Entwicklungsländer sollen profitieren Japan prämiert die besten Toiletten

Von Susanne Steffen | 23.06.2015, 22:30 Uhr

In der Toilettentechnologie ist Japan weit voraus. Mit einem Wettbewerb will die Frauenministerin nun weitere Entwicklungen fördern. Denn: Luxuriöse WCs ziehen Besucher an.

Das japanische Frauenministerium hat den großen japanischen Toilettenpreis ausgeschrieben. Damit sollen die besten Toiletten des Landes ausgezeichnet werden. Diese Edeltoiletten sollen die Lebensqualität von Japans Frauen verbessern.

Die Chinesen wissen längst, dass japanische Hochtechnologietoilettensitze zu den weltbesten gehören. Sogenannte „Washlets“ – beheizbare Toilettensitze mit verschiedenen Wasch- und Trockenfunktionen und wahlweise auch mit Hintergrundrauschen, um peinliche Körpergeräusche zu übertönen – gehören Statistiken zufolge zu den beliebtesten Japan-Souvenirs chinesischer Touristen. Viele kaufen die sperrigen Mitbringsel gar im Dutzend.

Madonna schwärmt von Duschtoiletten

Auch Weltstars schwärmen öffentlich von Japans Duschtoiletten. „Der Wasserstrahl trifft immer genau die richtige Stelle. Diese Toiletten reinigen und trocknen – nur mit Wasser und Luft“, lobte Hollywoodstar Will Smith Medienberichten zufolge. Auch Madonna soll Pressevertretern ihre Vorliebe für japanische Sanitärtechnik verraten haben.

In Japans Onlinegemeinde kursieren Hitlisten mit den luxuriösesten Toilettenerlebnissen, die das Land zu bieten hat. Dazu gehören etwa mit teuren Kunstwerken und einer Flusslandschaft verzierte Designer-Toiletten in einem Tokioter Nobelhotel und ein Urinal im zwölften Stock eines Kaufhauses mit Blick auf den Tokioter Hauptbahnhof und die dahinter liegende Skyline der Millionenmetropole.

Ruheoasen in Kaufhäusern

Längst sind besonders luxuriös gestaltete Toilettenräume zu wichtigen Kundenwerbemaßnahmen japanischer Kaufhäuser geworden. Die Anlagen sind nicht nur geräumig und extrem sauber – sie sind als wahre Ruheoasen gestaltet.

Doch Japans Frauenministerin Haruko Arimura ist noch lange nicht zufrieden mit Japans Toilettensituation. Bis zu den Olympischen Spielen in Tokio im Jahr 2020 sollen an öffentlichen Orten noch viel mehr „typisch japanische saubere und bequeme Toiletten“ entstehen. (Weiterlesen: Supermärkte in Berlin sollen Toiletten öffnen) 

Entwicklungsländer sollen profitieren

Als ultimativer Anreiz zum Bau von neuen Luxusklos soll nun ein Designwettbewerb für die besten Toiletten des Landes dienen. In zwei Kategorien können sich Gebäudemanager, Schulen, Bahngesellschaften und Toilettenhersteller bewerben. Im September werden die Preise für den „besten Toilettenraum“ und für die „besten Aktivitäten rund um das Thema Toilette“ vergeben. Bei Letzterem erhofft sich die Ministerin Aktionen in Entwicklungsländern, um Einheimischen Zugang zu sauberen Sanitäranlagen zu verschaffen und neue Lösungsvorschläge für Katastrophenfälle, wenn selbst die drittgrößte Industrienation der Welt auf Notlösungen angewiesen ist. „Dieser Wettbewerb ist auch Teil unserer Bemühungen, unsere Gastfreundschaft bei den Olympischen Spielen zu zeigen“, erklärte Ministerin Arimura jüngst in einer Pressekonferenz.

Vielerorts fehlt der Komfort

Ein Regierungsbericht über Möglichkeiten zur Steigerung der Lebensqualität für Frauen sieht in der Ausstattung öffentlicher Toiletten mit den legendären Hochtechnologieklos einen wichtigen Ansatzpunkt zur Verbesserung. Im Gegensatz zu den Edeltoiletten in Einkaufszentren sind viele öffentliche Orte noch immer mit traditionell japanischen Stehtoiletten ohne jeglichen Luxus ausgestattet. (Weiterlesen: Kolumne: Die nette Toilette) 

Die Verfasser des Berichts haben auch konkrete Ideen für die Umsetzung: So sollten zum Beispiel Parks mithilfe bekannter Designer luxuriöse Toilettenräume bauen. Das ziehe Besucher an, heißt es. Um die Finanzierung sicherzustellen, sollte Werbung geschaltet werden. Digitale Toiletten-Karten, auf denen auch Nutzer Kommentare hinterlassen können, sollen Tokio-Reisenden die besten stillen Örtchen der Stadt zeigen.