Die Liebe im Zeichen der Ringe Britta Steffen und Paul Biedermann drücken sich gegenseitig die Daumen

27.07.2012, 16:30 Uhr

Die Rückkehr aus London tritt das deutsche Olympia-Team am 13. August mit der MS Deutschland an. Das 175 Meter lange und 23 Meter breite Luxusgefährt kann auf eine beachtliche Fernsehkarriere verweisen: als Traumschiff. Ein allein schon vom Namen her ideales Rückreise-Quartier für ein Traumpaar, wie Britta Steffen und Paul Biedermann es sind.

Die Doppel-Olympiasiegerin von Peking 2008 hält Händchen, turtelt, kuschelt mit dem Doppel-Weltmeister von Rom 2009 – über die private Seite von Steffen und Biedermann wird fast so viel geschrieben wie über deren umfangreiche Medaillensammlung.

Die soll nun im Aquatics Centre von London, dem Austragungsort der olympischen Schwimmwettbewerbe, ergänzt werden. Britta Steffen hat vier Chancen: 50 m Freistil, 100 m Freistil, 4x 100 m Freistil und 4x 100 m Lagen. Paul Biedermann nur drei: 200 m Freistil, 400 m Freistil und 4x 200 m Freistil. Wenn alles traumhaft verläuft für das Traumpaar, könnte gleich der heutige erste Wettkampftag das ganz große sportliche Glück bringen. In Form von Medaillengewinnen binnen einer Stunde: Der Start zum 400-Meter-Freistil-Finale der Männer ist um 20.51 Uhr, die 4x100-Meter-Freistilstaffel der Frauen beginnt um 21.48 Uhr. „Das Kribbeln merkt man schon“, sagt Biedermann, der erkannt hat: „Das, was ansteht, ist nun einmal etwas Besonderes.“

Der 25-Jährige erlebt Olympia erstmals in der Mitfavoritenrolle. Seine drei Jahre ältere Partnerin kennt dieses Gefühl schon seit Peking, als sie die Erwartungen großartig stemmte und über 50 und 100 Meter Freistil als Erste anschlug. Also ist familieninterne psychologische Aufbauarbeit garantiert.

„Ich frage Britta selbstverständlich, wie sie das damals geregelt hat“, erklärt Biedermann, schraubt sicherheitshalber aber die Erwartungen herunter: „Eine Medaille wäre ein absoluter Traum. Meine Zielsetzung ist jedoch, unter die ersten fünf zu kommen.“ Schon die Vorläufe am heutigen Samstag ab 11 Uhr werden den ersten Fingerzeig geben, ob sich ein Traum des Traumpaares verwirklichen lassen könnte.

Ein gemeinsamer Sieg innerhalb einer Stunde würde anknüpfen an ein bis heute einmaliges Olympia-Ereignis, die Goldmedaillen-Gewinne von Emil Zatopek und Dana Zatopkova 1952 in Helsinki. Die tschechischen Leichtathletik-Idole sind zweifelsfrei bis heute das faszinierendste Paar in der Geschichte der Olympischen Spiele der Neuzeit, zumal ihre Ehe über ein halbes Jahrhundert bis zu Emils Tod im Jahr 2000 hielt.

Ein solch langes Glück blieb nur wenigen anderen Sportler-Lieben vergönnt. Schwimmerin Franziska van Almsick und Handballer Stefan Kretzschmar waren nur ein paar Jahre liiert. Die Ehe zwischen Boxer Sven Ottke und Leichtathletin Gabi Reha ist längst geschieden. Gute Aussichten, wie die Zatopeks Feiern wie Rubinhochzeit (40 Jahre) oder gar Goldene Hochzeit (50) zu erreichen, haben die Gold-Rosi Mittermaier – Deutschlands Liebling der Winterspiele 1976 – und ihr Christian Neureuther, die schon 32 Jahre verheiratet sind und deren Sohn Felix ebenfalls olympische Erfahrungen im alpinen Skisport gesammelt hat.

Kurz vor der Silberhochzeit zerbrach die Ehe zwischen dem US-Amerikaner Bill Toomey, Zehnkampf-Olympiasieger von 1968, und der Engländerin Mary Rand, die 1964 den Weitsprung gewann. Über den Sport Grenzen überwanden auch die Deutsche Steffi Graf und der Amerikaner Andre Agassi, bis heute strahlendes und glückliches Tennis-Paar.

Nicht ganz so lange zusammen, dafür aber immer noch und demnächst in London aktiv sind Carolin Nytra und Sebastian Bayer. „Schatz, ich will nicht allein nach Peking fahren. Ich will mit dir hinfahren“, hatte die Hürdensprinterin ihren liebsten Weitspringer 2008 gebeten. Gemeinsam gesiegt hält doppelt – das werden sich auch Steffen und Biedermann denken.