Entführt und vergewaltigt? Blutiger Überfall auf Europäerinnen in Australien

11.02.2016, 15:30 Uhr

Zwei junge europäische Urlauberinnen sind in Australien beim Zelten in einem Nationalpark überfallen worden. Einheimische berichten von dramatischen Szenen, die an die Backpacker-Morde in den 80er Jahren erinnern.

„Er wird uns umbringen“, rief die junge Frau in Panik. Nackt und blutend flüchtete sie sich zu einer Gruppe Australier, die im Coorong Nationalpark 150 Kilometer südöstlich der südaustralischen Hauptstadt Adelaide beim Fischen waren und nicht damit gerechnet hatten, Zeugen eines Verbrechens zu werden. „Erst hat sie nur gewunken“, beschrieb Abdul-Karim Mohammed die dramatische Situation im Interview mit dem Fernsehsender Channel Seven. Dann sei die Frau schreiend auf ihr Auto zu gerannt. „Sie öffnete die hintere Tür, sprang hinein und rief: ‚Bringt mich hier weg, bringt mich hier weg, er wird uns alle töten.‘“

Traumatisiertes Opfer

Weil die junge Frau keine Kleider anhatte, gaben ihr die Fischer zunächst eine Jacke und versuchten, die völlig aufgelöste Weinende zu trösten. Ein Fischer sagte, die Frau habe dauernd geschrien. Sie sei von ihrer Freundin, die mit ihr unterwegs war, getrennt worden, da sie in unterschiedliche Richtungen gelaufen waren, und sie wollte sie unbedingt wiederfinden. Die beiden Frauen stammen laut dem australischen Fernsehsender Channel 9 aus Deutschland, andere Medien berichten nur von Europäerinnen. Nach Angaben der Fischer hatte die Frau Kratzer an ihren Beinen, als sei sie von jemandem gepackt und mitgezogen worden.

Die Fischer riefen die Polizei. Die nahm kurz darauf den mutmaßlichen Täter fest, einen 59-jährigen Australier. Auch die zweite junge Frau konnte gerettet werden. Sie war deutlich schwerer verletzt und kaum bei Bewusstsein, als sie in den Dünen am Strand entdeckt wurde. Laut Medienberichten ist ihr Zustand jedoch nicht lebensgefährlich. Sie soll in stabilem Zustand im Krankenhaus sein, während ihre Freundin bereits entlassen werden konnte.

Freiwillig mit dem Täter gegangen

Die beiden Frauen, die Mitte zwanzig sein sollen, hatten in dem einsamen südaustralischen Nationalpark gezeltet, als sie angegriffen wurden. Die genauen Details, wie sie ihren Angreifer kennenlernten, sind noch unklar. Die Frauen scheinen jedoch am Dienstag zunächst freiwillig mit ihm gekommen zu sein, bevor der Mann sie angriff und die Situation lebensgefährlich wurde. Dem 59-Jährigen werden Entführung, Vergewaltigung, Körperverletzung und versuchter Mord vorgeworfen. Er soll laut australischen Medien in der Region bekannt sein und auf mehreren Online-Profilen nach Frauen gesucht haben. Auf den Profilen beschreibt er sich als jemand, der gerne fischt und zeltet, und der gut mit fast jedem klarkommen würde.

Der Bürgermeister der nahe gelegenen Gemeinde bezeichnete den Vorfall im staatlichen Sender ABC als Tragödie. Normalerweise sei der Nationalpark sehr sicher. „Die Helden sind die jungen Männer und die anderen Mitglieder der Gemeinde“, sagte Neville Jaensch über die Fischer, die sich um die junge Frau gekümmert hatten.

Erinnerungen an „Backpacker-Mörder“

Der Vorfall weckte Erinnerungen an Verbrechen, die sich Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre im Osten Australiens ereigneten. Damals verschwanden in und um Sydney junge Urlauber, die allesamt per Anhalter unterwegs waren. Sieben von ihnen fand man schließlich ermordet im „Belanglo State Forest“, einem Wald südwestlich von Sydney.

Unter den sieben Toten befanden sich drei junge deutsche Reisende. Schuldig gesprochen wurde Ivan Milat, in dessen Haus man Mordwaffen und Eigentum der Getöteten gefunden hatte. Bis heute wird spekuliert, ob der „Backpacker-Mörder“ – wie die australische Presse ihn nennt – die Morde allein begangen hat oder ob andere Familienmitglieder oder Freunde beteiligt waren, die nach wie vor auf freiem Fuß wären.