 25 Cent kriegst du im Bioladen keine Packung Mehl.

50 Tage Einsamkeit.

Bär: Das wäre sicher eine Chance, meditativ zurückzufinden, aber das ist in unserem Job nicht zu leisten. 50 Tage Einsamkeit wären aber auch eine interessante Idee für ein Fernsehspiel.

50 Kilometer auf dem Fahrrad.

Bär: Heidewitzka.

Behrendt: Kommt drauf an, wo man fährt. Hier in Berlin wäre es okay für mich, aber in Bayern möchte ich das nicht machen.

50 Jahre mit derselben Frau.

Behrendt: Ich bin jetzt 18 Jahre mit derselben Frau zusammen, das hieße also: Noch 32 Jahre, dann wäre ich 83. Ja, das würde ich mir wünschen.

Bär: Da hätten Sie mal meinen letztes Jahr verstorbenen Vater fragen sollen, der hat es noch erleben dürfen, goldene Hochzeit zu feiern. Ich halte das in diesen Zeiten für eine große Leistung und würde es mir auch wünschen. Allerdings habe ich mit meiner Frau bislang 10 Jahre geschafft, da müssten also noch 40 kommen und ich über 90 werden. Ob’s was wird mit der goldenen Hochzeit, weiß ich nicht, aber die silberne kann ich mir gut vorstellen.

50 Tage ohne Dietmar Bär.

Bär: Möglich, aber sinnlos (lacht).

Sie sind gerade nicht gefragt, Herr Bär.

Behrendt: Nach 50 Tagen ohne Dietmar würde ich mich auf den 51. Tag freuen (beide lachen).

50 Tage ohne Klaus Behrendt.

Bär: Sind netto übers Jahr gesehen wohl möglich, aber nicht nötig. Für unsere Berufsverhältnisse arbeiten wir seit 14 Jahren ziemlich reibungslos miteinander. Aber wenn wir dann beide zu Hause in Berlin sind, konzentrieren wir uns auch schon mal auf andere Menschen. Aber bei 50 Tagen am Stück müsste ich dann schon ab und zu mal anrufen, um zu wissen, wie es ihm geht und was er gerade macht.

50 Prozent Marktanteil.

Behrendt: Die hatte der „Tatort“ wohl zuletzt in den Siebzigerjahren. Aber Dietmar mit seinen 50 Jahren und ich mit meinen 51 gehören ja auch schon gar nicht mehr in diese werberelevante Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen hinein, wir werden ja gar nicht mehr gezählt.

Bär: Klaus, einem 51-Jährigen kann man doch nichts mehr erzählen, der hat seine Produkte ausgesucht und lässt sich von Werbung nicht mehr beeinflussen. 50 Prozent Marktanteil kann man sich in unserer Fernsehlandschaft von der Backe ziehen,das schafft nur noch Fußball. Aber ich bin auch mit 25 Prozent zufrieden und freue mich am Montag über jeden, der mir sagt, dass unser „Tatort“ funktioniert hat.