DFB-Team will Duftmarke setzen – Podolski und Klose werben um einen Startelf-Platz Die Ersten wollen die Ersten werden

Von Harald Pistorius | 05.09.2011, 18:52 Uhr

Wie ein Raumschiff aus der Flotte der Münchener Allianz-Arena liegt die goldfarbene PGE-Arena in einem tristen, ländlichen Randbezirk von Danzig, umgeben von holprigen, engen Straßen, zerfallenen Häusern und Baustellen. Polen ist bereit für die Europameisterschaft, aber noch ist nicht alles fertig. Auch die deutsche Fußballnationalmannschaft ist bereit für das Turnier, und sie ist voll im Zeitplan. Als eine der größten Attraktionen des Kontinents landete das Team von Bundestrainer Joachim Löw gestern zum Ortstermin mit Schnupperkurs in der EM-Wahlheimat.

Die Ersten wollen die Ersten werden: Die Qualifikation als Erster geschafft, als erster EM-Teilnehmer das Quartier gebucht und nun Premierengast bei der ersten internationalen EM-Probe. Über die Ziele bei der EM lassen Löw und seine Spieler die Konkurrenz ohnehin nicht im Unklaren. „Cieszymy sie na rok 2012“ – „Wir freuen uns auf 2012“ steht in Großbuchstaben auf dem Teambus, der die Mannschaft am Montag in Danzig empfing.

So steht es auf den Trikots, die die Mannschaft an diesem Abend (20.45 Uhr, live im ZDF) bei der internationalen Premiere der PGE-Arena tragen wird. Und so stand es auch auf dem T-Shirt, das Lukas Podolski am Montagabend vor dem Abschlusstraining bei der Pressekonferenz trug.

Erstmals spielt er heute in dem Land seiner Großeltern und seiner Eltern; in Gleiwitz/Oberschlesien wurde Poldolski geboren. Gern beantwortet er die Fragen der polnischen Reporter in seiner Muttersprache, nur übersetzen will er seine eigenen Antworten nicht, wie er grinsend sagt. So tut die Dolmetscherin ihren Job, doch dabei bleiben die Auslöser der Lacher beim Originalton auf der Strecke.

„Es wird etwas Besonderes sein, zum ersten Mal hier zu spielen und die polnische Hymne zu hören. Meine halbe Familie ist dabei, ich freue mich“, sagt Podolski. Bei der EM 2008 erzielte er beide Treffer zum 2:0 gegen Polen, jubelte aber aus Respekt vor seinem Heimatland sehr verhalten. „Uns bestraften – die Polen“, titelte damals eine polnische Zeitung.

Gemeint war neben Podolski natürlich Miroslav Klose, der seinem Einsatz ebenfalls entgegenfiebert. Auch der in Oppeln geborene und als Fünfjähriger mit seinen Eltern als Spätaussiedler-Familie in die Pfalz ausgewanderte Mittelstürmer hat noch nie auf polnischem Boden gespielt. Gewohnt schlitzohrig suchte Klose das Gespräch mit Löw, um dem Bundestrainer klarzumachen, dass er keinen Anlass für eine Schonung sehe.

Und auch Podolski warb ungeniert für seinen Startelf-Einsatz: „Ich habe Erfahrung vorzuweisen und in der Nationalmannschaft fast immer gut gespielt. Ich weiß, was ich kann.“ Und der Bundestrainer weiß, was er hat. Ein großes Reservoir an guten Spielern. Boateng wolle er mal als Innenverteidiger probieren, ob er mit den Außen Podolski und Müller beginne oder mit einer anderen Flügelzange, ließ er lässig offen. Torwart Wiese versprach er einen 90-Minuten-Einsatz, Götze einen Platz in der Startelf.

Kein Wunder, dass da einen Gegner wie Polen die Angst vor einer klaren Niederlage beschleicht. Und so waren die Fragen der polnischen Reporter an den deutschen Bundestrainer nach der Motivationslage verständlich. Klar sei die Spannung nicht mit der vor einem großen Turnierspiel zu vergleichen, sagte Löw, um dann die nächsten Worte durch ein Heben der Stimme zu unterstreichen: „Wir, jeder Einzelne, will in jedem Spiel das Beste geben, dafür sorgt schon der Konkurrenzkampf. Wir wollen jedes Spiel nutzen, um uns weiterzuentwickeln.“

Das klang dann schon wieder fast wie eine Warnung. Löw und seine Mannschaft wollen an Ort und Stelle eine Duftmarke setzen, der Bundestrainer weiß genau, welche Wirkung ein starker Auftritt in Polen haben kann. Erst recht in der Stadt, in der die DFB-Auswahl im Sommer 2012 Quartier beziehen will – und zwar für vier Wochen, bis zum Ende des Turniers. In dem Fünf-Sterne-Hotel „Dwór Oliwski“, das während der EM exklusiv dem DFB vorbehalten ist, richtet Manager Oliver Bierhoff den Elitekickern eine Wohlfühl-Oase ein – wie 2006 im Schlosshotel Grunewald in Berlin und 2008 im Hotel Giardino in Ascona.

Gestern bezog dort noch die polnische Mannschaft Quartier.