„Mittagsstunde“ kommt ins Kino Dörte Hansen spricht mit Ehemann und Tochter Plattdeutsch

Von Joachim Schmitz | 15.09.2022, 14:13 Uhr

Dörte Hansens Roman „Mittagsstunde“ kommt nächsten Donnerstag ins Kino. Mit der Verfilmung sind auch die Gesichter ihrer Figuren aus ihrem Kopf verschwunden, erzählt die Autorin im Interview.

Bestsellerautorin Dörte Hansen (58), die im nordfriesischen Dorf Högel aufwuchs und heute mit Ehemann und Tochter im nahegelegenen Husum lebt, pflegt nach wie vor die alten Traditionen: “Ich spreche in meinem Alltag immer noch Platt –  mit meinem Mann, meiner Tochter, unseren Nachbarn. Wenn ich zu Hause bin, spreche ich 50 Prozent der Zeit Platt und ansonsten Hochdeutsch”, sagte sie in einem Interview mit unserer Redaktion.


Selbst als ihre Tochter die ersten Lebensjahre in der Großstadt verbrachte, wurde am Plattdeutschen festgehalten: “Die ersten drei Jahre haben wir ja in Hamburg-Ottensen gelebt, und da war sie weit und breit das einzige plattdeutsche Kind. Aber es gab nur einmal Schwierigkeiten, weil eine Erzieherin nicht wusste, was sie will –  sie hatte nach ,Wiendruven’ gefragt, also nach Weintrauben.”

Von Charly Hübner angetan

Die Eigenarten des Landlebens hält sie in ihren Beststellern fest. Mit der Verfilmung ihrer Bücher erleidet sie stets auch einen Verlust: “Es ist schon ein kleiner Abschied von den eigenen Bildern, wenn man sein Buch verfilmen lässt. Das geht mir als Autorin genauso wie den Lesern,” sagte sie. “Für mich wird Ingwer Feddersen jetzt wahrscheinlich immer das Gesicht von Charly Hübner haben, dabei hatte er vorher ein ganz anderes Gesicht.” Hübner spielt die Hauptfigur in der Verfilmung von Hansens Roman “Mittagsstunde”, die am kommenden Donnerstag in die Kinos kommt.


Den Auftritt des Schauspielers habe sie allerdings als sehr wohltuend wahrgenommen, berichtete die 58-Jährige weiter: “Es war eine große Überraschung für mich, zu sehen, wie Charly Hübner trotz seiner Präsenz diesen sehr zurückgenommenen Ingwer Feddersen spielt. Das hat mich sehr beeindruckt. Dennoch bin ich froh, dass es die Verfilmung erst Jahre nach Erscheinen des Buches gibt, ich hatte meine Figuren also ganz lange für mich. Dann konnte ich sie auch abgeben und sagen: Okay, jetzt macht ihr mal und legt es fest.” 


Wenn sie heute noch einmal in ein früheres Jahr ihres Lebens zurückreisen könnte, würde sich Hansen für 1983 entscheiden: “Damals war ich als Au-pair-Mädchen in Paris. Das war mein großes Abenteuer. Manchmal frage ich mich, woher ich den Mut genommen habe, aus diesem 500-Leute-Dorf Högel nach Paris zu gehen. Aber ich wollte das unbedingt, und es war auch richtig. Heute liebe ich die Stadt immer noch und würde gern mit dem, was ich heute weiß über Paris und über mich noch mal die alten Wege gehen.”

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