Hans im Glück und Schiller-Burger Neue Burgerketten laufen McDonald‘s und Co. den Rang ab

Von Christian Schaudwet | 05.12.2015, 13:00 Uhr

Rasch wachsende System-Restaurantketten wie Hans im Glück oder Schiller-Burger jagen McDonald’s und Burger King Kunden ab – auch in Osnabrück.

Zwei halbe Brötchen, dazwischen ein Stück Fleisch: An den Grundzutaten für den Hamburger hat sich seit Jahrzehnten nicht viel verändert. Findige Unternehmer haben aus dem Fast-Food-Klassiker aber mit frischen Zutaten, neuen Saucen und vegetarischen Varianten wieder ein Erfolgsrezept gemacht. Die neue Burger-Kette Hans im Glück hat vor Kurzem ein Restaurant in Osnabrück eröffnet.

Allein Hans im Glück hat in Deutschland bis dato rund 40 Restaurants eröffnet und seinen Wachstumshunger damit noch lange nicht gestillt. In Münster und Oldenburg gibt es ebenfalls Restaurants der Kette. (Weiterlesen: „Hans im Glück“ am Osnabrücker Nikolaiort eröffnet) 

Anspruchsvolle, individuelle Menüs

Der neue Trend zu Gourmet-Burgern, für die Kunden auch mehr zu zahlen bereit sind, könnte den etablierten Buletten-Bratern McDonald’s und Burger King gefährlich werden. In vielen Städten eröffnen kleine Anbieter mit anspruchsvollen, individuellen Menüs. Und einige wie etwa Schiller Burger aus Berlin schicken sich an, es Hans im Glück nachzutun und zu bundesweiten Ketten heranzuwachsen. Dazu kommen weitere junge Herausforderer wie die auf Sandwiches und Salate spezialisierte Kette Dean & David aus München.

McDonald’s hat nach Aussage von Deutschland-Chef Holger Beeck in den vergangenen Jahren zu langsam auf neue Trends reagiert. In den Jahren 2013 und 2014 sei das Unternehmen „nicht so erfolgreich“ gewesen, räumte der Manager kürzlich in einem Interview mit der „Welt“ ein. Man habe sich zeitweise zu sehr auf frühere Erfolge verlassen, inzwischen aber reagiert. „Die neuen Wettbewerber haben uns wachgerüttelt“, sagte Beeck. Das lasse sich an den Zahlen ablesen: „Zum Halbjahr sind wir deutlich im Plus und werden auch das Gesamtjahr nach jetzigem Stand positiv abschließen.“ (Weiterlesen: GQ Magazin: Ist der beste Burger des Jahres 2015 vegan?) 

Bio-Burger soll wieder zu mehr Umsatz führen

Dabei helfen soll ein Bio-Burger. Den gibt es beim deutschen Ableger des amerikanischen Konzerns zunächst nur für begrenzte Zeit. Mittel- bis langfristig sollen Bio-Burger jedoch einen festen Platz im Sortiment erhalten. „Uns hilft die neue Burger-Bewegung. Andere Anbieter haben uns angespornt, neu zu denken und uns neu zu orientieren“, so Beeck. Der Gast sei deutlich anspruchsvoller geworden.

Der Hype kommt für Ernährungs-Expertin Gesa Schönberger nicht überraschend – denn an den grundlegenden Vorlieben der Deutschen habe sich in den vergangenen Jahrzehnten nicht allzu viel verändert. „Nüchtern betrachtet ist der Burger auch nicht mehr als ein kreativ belegtes Brötchen – also eine der Leib- und Magenspeisen in unserem Land“, sagt Schönberger, die sich als Geschäftsführerin der Dr.-Rainer-Wild-Stiftung für gesunde Ernährung seit Langem auch mit Fast Food beschäftigt. Verändert haben sich aber die Ansprüche der Kunden. Sie legen auch bei Fast Food viel mehr Wert auf frische Zutaten, Service und Auswahl. „Der Preis ist nicht mehr das entscheidende Kriterium, sondern der Wunsch nach einzigartigen und nicht industriell gefertigten Produkten“, so Gregor Maihöfer, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands in Hamburg. Das bekommt Platzhirsch McDonald’s zu spüren, der mit sinkenden Umsätzen kämpft und nun auch eine Bedienung am Tisch in Deutschland ausprobieren will. Viele der rund 1400 Filialen sollen umgestaltet werde

Volles Risiko durch rasantes Wachstum

Aufstrebende Restaurant-Ketten wie Hans im Glück gehen mit ihrem rasanten Wachstum nach Einschätzung der Gewerkschaft Nahrung Genuss, Gaststätten (NGG) aber auch voll ins Risiko. Denn betrieben werden die neuen Filialen bei den meisten Ketten von Franchise-Partnern. Diese müssen sorgsam ausgewählt werden, damit die Gäste in allen Filialen einer Restaurant-Kette die gleiche Qualität vorfinden. „Das ist die Person, der man die Marke in die Hand gibt“, sagt Valerie Holsboer, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes Systemgastronomie. Wie schwierig das ist, hat im vergangenen Jahr der Skandal um Hygienemängel beim größten Franchise-Partner von Burger King gezeigt. „Das Franchise-System ist hoch problematisch“, sagt NGG-Experte Guido Zeitler. Auch die Unternehmer riskierten viel, wenn sie sich als Franchise-Partner einer großen Restaurant-Kette bewerben und viel Geld investieren: Denn das unternehmerische Risiko tragen sie am Ende selbst. Wenn der Newcomer irgendwann einmal seinen Reiz verloren hat und die Gäste wegbleiben, haben sie das Problem.Grundsätzlich rechnen Fachleute aber für das Essen unterwegs mit einem weiteren Wachstum – denn das Kochen zu Hause wird gerade für Berufstätige immer mehr zu einem Auslaufmodell und beschränkt sich auf das Wochenende. Ernährungsexpertin Schönberger sieht gerade im gehobenen Bereich noch viel Spielraum nach oben, denn auch beim Essen gebe es den Trend, sich ab und zu etwas Gutes zu tun. „Das beginnt damit, dass man sich doppelt oder dreifach teure Schokolade gönnt, und geht bis zum Wellness-Wochenende.“

Schiller-Burger gehört zu Heristo-Gruppe

Die Berliner Kette Schiller-Burger gehört unterdessen seit April dieses Jahres zu 72 Prozent dem Bad Rothenfelder Nahrungsmittelkonzern Heristo. Der Einkauf im Neuköllner Schiller-Kiez trägt die Handschrift von Oliver Risken. Seit 2008 ist der 36-Jährige Vorstandsmitglied der mit der Wurstmarke Stockmeyer groß gewordenen Heristo-Gruppe und übernimmt nach und nach Aufgaben von seinem Vater Heinrich W. Risken, dem Vorstandschef und Eigentümer. Eine kleine Burger-Kette mit sieben Filialen als Vertriebskanal für einen Fleischverarbeiter mit einem Jahresumsatz von 1,45 Milliarden Euro und mehr als 2000 Mitarbeitern? Nein, darum geht es Risken nicht: „Heristo-Produkte werden wir bei Schiller Burger weder verarbeiten noch vertreiben“, sagt er. Vielmehr sehe er in der Investition „ein Geschäftsfeld, in dem wir noch einmal eine größere Nähe zu den Verbrauchern und ihren Bedürfnissen herstellen und gleichzeitig Ideen für unseren Convenience-Bereich entwickeln können“.

Neue, jüngere Zielgruppen

Heristo erkundet neue Märkte. Der deutsche und weitgehend auch der europäische Bedarf an konventionellen Fleischprodukten ist gesättigt, teils geht der Konsum zurück. Schon lange erwirtschaften die Riskens weniger als die Hälfte ihres Umsatzes mit Stockmeyer-Wurstwaren. Immer mehr Umsatzanteil spielen Holding-Töchter wie der Fisch-Feinkosthersteller Appel in Cuxhaven, der Fertiggerichte-Spezialist Buss und die Tiernahrungssparte Saturn Petcare in Bremen ein. Mit dem Erwerb von Schiller Burger streckt Heristo nicht zum ersten Mal die Fühler nach neuen, jüngeren Zielgruppen aus: Ende 2014 übernahm das 1913 gegründete Unternehmen Youcook. Das Düsseldorfer Start-up vertreibt Päckchen mit frischen, portionierten Zutaten für die Zubereitung zu Hause. Die „Koch-Kits“ mit zumeist asiatischen und mediterranen Gerichten finden sich in den Kühlregalen von Edeka, Rewe und Kaisers’s. „Schiller Burger und auch Youcook dienen uns dazu, den modernen Verbraucher besser kennenzulernen“, wird Oliver Risken in der „Lebensmittelzeitung“ zitiert.

Der Umgang mit Abgesandten einer anderen Welt war für die Riskens also nichts Neues, als sie Ali Cengiz kennenlernten. „Sie haben mich gefunden, und bei unserem ersten Treffen ist sofort der Funke übergesprungen“, sagt der gut gelaunte Gründer von Schiller Burger. Dem Anruf aus Bad Rothenfelde war ein Bericht über Schiller Burger und den Konkurrenten Hans im Glück im Magazin „Der Spiegel“ vorausgegangen. Cengiz hatte darin Interesse an Investoren kundgetan.

Läden auch abseits der Touristenpfade

Der türkischstämmige 48-Jährige führt 70 Angestellte und hat eine genaue Vorstellung davon, wie Schiller Burger sein soll und wie nicht. „Wir gehen nicht primär dorthin, wo alle hingehen – Berlin Mitte, Prenzlauer Berg.“ Statt nur in den teuren angesagten Vierteln eröffnet Cengiz seine Läden auch abseits der Touristenpfade – in Pankow, in Weißensee und sogar im einst verschrienen Plattenbauviertel Marzahn: „Wir wollen zu den Leuten, wir wollen in die Kieze.“ Aus so einem, dem Schiller-Kiez im einst geschmähten Bezirk Neukölln, stammt Cengiz ja auch selbst. Dort eröffnete der studierte Volkswirt und langjährige Steuerberater sein erstes Burger-Schnellrestaurant. „Wir haben zwei Jahre experimentiert, bis die Produkte und das Markenkonzept standen“, sagt er. An erster Stelle steht für ihn die Frische der Zutaten. Frische Brötchen aus eigener Produktion, frisch geformte Frikadellen – von modernen Burgerbratern englisch „Patties“ genannt – aus Rindfleisch regionaler Herkunft. Dann kommt die Marke, die Aufladung mit der Aura des ehrwürdigen Dichters Friedrich Schiller – ablesbar etwa an Schiller-Zitaten auf dem „Air Stream“ in Bad Rothenfelde und an einer kleinen Schmöker-Ecke mit Schiller-Werken in jeder Filiale. „Schiller war ein Querdenker“, sagt Cengiz, „und wir sind es auch.“

Hans im Glück hat 39 Filialen

Das würde vermutlich auch Thomas Hirschberger von sich behaupten. Der Gründer des deutlich größeren Wettbewerbers Hans im Glück aus München betreibt mithilfe von Franchise-Nehmern bereits 39 Restaurants zwischen Binz auf Rügen und München. Hans im Glück verarbeitet tiefgefrorene Patties, ist damit aber ebenso erfolgreich. (Mit dpa)