Ferien an Nordsee und Ostsee 5 Tipps für Urlaub am Meer aus unseren Redaktionen

Von Vincent Buß | 06.07.2019, 09:03 Uhr

Lust auf einen perfekten Urlaubstag an Nord- und Ostsee? Fünf Reporter aus unseren Redaktionen geben ganz persönliche Einblicke und Tipps für eine unbeschwerte Zeit.

Zwar haben die fünf Tipps etwas gemeinsam: Sie führen alle an die deutsche Meeresküste. Doch die Ziele und Angebote vor Ort sind ganz unterschiedlich.

Insel Poel: Ein beschaulicher Urlaubstag

Handtuch, Wasserflasche, ein gutes Buch, Sonnencreme und Portemonnaie – ich packe ein paar Sachen in einen Rucksack. Dann geht es los. Mein Ziel: eine kleine, beschauliche Insel namens Poel an der Küste Mecklenburg-Vorpommerns. 36 Quadratkilometer, ein paar Dörfer, Felder mit Mohn- und Kornblumen am Rande, umspült von der Ostsee und erreichbar über einen schmalen Damm von Wismar aus. Energie tanke ich später am Meer.

Das Auto wird an der „letzten Tankstelle vor der Insel Poel“ betankt. Am Ortsausgang von Wismar. Etwa zehn Kilometer trennen mich noch von der Auszeit. „Ostseebad Insel Poel. Herzlich willkommen“, steht auf einem Schild. Ich bin angekommen. Neben Fischbrötchen, Wassersport und historischen Gebäuden genieße ich die Ruhe. Tief durchatmen. Die Luft riecht frisch und ein bisschen nach Meeresalgen.

Wer das Leben der Mecklenburger Küstenmenschen schon immer einmal miterleben wollte, der ist hier genau richtig. Keine Spur von Bettenburgen und Massentourismus. Umgeben von Gras und grünem Schilf, können Kurgäste und Erholungsurlauber erholsame Tage an den breiten Sandstränden verbringen. Es gibt dort auch ein Niendorf und ein Timmendorf. Allerdings die ostdeutschen Varianten.

Wer am Timmendorfer Strand das Maritim Clubhotel mit Wellnessbereich und Gourmet-Restaurant sucht, der sucht vergeblich. Wer ausgedehnte Spaziergänge und freundliche Leute schätzt, der gehört hierher. Galerien für Künstler und Kunstliebhaber mit wechselnden Ausstellungen gibt es auf der gesamten Insel. Modelle im Miniaturenpark des Inselmuseums Kirchdorf geben Einblick in die einstige Lebens- und Baukultur.

Mehr Informationen:

Wibke Niemeyer ist Redakteurin bei der Schweriner Volkszeitung und kann am Timmendorfer Strand vom Büroalltag abschalten.

Vilm: Wo Honecker eins Urlaub machte

Eine Insel mit einem einsamen Traumstrand und mit unberührter Natur. Gibt es die noch in Deutschland? Die gibt es – in Mecklenburg-Vorpommern im Greifswalder Bodden vor Rügen.

Vilm heißt das 96 Hektar große und 2,5 Kilometer lange Eiland, das Teil des Biosphärenreservats Südost-Rügen ist. Wegen des strengen Naturschutzes dürfen maximal 60 Besucher pro Tag die Insel im Sommer zu geführten Wanderungen betreten. Eine Anmeldung bei der Reederei Lenz wäre ratsam und ist möglich unter www.vilmexkursion.de.

Los geht es im Hafen von Lauterbach, einem kleinen Ort im Südosten von Rügen. Das Fährschiff „MS Julchen“ bringt uns in nur 20 Minuten rüber auf die Insel. Überfahrt und geführte Wanderung kosten pro Person 18 Euro, Kinder zahlen die Hälfte.

Unser Weg an Land führt zunächst an den einzigen Häusern der Insel vorbei. In den elf reetgedeckten Bungalows machten früher Erich Honecker und die DDR-Politprominenz Urlaub. Außer der SED-Führung durften bis 1990 nur Sicherheitsleute und das Dienstpersonal die Insel betreten.

Weiter geht es in einen nahezu unberührten Urwald mit knorrigen Eichen und mächtigen Buchen. Seit fast 500 Jahren hat dieser Baumbestand keine Axt mehr gesehen. Der letzte Holzeinschlag fand im Jahr 1527 statt. Seeadler nisten in den Gipfeln.

Von der 30 Meter hohen Steilküste hat man einen herrlichen Blick über den Bodden bis nach Rügen und über den 1,5 Kilometer langen weißen Strand des Eilands. Nach drei Stunden schippern wir mit „MS Julchen“ wieder zurück nach Lauterbach auf der Insel Rügen.

Mehr Informationen:

Thomas Volgmann ist am Greifswalder Bodden aufgewachsen. Als Reporter schreibt er für die Mantelredaktion der Schweriner Volkszeitung.

Langeoog: Wo man die Geheimnisse der Insel erfährt

Hinter dem kleinen Flughafen führt ein ungepflasteter Weg durchs Gebüsch zum ersten Abschlag. Dort steht das inoffizielle Clubhaus des Golfclubs Langeoog, eine Holzhütte, darin zwei Getränkeautomaten. Auf dem Parkplatz stehen keine Luxusautos, sondern Fahrräder mit Anhängerkupplung. Wenn die Kinder am Strand spielen und alle Strandkörbe besetzt sind, findet man hier Ruhe. Nirgends kann man Langeoog wohl besser kennenlernen.

Denn hier spielen viele Inselbewohner unweit von Schafen und Naturbiotopen Golf. Fliesenleger, Kneipier, Fahrradverleiher, Weinhändler, Koch, Bademeister, Maurer. Elitär geht anders. Hier erfährt man Inselgeheimnisse, wer mit wem kann und wer nicht. Oder warum die Immobilienpreise explodieren. Eine Wohnung von 25 Quadratmetern wird für 219 000 Euro verkauft. Sylter Preise. Mittags sieht man oft Inselkünstler Prester Anselm spielen. Sein Atelier liegt wunderschön in den Dünen. Dort können Kinder und Erwachsene Malkurse besuchen.

Nach Turnieren wird eingekehrt. Zeit für Gespräche. Sein Vater hätte sechs Kinder von drei verschiedenen Frauen, erzählt ein Mitspieler von der Insel. Wie kommt’s? „Der Winter kann hier sehr lang werden“, lautet die friesisch herbe wie humorvolle Antwort.

Viele Langeooger nehmen sich auch während der Saison Zeit für Neun-Loch. Das dauert rund zwei Stunden. Zeit, mit den Kindern am Strand zu spielen, bleibt deshalb immer. Und wenn dann einmal die Muße zum Selberkochen fehlt, gibt es abends in der „Strandhalle“ auf den Dünen Pommes für alle, Sonnenuntergang inklusive. Da spürt man: Zum Glück muss man nicht weit reisen.

Mehr Informationen:

Michael Clasen war mal ein Weltenbummler, nun Vater von fünf Kindern und Langeoog-Fan. Er leitet den Newsdesk von NOZ-Medien.

Ostfriesland: Mit Paddel und Pedal von Aurich bis Bedekaspel

Es muss nicht immer die Küste sein: Wer die Natur in Ostfriesland erkunden will, kann das am besten mit „Paddel und Pedal“. Die Idee dahinter ist simpel, aber gut: An jeder der 21 Stationen kann ein Kanu oder Fahrrad ausgeliehen und abgegeben werden. Auf den Rad- und Wasserwegen lässt sich die hübsche Region hervorragend erkunden. Ein Tipp für Ambitionierte: eine Tour von Aurich zum Großen Meer nach Bedekaspel in der Gemeinde Südbrookmerland. Hin mit dem Kanu, zurück mit dem Rad.

Los geht’s am Auricher Hafen. Der Name ist eine kolossale Übertreibung, aber dort ist die Ausleihe. Das ansonsten robust im Wasser liegende Kanu schwankt nur beim Einsteigen ganz schön. Danach ist Muskelkraft gefragt. Die vier- bis fünfstündige Tour auf dem Wasser ist nichts für Sportmuffel.

Auf dem Kanal gleitet das Boot im Takt der Paddelschläge. Zweimal muss es aus dem Wasser gehoben werden: an der Schleuse Kukelorum, wo es praktischerweise ein Café gibt, und beim Übergang in die Westerender Ehe, einen natürlichen Wasserweg. Bitte nicht täuschen lassen: Das Große Meer heißt nur so. Es ist ein See, und auch nur der viertgrößte in Niedersachsen. Als Zwischenstation ist das Naturschutzgebiet aber gut geeignet. Die beiden Restaurants direkt am Wasser sind empfehlenswert.

Das Kanu bleibt in Bedekaspel. Zurück nach Aurich wird geradelt – entlang der einzigartigen Wallheckenlandschaft. Ein Halt beim Upstalsboom ist Pflicht. Im Mittelalter kamen dort Abgesandte der friesischen Landesgemeinden zusammen. In Aurich ist die gut zweistündige Radtour zu Ende. Muskelkater ist garantiert. Schöne Erinnerungen aber auch.

Mehr Informationen:

Stephan Schmidt lebt und arbeitet dort, wo andere Urlaub machen: in Ostfriesland. Er stammt aus Leer und ist Chefredakteur der Ostfriesischen Nachrichten in Aurich.

Eckernförde: Ein perfekter Tag in Stadt und Umgebung

Es ist Mittwoch oder Sonnabend – Markttag in Eckernförde mitten im Zentrum auf dem Rathausmarkt und Kirchplatz vor der frisch renovierten St.-Nicolai-Kirche. Ein Muss für jeden, der Fisch, Fleisch, Obst, Gemüse, Blumen, Brot, Salate, Eier, Honig, Gewürze, Käse, Kaffee und süße Leckereien in Vielfalt und Qualität zu schätzen weiß. So fängt der Tag gut an. An allen Nicht-Markttagen kann man sich in den kleinen Einkaufsgassen zwischen Hafen und Fußgängerzone mit einem guten Frühstück für den Tag in Form bringen.

Die Sonne scheint, es weht ein leichter Wind. Eckernförde ist am besten zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu erkunden. Der Weg führt direkt zum Hafen. Er verbindet die Innenstadt und den Stadtteil Borby. Der Weg über die Holzbrücke ist zu empfehlen – kurz stehen bleiben und die Hafenatmosphäre zwischen Siegfried-Werft und Rundspeicher genießen. Fisch gibt’s dort morgens direkt vom Kutter.

Badesachen und Handtuch sollten schon im Rucksack sein – die Hafenmeile führt direkt zum Strand. Ein Abstecher ins Ostsee Info-Center direkt am Seesteg ist unbedingt zu empfehlen. Dort tummeln sich Krabben, Seeigel, Dorsch und Co. zum Angucken und im großen Fühlbecken auch zum Anfassen.

Dann ab in den Sand, relaxen. Und nach Herzenslust in der Ostsee baden. Wenn der Hunger kommt, schnell in die Klamotten und zu Fuß 100 Meter in die Innenstadt oder an den Hafen, da gibt es alles von Pizza über Fisch bis zum Steak. Auch shoppen ist in der Fußgängerzone jederzeit auch im lockeren Strand-Outfit möglich.

Sun-Downer schmecken besonders gut bei Meerblick, und den hat man quasi überall an der Strandpromenade und am Hafen, und dort auch auf Borbyer Seite. Müde und gleichzeitig beschwingt lockt das Bett – möglichst bei geöffnetem Fenster, denn die Luft ist gut im Ostseebad Eckernförde.

Mehr Informationen:

Gernot Kühl kennt Eckernförde wie seine Westentasche, hat bei 13 Grad seinen Freischwimmer in der Ostsee gemacht und kann ohne Meer nicht leben.